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Fancsikó und Pinta [Gebundene Ausgabe]

Péter Esterházy


Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

1. August 2002
Wer "Harmonia Calestis" gelesen hat, glaubt mit Recht, "die Familie" zu kennen. Ja, wir kennen schon diese Mutter und diesen Vater in Fancsiko und Pinta, sie ist "meine Mutter" und er ist "mein Vater". Oder nicht? Es gibt nur eine Mutter und einen Vater. Wir kennen sogar das "So lernte mein Vater meine Mutter kennen". Aber den Blick des jungen Autors, den kennen wir nicht. Das Buch wurde 1972 - 74 geschrieben und erschien 1976 in Ungarn als erste Veröffentlichung des damals 26-jährigen Peter Esterhazy. Wir sehen die fünfziger Jahre, die sechziger, diese Familie, alles kommt einem vertraut vor - nur die Beleuchtung ist eine andere, neue. Viele kleine Erzählpartikel von einer bis maximal drei Seiten fügen sich zu einem Tableau, auf dem der Vater mit seinen schönen Händen zu sehen ist, die Mutter, wie sie ihrem Sohn Waschanweisu ngen gibt oder auf Fotos die Geliebten des Vaters wegschnippelt, wie die Eltern lachend zuschauen, wenn der Sohn zusammen mit Fancsiko und Pinta, den beiden ungebärdigen Buben, ein Marionettenspiel vom treulosen Vater zur Aufführung bringt."Fancsiko und Pinta, die Titelhelden, die zwei Clowns, altklug und dumm, wie es sich gehört, kommen sie aus der Phantasie oder existieren sie wirklich? Das ist keine relevante Frage: die Wörter existieren. Wo Phantasie und Wirklichkeit noch eins sind, da ist das Terrain der Unschuld. Das Buch ist, wie vielleicht jedes erste Buch, der Verlust der Unschuld." (Peter Esterhazy)

Produktinformation


Produktbeschreibungen

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Péter Esterházy, 1950 in Budapest geboren, eine literarische Kultfigur im ehemals totalitär regierten Ungarn, veröffentlichte 1976 sein erstes Buch. Mit großer Verspätung erscheint es nun erstmals in deutscher Übersetzung. Fancsikó und Pinta vervollständigt endlich die Chronologie der schriftstellerischen Entwicklung Esterházys und macht die vollkommene Vernetzung seines Werkes deutlich. Immer wieder stößt man auf Textpassagen, die bereits aus späteren Büchern bekannt sind -- das Zitieren von Eigenem und Fremdem, absorbiert von einer neuen Textumgebung, ist ein wichtiges Charakteristikum seines Schreibens.

"Die Sprache vom Fleck bewegen heißt soviel, wie eine Revolution vom Zaun brechen", lautet Esterházys Kredo. Fancsikó und Pinta war der Beginn dieser hochartifiziellen Revolution. Vordergründiges Thema des Buches ist die nicht ungewöhnliche kindliche Disposition, sich mit imaginären Freunden vor der Unbill der Erwachsenenwelt zu schützen. Fancsikó (ein Aristokrat, mit "eckiger Klugheit" ausgestattet) und Pinta (ein Rebell im Turnhemd mit abgekauten Fingernägeln) retten Péter vor dem Jammer der Mutter und der Arroganz des Vaters. Fancsikó/Pinta/Péter entlarven die Verlogenheit der Erwachsenen, die "wortlosen Stimmen vom Geschwätz". Während "im Erwachsenenzimmer die Messer schwirren", erfindet Péter mit seinen Freunden eine eigenwillige Vielstimmigkeit, die sich durch Esterházys gesamtes Werk zieht.

Mit diffizilem Witz und ästhetischer Sperrigkeit arbeitet sich der Adelsspross heute wie vor 25 Jahren an seinem leider völlig immateriellen Familienerbe ab. Erst 2001 erschien der in Ungarn als Nationalepos gefeierte Roman Harmonia Caelestis, in dem Esterházy ungarische und europäische Geschichte, Familien- und Kulturgeschichte vielfach verschlüsselt.

Im Vergleich zum "reifen" Werk Esterházys, mit dem er immer wieder an die Grenzen des Verstehbaren stößt, eignet sich das Jugendwerk Fancsikó und Pinta als Einstieg in die Esterházy'sche Welt allemal besser. Trotz seines Bestrebens, eine eigene, nicht gerade unkomplizierte Sprache für sich zu finden, gleitet die Erzählung nicht in überkonstruierte Bedeutungslosigkeit ab. Der kindliche Blickwinkel erlaubt es ihm, hinter die "Oberflächen der Gesichter" zu sehen, und was er sieht, kann einen als Erwachsenen das Fürchten lehren. Sein seziermesserscharfer Charme macht diesen ersten von vielen "Familienromanen" zu einer bestechend berührenden Lektüre. --Beatrice Simonsen


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