»Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte« hat George Bernard Shaw einmal gesagt; und wer in die Abgründe familiärer Verflechtungen und Verwicklungen geschaut hat, weiß diesen Trost wohl zu schätzen. Was sich dort an Konditionierungen und prägenden Mustern auftut, passt so gar nicht zu unserer wassermännischen Vorstellung von Unabhängigkeit, Individualität und Freiheit. Die Aufklärung und die Überwindung dieser archaischen Banden ist dagegen das Thema par excellence im Wassermannzeitalter. Dem hat Ingrid Zinnel ein ausgezeichnetes Buch gewidmet, aus dem ihre jahrzehntelange Erfahrung aus der Reinkarnationstherapie, aus Horoskop- und Familienaufstellungen spricht.
Bei dieser Art der Horoskopbetrachtung ergibt sich natürlich sofort eine Hürde: Familien sind von ganz unterschiedlicher Größe, Horoskope aber haben stets die gleiche Anzahl von Planeten, Zeichen und Häusern. Deshalb scheitert natürlich jeder Versuch die Familie in wohlgeordneten Schubladen zu verstauen (Sonne = Vater, Mond = Mutter, Saturn = Großvater usw.). Stattdessen betrachtet die Autorin Planeten als gebundene Energien, bei denen herausgefunden werden muss, an oder durch welches Familienmitglied sie gebunden sind.
Der Einstieg in diese Horoskopanalyse erfolgt über den Aszendenten. Und dies Kapitel allein macht das Buch schon lesenswert. Nicht nur, weil Ingrid Zinnel eine sehr schöne Art hat, die Aszendenten zu beschreiben, sondern weil sie das in einer Kombination tut, die man selten findet, obwohl sie so nahe liegt. Sie verknüpft alle Aszendenten mit den in unseren Breitengraden möglichen Zeichen am MC, wobei sie das aufsteigende Zeichen als etwas versteht, das ans Licht will und die Himmelsmitte als die Zielrichtung.
Im weiteren zeigt sie die Bedeutung der Stellungen des Mondes und dessen Aspekte zur Sonne aus systemischer Sicht. Der Schwerpunkt aber liegt bei den Planeten Saturn bis Pluto, die entweder in Zeichen und Häusern (Saturn, Uranus, Neptun) oder in ihren Aspekten (Pluto) analysiert werden. Dabei erklärt sie die jeweilige Problematik und veranschaulicht sie mit einer Fülle eindrücklicher Beispiele. Besonders berührt aber haben mich die Rituale, die die Autorin zur Lösung der für die jeweilige Konstellation typischen Verstrickung beschreibt.
Bekanntlich hat alles seine Zeit; so auch das Lösen von Verstrickungen. Deshalb geht Ingrid Zinnel zum Schluss ihres Buchs auf die Zeitqualität ein. Sie zeigt die Transite und Auslösungen, unter denen tabuisierte und verdrängten Komplexe besonders zur Bewusstwerdung drängen, Zeiten, in denen sie verstanden und gelöst werden wollen und können.
Ein spannendes und ermutigendes Buch, das Licht in tabuisierte Bereiche bringt.