Dieses Buch kann allem empfohlen werden, die sich mit den Positionen oder "Therapien" nach Hellinger beschäftigen oder gar in Erwägung ziehen, sich einem Familienstellen zu unterziehen. Es wendet sich sowohl an Fachleute, etwa in Erziehungsberatungstellen, wie auch Personen, die nach Hilfe und Therapie nachsuchen. Leicht lesbar und konsequent tritt der Autor den antiwissenschaftlichen und antitherapeutischen Grundlagen der Lehren Hellingers entgegen. In Abschnitt I behandelt er die überkommene patriachale und sexistische Sichtweisen von Hellinger.Hellinger fordert die unhinterfragbare Unterordnung unter elterlicher Autorität und die Unterordnung der Frau unter den Mann. Frauen und insbesondere Müttern wird pauschal die Schuld für psychisches Leiden gegeben. Das gipfelt schließlich darin, dass in Fällen von Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch die Verantwortung der Täter bagatellisiert oder geleugnet wird und so die Gefahr besteht, dass Opfer retraumatisiert werden. Hellinger ventiliert dabei auch vorgestrige Vorstellungen, indem er etwa Adoptionen ablehnt oder Homosexualität als psychische Störung versteht.In Abschnitt II wird die unpsychologische und esoterische Vorgehensweisen Hellingers betrachtet, wie er zu angeblichen Diagnosen und Lösungsansätzen kommt.Dabei wird den Betroffenen Schuldgefühle eingeimpft und das Leiden in eine quasi übernatürliche Schicksalshaftigkeit eingeordnet, der man nur entrinnen kann, wenn man sich der fragwürdigen Ideologie Hellingers unterwirft. Nachfragen oder Skepsis sind strikt verboten. In Abschied III wird das Familienstellen kritisch hinterfragt. Die dort entstehende "Erkenntnisse" werden duch übersinnliche Wahrnehmungen erzeugt, die nicht anderes sind als Suggestionen des autoritär fungierenden "Therapeuten". In Abschnitt IV werden Beispiele vom "Familiestellen" aufgeführt. Die Methoden Hellingers sind fragwürdig, im allerbesten Falle wirkungslos, da sie sich nicht auf die Lebnswirklichkeit der Klienten beziehen, häufig aber gefährlich, da sie eine bestehende emotionale Labilität verstärken können. Dies kann zu einer Verschlimmerung der Krankheitssymptome führen. Weiterhin werden auch Unfälle oder somatische Erkrankungen wie Asthma und Krebs von Hellinger in unverantwortlicher Weise " psychotherapeutisch behandelt", so dass möglicherweise notwenige Behandlungen unterbleiben. Ethisch nicht vertretbar sind die Ausführungen Hellingers, dass bei einem Nichtbefolgen seiner Vorstellungen der Tod drohe. Diese "Todesahnungen" haben in mehrern Fällen schon zu Suizidversuchen und Suiziden nach Familieaufstellungen geführt. Haas führt auch aus, wie seriös betrieben Familientherapie von Hellingers Vorgehen unterschieden werden kann. In Kapitel V wird der Werdegang Hellingers beschrieben. Hier zeigt sich der Einfluss vorwissenschaftlicher magischer Ideen und der Selbststiliserung
Hellingers als Erlöser. Dieses guruhafte Auftreten Hellingers führt ihn in gedankliche Nähe zu faschistischen Ideen, in denen er eine supranaturalistische Ordnungslehre verkündet. Und so residierte er nicht nur zeitweise in einem ehemaligen Arbeitszimmer Hitlers, sondern beschreibt in seinen Büchern auch, wie sehr er Hitler achtet.
zum Schluss äußert sich Haas auch darüber, worin die Faszination Hellingers liegt. Hellinger insziniert sein Auftreten als Show, bietet simple Erklärungen an und verquickt dies mit einer mystifizierenden Sprache. Besonders erschreckend ist dabei, dass auch ausgebildete Psychologen oder Pädagogen Hellingers Methoden übernehmen, sicherlich um therapeutische Allmachtsphantasien auzuleben und der oft mühsamen alltäglichen therapeutischen Arbeit zu entgehen. Damit werden aber bei den Klienten maligne Regressionen ausgelöst, die die Psychopthologie noch erhöhen. In einer seriösen Psychotherapie wird auf das Erleben des Klienten in seinem Bezugsrahmen eingegangen. Gemeinsam mit dem einfühlenden Therapeuten werden Lösungsschritte erarbeitet unter Berücksichtigung der lebensgeschichtlichen Erfahrungen des klienten. Der Klient entwickelt Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen, muss sich aber von liebgewonnen inadäquaten Ansichten lösen und neue Erfahrungen integrieren und diese neuen Erkenntnisse im konreten Handeln umsetzen. Das ist oft schmerzhaft und langwierig - führt aber zur Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit. Alles das fehlt bei Hellinger. Er fordert bedingungslose Unterwerfung und bietet verquaste Scheinlösungen an. Alles muss sich seinen Vorstellungen fügen. Kurzfristig kann dies zu einer psychischen Entlastung bei dem Klienten führen, da er gerade seine Verantwortung, die nicht tragen bereit ist, an den Guru abgeben kann. Langfristig führt es aber zu Entmündigung und Selbstentfremdung. Hellinger hat keine psychotherapeutische Ausbildung und ignoriert wissenschaftliche psychologische Erkenntnisse oder macht sie lächerlich. Er zelebriert eine gefährliche Heilslehre. Personen mit psychischen Problemem sollten die Hände davon lassen.