Hundert Jahre Geschichte komprimiert in einem Foto - 1888 von Urgroßmutter Alice geschossen und von ihrer Urenkelin Ruby ausgemottet. Das Foto, von einer Generation zur nächsten gewandert, ist stummer Zeitzeuge einer bewegenden Familienchronik. Eine Chronik an unerfüllten Träumen und Sehnsüchten, an Flucht in die Ehe und aus ihr, von Ruby behutsam aufgeblättert:
Urgroßmutter Alice lässt sich vom Fotografen Jean-Paul Armand einlullen und verschwindet mit ihm. Zurück bleiben ihre sieben Kinder dem Schicksal überlassen. Nell, die jüngste Tochter, sucht verzweifelt nach dem "Richtigen", um der väterlichen Trunksucht und der stiefmütterlichen Hassliebe zu entkommen. Nach zwei gescheiterten Versuchen geht sie eine Vernunftehe ein, wobei sich die Vernunft dieser Ehe bestreiten lässt. Ihre Tochter Bunty verstaubt mit einem Zoohandlungsbetreiber und frischt sich mit diversen Liaisons wieder auf. Eine ihrer drei Töchter ist Ruby, das unscheinbarste und anpassungsfähigste Kind, aber auch das einzige, das schlussendlich in diesem Reigen übrigbleibt.
"Familienalbum" spielt alle Stücke einer Sitcom-Serie. Kinderreichtum wechselt mit tragischen Todesfällen , Geborgenheit kämpft gegen Eifersucht und Egoismus, aber niemals reißt die Situationskomik ab. Die Meilenstiefel-Schritte quer durch die Geschichte spucken den Leser einmal mitten im zweiten Weltkrieg aus, dann in den Siebzigern und wieder zurück ins 19. Jahrhundert. Diese Sprünge sind aufgrund fehlender sprachlicher und stimmungsbetonter Schwankungen manchmal nicht leicht nachzuvollziehen und so entstehen leider zu jedem Kapitelbeginn Jetlag-Probleme. Doch die Besonderheit der Geschichte, die fiktiven Erinnerungen an Tragik und Tod, die interessanten Charaktere und ihre Schicksale machen die kleinen Makel allemal wieder wett. Ein Klasse-Buch.