Nach zwanzig Jahren kommt ein Mann in seine Heimat zurück. Es ist der Sohn der Dienerin Isidora, doch aufgewachsen ist er im Herrenhaus, aus dem er unter ungeklärten Umständen verschwunden ist. Am Abend nach seiner Rückkehr wird die Familie Albuera ermordet, nur die junge Aurora bleibt am Leben. Die Polizei tappt im Dunklen und verhaftet mangels eines Besseren den jungen Hirten Paco, der am Tag der Untat auf dem Gut gesehen worden ist. Nur ein namenloser Kommissar nimmt sich die Zeit, dem Großvater des Angeklagten Gehör zu schenken, der die Gründe für die Tat in der tragischen Vergangenheit der Familie sucht.
Neben einer düsteren Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt, schildert der Autor mit seinem Roman auch ein farbiges Gemälde der spanischen Geschichte. Nur vor diesem Hintergrund ist die Verstrickung von Schuld und Dünkel zu verstehen, die letztendlich zu einem Mord führt. Hinzu kommt die eigenwillige Wahl der Erzählperspektiven. Die langen Abende an dem Kaminfeuer des Alten werden allein von ihm bestritten. Ein wenig erinnert die Erzählstruktur an ein Telefongespräch, bei dem nur der eine Teilnehmer zu Wort kommt, der andere dem Leser jedoch lebendig vor Augen steht. Auch die Umständlichkeit des alten Mannes und seine besonderen Lebensumständen werden für den Leser immer deutlicher. Dass das Ergebnis sprachlich nicht ganz leicht zu durchschauen ist, erhöht nur den Reiz der Lektüre. Doch am Ende bleiben Fragen offen - nicht zuletzt die, ob das Spanien der Gegenwart aus Blutvergießen und Hass gelernt hat, und der Gerechtigkeit endlich eine Chance einräumt.