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Famose Kerle: Eulenburg. Eine wilhelminische Affäre
 
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Famose Kerle: Eulenburg. Eine wilhelminische Affäre [Gebundene Ausgabe]

Peter Jungblut
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 307 Seiten
  • Verlag: Männerschwarm; Auflage: 1., Aufl. (September 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3935596219
  • ISBN-13: 978-3935596213
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13,2 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 351.922 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Peter Jungblut
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Peter Jungblut ist Journalist. Er arbeitet als Radiokorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio und zeichnet einen politischen und gesellschaftlichen Skandal um Homosexualität vor knapp 100 Jahren nach: Eulenburg. Eine wilhelminische Affäre. "Jeder sagt dem andern nur Schlechtes nach. Und sie haben alle recht." Peter Jungblut nennt dies mit den Worten Kurt Tucholskys die Kernaussage in der Eulenburg-Affäre.

Jungblut öffnet die Akten mit einem Prolog ("Olympische Freuden, irdische Leiden") und endet mit einem Epilog ("Ganymed wohnt hier nicht mehr"). Der einem Drama ähnliche Anfang endet jedoch inhaltlich eher in einem tragikomischen Schauspiel. Graf Philipp zu Eulenburg und Hertefeld steht dabei im Mittelpunkt. Jungblut erzählt aus dem Leben Eulenburgs und seiner politischen Karriere, seiner Bekanntschaft mit der Familie Otto von Bismarcks und von seiner langjährigen innigen Freundschaft mit Kaiser Wilhelm II. Das im Plauderton erzählte Sachbuch deckt dabei die wichtigsten Stationen ab, um die Tragweite des Prozesses zu veranschaulichen. Es geht dabei nach Jungblut "erstens um die feine Gesellschaft, zweitens um Sexualität und drittens um hohe Politik".

In Wirklichkeit zeigt Jungblut jedoch vielmehr überzeugend auf, wie stark die Macht der Presse und deren Mechanismen angesichts des damals erpressbaren Phänomens Homosexualität war, konnte doch der Journalist Maximilian Harden durch sein geschicktes Agieren die Auflagenzahl seiner Wochenzeitschrift Die Zukunft von 6.000 auf 70.000 Exemplare steigern. Auch wenn Vergleiche mit Drehbuchautoren von TV-Gerichtsshows und heutigen Computer-Kids angesichts des historischen Stoffs an manchen Stellen deplatziert und störend wirken, zeigen gerade diese Vergleiche, dass ein solcher Skandal nach hundert Jahren trotz größter Dramatik verpuffen würde. Waren Schwule während und nach der über vier Jahre dauernden Eulenburg-Affäre verstärkt bedroht und denunziert, so füllte 2003 die Hamburger Polit-Affäre um Ronald Schill und Ole von Beust nicht einmal ein Sommerloch. --Mathias Mahler

Kurzbeschreibung

Preußen, wie es keiner kennt - Die Eulenburg-Affäre Ein General, der beim Auftritt im Ballet-Röckchen am Herzschlag stirbt, ein Fürst, der in Witzblättern beim Sex mit dem Berliner Stadtkommandanten gezeigt wird, Ausgangssperre für Ulanen, um sie vor dem Zugriff geiler Zivilisten zu schützen, eine Hellseherin mit besonderem Gespür für den Enddarm: Es ist verblüffend, wie offen und ausdauernd im preußisch-zackigen Kaiserdeutschland über Homosexuelle in höchsten Kreisen geredet wurde; verglichen damit erscheinen die Pressereaktionen auf die Kießling-Affäre und Wowereits Selbst-Outing geradezu harmlos. Die in den Text eingestreuten "Simplicissimus"- und "Wahrer Jacob"-Karikaturen sind an Deutlichkeit nicht zu überbieten - wer würde heutzutage schon Soldaten mit Handtäschchen und Make-up oder Spitzenpolitiker beim Oralverkehr zeichnen?! Der Journalist Peter Jungblut hat sich mit viel Neugier und Lust am schrägen Detail in die Quellen des Eulenburg-Skandals hineingearbeitet, der das Wilhelminische Kaiserreich erschütterte. Eulenburg wurde gern als preußischer Seneca bezeichnet: ein Landadliger, der durch Kontakte eines Onkels zum Haus Bismarck in die Politik gelangte und durch seine Fähigkeiten als Alleinunterhalter und Musiker "einziger Busenfreund des Kaisers" wurde, mit Privilegien, wie sie sonst nur den Chefs regierender Fürstenhäuser zustanden. Jungblut stellt die tragikomische Geschichte vom Aufstieg und Fall dieses neuzeitlichen Favoriten erstmals ausführlich und zusammenhängend dar. Alles beginnt mit der Pressekampagne des deutschtümelnden und kriegsversessenen Journalisten Maximilian Harden. Er hält Eulenburg und seine Freunde für Weichlinge, Frankreich-Fans und Fantasten. Ihr Einfluss auf den ist Kaiser ihm ein Dorn im Auge. Aus der politischen Intrige wird eine Schlammschlacht: Denunziationen, Duell-Forderungen, Beleidigungsprozesse, geheime Kripo-Dossiers - alles kommt zur Sprache. Urbayerische Zeugen bekommen in Preußen einen Dolmetscher. Ein Wiener Bademeister, eine tablettensüchtige Ehefrau, ein Leichtmatrose und schwule Offiziere packen aus, lügen und beeiden nach Kräften. Jungblut macht aus dem Material eine rosarote Preußen-Revue und beschreibt die verheerenden Auswirkungen des Skandals auf die damalige Schwulenszene.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Famoses Buch 5. Januar 2006
Format:Gebundene Ausgabe
Wer kennt heute noch den Eulenburg Skandal ? Wohl nur recht wenige.
Und dabei hat diese pikante Affäre vor noch nicht einmal 100 Jahren wie wohl kein anderes Ereignis vor dem Ersten Weltkrieg das wilhelminische Kaiserreich erschüttert. Selbst die zeitgleiche Daily Telegraph Affäre reichte nicht an den Sensationsgehalt der Eulenburg- und Moltke Prozesse heran.
Der größte Freund des Kaisers Philipp Graf zu Eulenburg nennt diesen "das Liebchen"und erfreut den Hohenzollern in intimen Männerrunden an der Harfe mit schwülstig-kitschig völkischen Liedern, der Stadtkommandant von Berlin, General Kuno Graf von Moltke, wird abwechselnd "Süßer" und "Graf Tütü" genannt und legt gerne Rouge auf seine Wangen und in der Potsdamer Villa des Johannes Graf von Lynar, Major der preußischen Garde finden regelmäßig wüsteste homosexuelle Orgien zwischen sich prostituierenden Soldaten und Offizieren statt.
Vergleichbares wäre wahrscheinlch selbst in unserer heutigen Zeit etliche BILD Schlagzeilen wert.
Im Deutschland Wilhelms II. war das ein Skandal der an den Grundfesten der Monarchie rüttelte.
Was auf den ersten Blick wie eine Klatschspalten-Promi Affäre erscheint, war am Anfang des letzten Jahrhunderts allerdings viel mehr.
Es ging um, für damalige Verhältnisse, recht unverholene Kritik am selbstgerechten Staatsoberhaupt, um eine angeblich "weibische" Kamarilla, die den Monarchen vom Volk abschirmt und dem jungen Reich, durch, dem Ausland gegenüber vielen zu lasche Politik, den ihm gebührenden "Platz an der Sonne" verwehrt. Und es ging um den jüdischen Journalisten Maximilian Harden, der, ganz im Sinne des nationalliberalen wilhelminischen Bürgertums, eine höchst auftrumpfend-imperialistische Aussenpolitik einforderte.
Dieser Maximilian Harden fand in dem homoerotisch orientierten Duzfreund des Kaisers, dem "Harfner" Philipp Graf zu Eulenburg und Hertefeld und einigen femininen Adjutanten Wilhelms II. recht leichte Opfer für seine Kampagne für die Stärkung der Wehrbereitschaft des Deutschen Kaiserreichs.

Der Berliner ARD Korrespondent Peter Jungblut beschreibt in "Famose Kerle" in ungemein informativer, spannender und unterhaltsamer Weise die Geschichte dieses über viele Jahre dauernden Skandals und portraitiert angenehm bissig die involvierten Personen.

Die mehr oder weniger unterdrückte Homosexualität im Kaiserreich, Antisemitismus, Militarismus, Skandaljournalismus, politische Intrigen auf höchster Ebene und imperiale deutsche Großmannssucht : Das sind die Themen von Jungbluts erstklassigem Buch.

"Famose Kerle" ist keineswegs ein wissenschaftliches Werk, sondern eine höchst farbenfrohe Beschreibung des wilhelminischen Kaiserreichs und der Ängste und Befindlichkeiten seiner Bürger.

An einigen wenigen Stellen sind dem Autor kleine Fehler unterlaufen. Otto von Bismarck z.B. war nicht nur bis 1871 preußischer Ministerpräsident, sondern hatte dieses Amt - mit einer kurzen Pause im Jahre 1873 - bis zu seiner Entlassung 1890 inne. Außerdem konnte ein sächsisches Gymnasium 1863 - entgegen Jungbluts Erwähnung - gar kein "Ort altpreußischer Zucht und Ordnung" sein. Die Sachsen waren den Preußen damals durchaus nicht wohlgesonnen und führten gegen diese drei Jahre später an der Seite Österreichs sogar Krieg.

Das schmälert aber nicht wirklich die Qualität von Jungbluts Buch.
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Eine vergessene Affäre 25. November 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Ein detailreiches, gut geschriebenes Werk, das einen weiteren, innenpolitischen Grund für den Weg in den Ersten Weltkrieg ausleuchtet. Längst in Vergessenheit geraten zeigt die Eulenburg-Affäre die Schwäche des Kaisers und wie er den nationalkonservativen Kreisen nachgeben musste, um sich im Amt zu bestätigen und den "harten" Kerl rauskehren zu können. Der Autor zeigt dabei ein Sittengemälde der wilheminischen Zeitalters auf, das sich selbst in Scheinmoral und Bigotterie begrub. Lesenswert.
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