"Ein Familien-Unternehmen am Leben zu erhalten ist wahrscheinlich der schwierigste Management-Job auf Erden." Dieses Zitat des US-Ökonomen John Ward findet sich gleich in mehreren Kapiteln des Family Business Handbuchs von Erwin J. Frasl und Hannah Rieger: Ein "Nachschlagewerk für Familienunternehmen jeder Größenordnung" kündigen die Herausgeber in der Einleitung an - ein Versprechen, das auf knapp 400 Seiten vollständig eingelöst wird. Praktisch zum Nachschlagen, aber auch spannend zu lesen.
Familienunternehmen sind weltweit die häufigste Unternehmensform. Sie haben, bedingt durch das Überlappen der beiden großen Lebensbereiche "Familie" und "Unternehmen", sehr spezifische Aufgaben zu meistern; sie können aber gerade aus dieser Konstellation auch ganz spezielle Kräfte und Ressourcen beziehen, wenn sie die Chance zu nützen wissen: Wie das funktioniert - auf rechtlicher, finanzieller und familiärer Ebene - haben die Herausgeber in diesem Sammelband zusammengestellt: Erwin J. Frasl, Wirtschaftsjournalist und auf Familienbetriebe spezialisiert, und Hannah Rieger, Leiterin der Kommunikation der Investkredit Bank AG, haben ein hochkarätiges Team von rund 40 Autoren aus Wirtschaft und Recht sowie aus den Managementetagen bekannter Familienunternehmen um sich geschart.
"Zukunftssicherung von Familienunternehmen über Generationen" lautet der Untertitel des Handbuchs und nimmt damit bereits eines der vordringlichsten, wenn nicht das zentrale Problem von Unternehmerfamilien vorweg. Das Thema Unternehmensnachfolge und -übergabe zieht sich dementsprechend als roter Faden durch sämtliche Kapitel.
Der erste Teil "Was Familie und Unternehmen zu Familienunternehmen macht" bietet Theoretisches und Statistisches und erörtert dabei vor allem die Wechselwirkungen von Familie und Unternehmen, die im Familienbetrieb untrennbar verwoben sind, und die Möglichkeiten, diese - möglichst für beide Seiten - vorteilhaft zu gestalten.
Der zweite Abschnitt betrachtet "Dynamik und Chancen für den Wirtschaftsstandort" durch die Arbeit von Familienunternehmen - vor allem in Österreich -, unterlegt mit viel hochinteressantem Zahlenmaterial. Unter anderem erläutert der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, neben der Unternehmensübergabe auch Vor- und Nachteile der Neugründung von Familienunternehmen.
Seiner Bezeichnung als Leitfaden (im Vorwort) wird das Buch vor allem in den folgenden drei Abschnitten "Rechtliche und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten in Österreich und Deutschland", "Finanzierungsstrategien für Familienunternehmen" und "Kommunikationskulturen" gerecht: Hier werden konkrete Ratschläge für eine nicht zu konservative, aber doch den Werten von Familienunternehmen entsprechende Finanzierung gegeben und Strategien für die ideale rechtliche und steuerliche Gestaltung entwickelt; dies nicht nur beschränkt auf Österreich, sondern auch - in einem eigenen Beitrag - mit Fokus auf Deutschland. Das Kommunikationskapitel spannt einen Bogen von den Grundsätzen wirksamer Unternehmenskommunikation über Spezifika der Kommunikation im Familienbetrieb bis zu Wirtschaftsmediation und Networking. Ein eigener Abschnitt ist schließlich der Rolle der Frau im Familienunternehmen gewidmet.
Abgerundet wird das Buch durch sechs spannende, kurz gefasste "Erfolgsrezepte" österreichischer Familienunternehmen, sehr individuell und unterschiedlich verfasst von Angehörigen der jeweiligen Unternehmerfamilien - darunter klingende Namen wie Blaha Büromöbel, Handl Tyrol und Pfanner.
Resümee: Das Buch vereint viel Nützliches auf weniger als 400 Seiten. Als Leitfaden bietet es dem Leser breit gefächerte Basics zum Thema Familienunternehmen in einem auch grafisch gut aufbereiteten Buch, als Nachschlagewerk hilft es bei der Suche nach weiterführender Literatur und Beratung. Manches ist auch einfach nur interessant und spannend zu wissen, wie zum Beispiel die "Erfolgsgeschichten" am Ende. Also: Lesen!