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Familienfest: Roman
 
 
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Familienfest: Roman [Gebundene Ausgabe]

Anna Mitgutsch
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (6. August 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3630871488
  • ISBN-13: 978-3630871486
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 13,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.132.710 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Waltraud Anna Mitgutsch
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Erzählen wie Edna

Anna Mitgutschs Roman «Familienfest»

Wenn Schreiben simuliertes Erinnern ist, dann erweist Anna Mitgutsch diesem Umstand literarischer Möglichkeiten grosse Reverenz. In ihrem neuen Roman erinnert sich eine Familie an ein ganzes Jahrhundert, und Anna Mitgutsch erinnert an die Tradition des Erzählens in der jüdischen Kultur. «Familienfest» ist ausufernde Sehnsuchts-Saga und Cinemascope einer versunkenen Zeit. Anna Mitgutsch, die österreichische Autorin und Anglistin, geht der Geschichte einer amerikanisch-jüdischen Familie namens Leondouri über drei Generationen nach. Doch in der Erinnerung und den tradierten Erzählungen reicht diese viel weiter zurück. Frühe Vorfahren sollen zu den aus Spanien vertriebenen Sephardim gehört haben. Im 19. Jahrhundert hat die Familie im russischen Stetl Kamenez- Podolski gelebt, dann ist ihr Oberhaupt über Hamburg nach New York emigriert. In Brookline bei Boston beginnt der Kampf um die neue Existenz – die Suche nach Identität allerdings ist auch in der Gegenwart noch nicht abgeschlossen. Das «Familienfest» ist für die Leondouris wiederkehrender Anlass, zusammenzukommen. Jedes Mal wird dabei die Geschichte der Familie erzählt. Ob an dem rituellen gemeinschaftlichen Mahl des Pessach-Seder, ob bei Thanksgiving oder – am Schluss – während eines Begräbnisses. Edna, zu Anfang des 20. Jahrhunderts geboren, stirbt an dessen Ende. Edna, Marvin und Adina sind eigene Abschnitte des Romans gewidmet, drei Generationen sollen es sein, die mit ausgewählten Stellvertretern für das Ganze stehen. Doch Edna, Tochter des legendär-bohémienhaften Joseph Leondouri und Enkelin des noch legendäreren Herschel Leib, der sich später Henry Lewis nannte, ist der wahre Mittelpunkt des Romans. Edna ist eine Grande Dame versunkener Zeiten, trotzig stemmt sie sich immer neuen Unbilden entgegen und bleibt dabei eine Frau von Schönheit und Grazie. Edna ist die Letzte ihrer Art und somit das Symbol einer bedrohten Integrität. Aus dem Leben der Nachfahren schwindet die Religion wie der jüdische Ritus. Die Frage kultureller Zugehörigkeit stellt sich so eindeutig, wie Mitgutschs Buch diesbezügliche Antworten bereithält: «Das Jüdische ist in der amerikanischen Einheitskultur angekommen», heisst es in einem Roman, dessen Mikrosoziologie an schlichten Wahrheiten so wenig vorbeikommt wie am Kitsch der Nostalgie. «Familienfest» ist dort gelungen, wo die amerikanische Gesellschaft an den subtilen Verschiebungen des Alltags beschrieben wird. Mitgutschs atmosphärische Schilderung der Vorstädte, Reihenhausghettos und Villengegenden spiegelt die Veränderungen genau und weit besser wider als das ausufernd grosse Personal des Romans. Weil der Realismus des Romans das Geschehen immer auf demselben Niveau des Faktischen hält, bleiben die Figuren blass. Holzschnittartig erfüllen sie die ihnen zugedachten Funktionen. Der gewaltige Stoff des Romans wird dabei kaum durch ästhetische Kunstgriffe gebändigt. Anna Mitgutsch hält auf vierhundert Seiten beharrlich Geschwindigkeit und Ton. Sie streift die Geschichte des Kleinstadtmilieus der amerikanischen Ostküste mit dem gleichen lakonischen Blick wie die Internet-Beziehungskatastrophen ihrer in den neunziger Jahren lebenden Helden. Und weil der beeindruckende Detailreichtum des Romans sich kaum zu einzelnen Ereignissen bündelt, wirkt die Prohibition der zwanziger Jahre nicht ferner als die Cheerleader-Pubertät der jüngsten Protagonistin des Romans. Die Vergangenheit ist in Mitgutschs Roman nicht perspektivisch verkürzt. So stehen die Dinge nebeneinander wie in einem masslosen Vexierbild, Sacco und Vanzetti neben Power Walking, Jazz und Charleston neben den Rassenunruhen in Brooklines North End, erinnerte Zeiten neben erlebter Gegenwart. Es gibt Paul und Bessie, Edna und Morris, Bertha, Jim, Mimi, Stanley, Daniel, Teresa, Marvin, Carol, Jonathan, Adina. Dreissig Namen umfasst Mitgutschs Familiengenealogie. Es ist ein Stammbaum, dessen jüngere Zweige, der kompakten Moral des Romans geschuldet, nicht die besten sind. Die grosse, kämpferische Vergangenheit ist ein Feind der nicht ganz so grossen Gegenwart. Im Hier und Jetzt finden sich die Figuren kaum zurecht. Und wie wenn sie als blutleere Folge des Gewesenen durch den Roman taumeln müssten, sind vor allem die Männer der Lebenspraxis entfremdete, traumverlorene Antihelden, denen aber im Notfall meist eine starke Frau zur Seite steht. Wie überhaupt Mitgutschs Frauen, seien sie schön, tapfer oder tüchtig, die Sache gerne in die Hand nehmen. Und auch Adina, die jüngste in Anna Mitgutschs Roman, lässt in dieser Hinsicht hoffen. Ihre einschlägigen Sympathien hat Anna Mitgutsch schon in früheren Romanen nicht verhehlt. Rasch wurde ihr Werk deshalb als Frauenliteratur rubriziert. Dem gängigen Urteil folgten eine beharrliche Auseinandersetzung mit Fragen der kulturellen Identität und, vor drei Jahren, eine Art Vorläufer zum jetzigen Roman. «Haus der Kindheit» handelt von jüdischer Emigration, ohne allerdings den Holocaust auszusparen. Aus Amerika kehrt ein jüdischer Designer in die österreichische Gegenwart zurück, um das «arisierte» Haus der Kindheit zurückzufordern. In welche Gegenwart Anna Mitgutschs neuer Roman «Familienfest» führt, bleibt dagegen offen. Das Buch endet mit Ednas Tod und unter dem Glassturz der Nostalgie. «Es ist das Ende einer Ära», heisst es dann. Und: «Keiner konnte mehr wie Edna erzählen.»

Pressestimmen

"Mitgutsch hat einen sehr weiblichen Roman geschrieben, wunderbar menschlich und tröstlich. Und auch wenn man das Gefühl hat, daß sich die ganze Geschichte in geschlossenen Räumen abspielt, in Häusern und Wohnungen, ist der Horizont unendlich weit - und diese weite Perspektive ist ein Kennzeichen ihres ganzen Werkes." (Der Standard, Album, Ingeborg Sperl, 16.8.03 )

"Ein unaufdringlich wahrhaftiges Buch ... Wie oft passiert das schon, daß man einen Roman, den man zu Ende gelesen hat, nach Tagen wieder aufschlägt, um gewisse, in der Gier des Handlungsfortschritt und dramatischem Ereignis überflogene Passagen noch einmal auf sich wirken zu lassen?" (Münchener Merkur )

"Dieses Buch ist ein Juwel!" (Bild am Sonntag )

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Valentine TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Geschichte hat mich sehr gefesselt. Die Leichtigkeit, mit der die Zeitsprünge eingebracht werden, ohne dass man sich verzettelt und den Überblick verliert und ohne dass sie aufgesetzt wirken, aber auch die genauen Beobachtungen des (Groß-)Familienlebens in allen Facetten waren höchst lesenswert. Auch hier mochte ich gerade den "etwas anderen" Erzählton einer jüdischen Geschichte, und für mich kamen Wärme und Humor trotz der insgesamt größtenteils dysfunktionalen Familie nicht zu kurz.

Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dass sie aus dem Stoff keine schmalztriefende Familiensaga gestrickt hat, sondern auf dem Teppich bleibt und "echte" Menschen mit Stärken und Schwächen und mehr oder minder liebenswerten Macken erschaffen hat.

Ednas Lebensweise war beeindruckend geschildert, wie sie die Höhen und Tiefen ihres Lebens meistert, ohne zu jammern und zu klagen, obwohl sie Grund genug gehabt hätte.

Für mich kam nur Adinas Geschichte ein wenig zu kurz, im dritten Teil, der eigentlich ihr gewidmet ist, hätte ich gerne noch mehr über die junge Frau erfahren.

Insgesamt aber ein sehr lesenswertes, unaufdringliches, ruhig fließendes und dabei prallvolles Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Familienfest an Pessach 27. Dezember 2004
Format:Gebundene Ausgabe
Pessach ist Anlass für ein Familienfest bei den Leondouris. Es treffen sich auch Personen, die einander eigentlich fremd, aber dennoch auf irgendeine Weise eng verbunden sind. Zentrum ist eine jüdische Familie in den USA, die ein offenes, tolerantes Judentum lebt. Mitgutschs Roman berührt im postitiven Sinn. Die zwischenmenschlichen Beziehungen über mehrere Generationen machen das Buch lebendig. Dank des modernen, flüssigen Schreibstils ist es ausserdem angenehm zu lesen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch handelt von einer in Boston angesiedelten Familie. Die Autorin schildert in diesem Roman sehr farbenfroh und lebendig die Geschichte einer jüdischen Auswandererfamilie und ihren Nachkommen. Eine wunderschön geschilderter und sehr sorgfältiger erzählter Roman über die bewegenden Schicksale, über Sehnsüchte und der individuellen Suche nach Glück und Identität.


Das Buch ist in drei grosse Kapitel eingeteilt, die den drei Erzählpersonen entsprechen: Edna ist die älteste Verwande und somit das Familienoberhaupt der Leonduris. An den traditionellen Familienfesten erzählt sie von ihrem Vater Joseph, der einst von Europa nach Amerika auswanderte, vom Aufstieg der Familie in der neuen Heimat, vom Leben im jüdischen Viertel in Boston und von ihrer eigenen grossen Liebe, die mit einem tragischen Unfall endete.


Im zweiten Teil erzählt Marvin, ihr Grossneffe. Er ist mit der zum Judentum konvertierten Carol verheiratet und hat einen behinderten Sohn. Er befindet sich in einer Lebenskrise und will sich scheiden lassen.


Der dritte Teil handelt von Ednas Grossnichte, Adina. Edna und Adina verbindet sehr viel und in den letzten Lebensjahren von Edna verbindte die zwei Frauen eine innige Freundschaft.

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