WEISS/HAERTEL-WEISS ist es hervorragend gelungen, sowohl für Therapeuten als auch für Laien (Klienten und andere Interessierte) den Blick auf die Sinnhaftigkeit mancher als problematisch dargestellter Verhaltensweisen zu lenken. So wird beispielsweise mit einem übergewichtigen Patienten seine extreme Gewichtsabnahme vorphantasiert, woraufhin er zu dem Schluss kommt, dass er dann wegen einer neu gewonnenen Attraktivität für seine eheliche "Treue keinen Pfifferling mehr geben" (S.165) würde. Die Entscheidung liegt bei ihm, ob er weiter die Gewichtsabnahme als Ziel haben will oder ob für ihn sein Übergewicht doch eher akzeptabel ist. Das Besondere an dem Buch ist die Schilderung des Kommunizierens mit der abwesenden Familie. Die Impulse und Interventionen werden dem einzelnen Klienten mitgegeben, welcher dann je nach eigener Überzeugung und Möglichkeit seine Familie damit infiziert - und entsprechend etwas geändert wird oder eben "alles beim alten" bleibt. - Was aber jedoch eben so nicht stimmt, denn der Blick durch die neue "Brille" verunmöglicht ein So-weiter-machen-wie-bisher. Das Familiensystem kommt in Bewegung, und bisher unbewusste Veränderungen werden nunmehr bewusst erzeugt; bisher unbewusste Unterlassungen werden künftig eher bewusst unterlassen. Da zahlreiche Situationen aus dem "Normalen" Alltag beschrieben werden, die sich überhaupt nicht nur auf "Kranke" beziehen, ist dieses Buch zwar auch als Fachbuch, aber eben auch zum Schmökern sehr zu empfehlen!