Die Kriterien, die zur Einschätzung des Kindeswohls und zum entsprechenden Handeln im Einzelfall herangezogen werden müssen, sind familienrechtspsychologisch gut ausgelegt, im Zweifel begründet und nachvollziehbar.
Wenn keine Praxisbeispiele zu finden sind, so wird doch dem Leser von der ersten Seite an deutlich, dass jeder Satz von Erfahrungen, persönlichen und fachlichen Vorstellungen sowie von subjektiven Haltungen geprägt ist. Jedes Kapitel bietet sich an für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kindeswohl".
Fachlich fundiert bieten sich auf jeder Seite Ideen, Möglichkeiten und Vorteile interdisziplinärer Zusammenarbeit an. Zugleich wird der Boden für kritische Reflektion von Wissenschaft und Praxis bereitet. Es werden die Anforderungen an Kindeswohl begründet und für entsprechendes Handeln rechtstheoretische und familienrechtpsychologische Leitlinien vorgegeben. Wer sich von den beiden Autoren aufklären bzw. in die familienrechtspsychologische Theorie einführen lässt, kann Beziehungskatastrophen/"Rosenkriege" umgehen und traumatisierenden Schrecken vorbeugen . Es muss nicht zur chronischen Depression kommen, wenn Menschen sich in ihren Beziehungsvorstellungen irrten bzw. dem Beziehungswandel in einer Gemeinschaft nicht folgen konnten. Dieses Buch rüttelt auf!
Mit H. Dettenborn und E. Walter lässt sich Trennungspessimismus abschwächen und ein gelassener, lösungsorientierter Optimismus Schrittchen für Schrittchen aufbauen und das Beste aus einer Trennung machen. Denn das tut dringend Not! Mit den Autoren lässt sich ein Verdammungsdiskurs unter den Betroffenen vermeiden, so dass man nicht zugrunde gehen muss, wenn es halt nicht mehr klappt". Familientrennende Konflikte müssen nicht vor Juristen gelöst werden, wenn sich Personen mit trennungspsychologischer Kompetenz bereit erklären, mediativ die Trennenden zu begleiten. Die Autoren zeigen anschaulich auf, wie theoretische Grundkenntnisse sich in die Praxis der Jugendhilfe, Beratung und Gutachtertätigkeit einbringen lassen: Wer emotionale Selbstkontrolle gelernt hat und praktiziert, verausgabt sich nicht, kann sich das Vertrauensverhältnis zu seinen Kindern erhalten -und umgekehrt- und muss seine Trennung und Zukunft nicht über Geldrestriktionen steuern.
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
Familienrechtspsychologie als Arbeitsbereich
Übergreifende Theorie
Baustein zur psychologischen Beurteilung familienrechtlicher Probleme
Diagnostik von Bindungen
Fehlerquellen der Bindungsdiagnostik
Das Zusammenwirken von Risiko und Schutzfaktoren
Das Wohl des Kindes -Funktion und Definition
Der Wille des Kindes - Erziehungsfähigkeit, Kompetenz des Erziehenden
Konfliktbehandlung im familienrechtlichen Bereich
Der Zugang zum Parteienkonflikt
Techniken der Einwandbegegnung
Querulanz als spezifische Konfliktquelle
Die elterliche Sorge nach Trennung und Scheidung
Die rechtlichen Grundlagen
Ziele der Sorgerechtsregelung
Trennungsfolgen
Beurteilungskriterien zur Regelung der elterlichen Sorge
Der Umgang mit dem Kind
Sorgerechtsentzug bei Kindeswohlgefährdung
Die Herausgabe des Kindes
Die Adoption Minderjähriger
Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs in familiengerichtlichen Verfahren
Nichtjuristische Beteiligte am familiengerichtlichen Verfahren
Für die EG-BIBLIO-KOM Dr. Karl-J. Kluge