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Interpretiert wird die gesamte Schaffensphase eines der wichtigsten deutschsprachigen Musikanten, vom ersten Album der Scherben Warum geht es mir so dreckig? (1971) bis hin zu den posthum erschienenen Aufnahmen Am Piano. Herausragend: die intensiv zarte Version des Solo-Klassikers "Für immer und Dich", dargeboten von Marianne Rosenberg und mindestens so berührend wie das Original. Ähnliches gilt für "Wir Sind Helden", Judith Holofernes verleiht "Halt Dich an Deiner Liebe fest" ungekannt schöne Zartheit. Erwähnenswert außerdem die flott-punkige Interpretation der Fehlfarben des erst 1998 erschienenen Originals "Nicht nochmal", sowie die abgeklärte, also Sterne-typische Verarbeitung des Ton Steine Scherben-Klassikers "Wenn die Nacht am tiefsten".
Gänzlich überflüssig die Irrlichter der völlig unbeschriebenen Jessina Meutsch und besonders erwähnter Marlon, dessen Produzenten sich mit "ohhuuhooouh Junimond" der arglistigen indirekten Körperverletzung schuldig machen, der Junge selbst kann ja nichts dafür. Sei es, wie es ist, unterm Strich ist Familienalbum eine liebevoll zusammengestellte Collage, an welcher der für alles offene Rio vermutlich seinen Spaß gehabt hätte. Als Bonbon gibt es das 1985 aufgenommene, bislang unveröffentlichte Original des Meisters "Herzverloren". --Eugen Oidman
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Sehr präsent sind die Söhne Mannheims mit ihrer Version von "Mein Name ist Mensch", eine ganz frühe Nummer von Ton Steine Scherben. Sie nähern sich dem Song mit Respekt & Verständnis, tauchen ihn in Soulrock ein & machen was eigenes draus.
Ein großer Wurf ist auch Fettes Brot gelungen. Sie suchten sich einen eher unbekannten Reiser-Song aus dem Nachlass aus und erkannten in ihm auch die Lethargie unserer Zeit: "Ich Bin Müde" rockt mit modernem Groove & cooler Orgel.
Ausgerechnet mit dem Rio-Hit "König Von Deutschland" bricht das Niveau erstmals ein: Die schlechteste Cover-Version aller Zeiten von Ferris MC. Billiger Computersound, ätzender Gesang und blöde Textänderungen.
An "Für Immer Und Dich", eine der intensivsten Balladen von Rio Reiser, wagte sich Marianne Rosenberg. Ihr zaghaftes Glockenstimmchen steht dem kraftvollen Original-Gesang zunächst befremdlich gegenüber. Doch der Song wurde behutsam arrangiert und ab der zweiten Strophe geht Rosenberg aus sich heraus.
Wir sind Helden berühren mit ihrer liebevollen Version - fast schon eine Imitation - von "Halt Dich An Deiner Liebe Fest", einer 30 Jahre alten Ballade von Ton Steine Scherben. Grandios gesungen, sehr gefühlsecht, nur die Key-Beeps nerven.
Schade, dass sich gerade Die Sterne völlig emotionslos an dem Scherben-Klassiker "Wenn Die Nacht Am Tiefsten" ausprobiert haben. Seltsam unmelodisch gesungen, eher wie abgelesen, können sie dem Titel keine Akzente geben. Selbst der Versuch, psychedelisch zu klingen, scheitert erbärmlich.
Wie es besser geht, demonstriert Nena und rockt "Schritt Für Schritt Ins Paradies". Erstaunlich, wie stark & belebend dieser Scherben-Song von 1972 klingen kann, wenn man ihn mit Kraft, Überzeugung und Gefühl interpretiert.
Auf halber Strecke begegnet uns das Berliner Synthi-Duo Paula. Es ist "Mitten In Der Nacht": und wie schon vor 10 Jahren, damals begegnete uns Rio Reiser, ist das alles ganz nett, aber irgendwie bedeutungslos. Jedenfalls in diesem Umfeld.
Wie konnte man nur zulassen, dass Joachim Witt den nachdenklichen, elegischen Scherben-Song "Wo Sind Wir Jetzt" in martialischen Teutonenrock verwandeln durfte? Stampfend, brüllend, hasserfüllt - furchtbar!
Zur Wiederfindung gibt es erfrischenden Punk-Rock, wie er zu Rio und den Scherben gehört: Die guten alten Fehlfarben lassen es bei "Nicht Nochmal" rasant krachen.
Und Familie Schlegl (VIVA-Moderator Tobi Schlegl & Band) schnappt sich den reiserischen Gassenhauer "Alles Lüge" von 1986. Die Cover-Version ist erstaunlich gut, nah am Original, frech und noch rockiger.
Schließlich landet man bei Nachwuchssängerin Jessina, die sich Rio Reisers 87er Polit-Song "Wann" vornahm. Sie macht das eigentlich ganz charmant, aber es hinterlässt einen sehr faden Eindruck.
Noch entbehrlicher ist Marlon mit seiner völlig falsch verstandenen Interpretation von "Junimond". Wehmütig schluchzt er, was Rio Reiser einst trotzig gemeint hatte.
Freude kommt beim Bonustitel auf. Michels spielte erstmals einen gemeinsamen, bisher völlig unbekannten Titel der beiden Songpoeten ein: "Bald Zuhause". Ein Juwel! Michels hat es rein akustisch und live im Studio eingespielt. Das gibt dem ganzen Album zum Schluss noch den Glanz in die Augen zurück.
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