Die sechs Episoden der siebten Staffel beschließen vorläufig die Geschichtensammlung um das saarländische Original Heinz Becker. Bei der Wahl der Drehorte und Geschichten hat Gerd Dudenhöffer versucht, nochmal etwas mehr Abwechslung in die Serie zu bringen, nur eine der Folgen ("Auf Händen und Knien") spielt hauptsächlich im Haus der Beckers, die anderen sind an verschiedenen Locations in und um Bexbach herum angelegt.
Die siebte Staffel enthält:
37 - Auf Händen und Knien
38 - Abgetaucht
39 - Ex und Hopp
40 - Geisterfahrer
41 - Oben rechts die Vier
42 - Stau
In "Auf Händen und Knien" verlegen Heinz und Stefan einen neuen Teppich im Wohnzimmer, was selbstredend nicht ohne Kollateralschäden und reichlich Meinungsverschiedenheiten vonstatten geht. Im Dreierdialog zwischen Brachialhandwerker Heinz, dem genervten Stefan und der wie immer leicht verwirrten Hilde entwickelt sich eine typische Becker-Szenerie, die in Aufbau und Inhalt durchaus an die Klassiker der zweiten und dritten Staffel heranreicht. Kurzweilige Darbietung mit viel Wortwitz.
"Abgetaucht" zeichnet einen Beckerschen Badetag im Bexbacher Hallenbad nach, bei dem Heinz selbst nur aus dem Off zu hören, nicht aber zu sehen ist. Dieser gewöhnungsbedürftige Einfall fußt auf eine alte Serien-Regel, die Gerd Dudenhöffer bisher eisern aufrechterhielt: "Heinz nie ohne Batschkapp'". Folgerichtig konzentriert sich die Kamera auf Hilde, Stefan, es' Maier-Roswitha und natürlich Kurti, deren Interaktion durch eine lose Aneinanderreihung von mehr oder weniger funktionierenden Gags garniert wird. Insgesamt netter Einfall, aber Heinz ohne Heinz klappt halt doch nicht wirklich...
In "Ex und Hopp" führt Vater Heinz seinen Stefan erstmalig in die feucht-fröhliche Welt seiner Stammkneipe "es' Eckstübsche'" ein, während die besorgte Hilde ("Hasch'e geheert Heinz, mach dene Bu' ned voll!") zu Hause die Stellung hält. Nach zwölf Halben und zehn Schnäpsen sind Bub und Vatern dennoch gut "vollgemacht", was in gehöriger Stimmungsauflockerung und einiger Irritation bei Heinz' Nachbarn und seiner Hilde endet. Die Episode ist insofern bemerkenswert, als daß sie wohl nur mit dem neuen Stefan Andreas Gergen funktioniert, der alte Stefan wäre mit seinem bierseeligen Vater wohl kaum Abends zusammen um die Häuser gezogen, schon gar nicht ins betulich-spießige Eckstübchen, der wichtigsten Meinungs-, Spaß und Kommunikationszentrale Heinz Beckers. Sehr gelungen!
"Geisterfahrer" zeigt die Familien Becker und Maier während ihrer alljährlichen Heimsuchung der "Kerb", dem örtlichen Rummelplatz. Desorientiert mäandern Heinz, Hilde und die Maiers von Fahrgeschäften zu Los- und Schießbuden, zwischendrin stellt Roswitha Maier ihre Muskelkraft am Hau-den-Lukas unter Beweis und der Gang ins Bierzelt darf natürlich auch nicht fehlen. Das Ende kommt dann mit Schrecken... - für mich ist diese Folge einer der Höhepunkte der siebten Staffel, die Szenerie ist abwechslungsreich, die Gags kurz und knackig und auch die beliebten längeren, verschwurbelten Dialoge kommen nicht zu kurz. Gute Sache.
Die Episode "Oben rechts die Vier" zeigt Hilde und Heinz beim halbjährlichen Zahnarzttermin, wo sie im Wartezimmer zur Unterhaltung der Mitwartenden beitragen, die anschließende Behandlung gestaltet sich für Ärzte und Helferinnen ganz beckertypisch ziemlich mühsam - der Dialog zwischen Hilde und Heinz im Wartezimmer ist gut gemacht, weniger allerdings die Darstellung der Behandlung, die Episode ist qualitativ ziemlich durchwachsen und gehört nicht gerade zu meinen persönlichen Favoriten.
In "Stau" geraten die Beckers und Jessica Maier in einen Verkehrsstau auf der Autobahn. Im Stil einer Beobachtung alltäglichen Lebens entfaltet sich ein Episodenspiel zwischen dem genervten Heinz, den turtelnden Nachbars"kindern" Jessica und Stefan, der ängstlichen Hilde und weiteren kuriosen Begebenheiten, zu denen auch ein Gastauftritt von Hans Werner Olm als Luise Koschinsky gehört. Olms Humor ist nicht so mein Fall, wenngleich er als Luise durchaus seine lichten Momente hat. In dieser Folge von Familie Heinz Becker wirkt seine Rolle allerdings deplatziert und knallchargenhaft. Davon abgesehen werden einige witzige Einfälle präsentiert, insgesamt kann die Episode als leidlich gelungen bezeichnet werden. Als kleiner Gag am Rande wird in der Begleitmusik zu den Autobahnszenen Kraftwerks bekanntes Stück "Autobahn" zitiert, hinterlegt von einer Banjo-Sequenz - gelungen!
Die siebte Becker-Staffel qualitativ einzuordnen, ist aufgrund ihrer vielen Unterschiede zum alten Stil, geprägt in den Staffeln eins bis vier, nicht gerade einfach. Grundsätzlich kann gesagt werden, daß es eine Heinz Becker-Serie vor und nach dem Kinofilm Tach Herr Dokter gibt; während in den früheren Staffeln die Kontinuität durch die oft wiederholte mündliche Bezugnahme der Figur Heinz Becker auf seine Dauerbrenner Eckstübchen, Bierkonsum, Heimwerkerei, Rasenmäher-Griff, Maier-Kurt und Spengler-Richard hergestellt wurde, nahm das filmische Element in den Staffeln sechs und sieben stark zu, aus mündlichen wurden zum Teil filmisch-reale Running Gags. Trotzdem zeigen Folgen wie "Ex oder Hopp" oder "Auf Händen und Knien", daß Heinz Becker in eng umgrenztem Raum mit vielen typischen, temporeichen Dialogen besser funktioniert, als vor dem Hintergrund ausgefeilter Szenerien wie einem Rummelplatz oder einer Zahnartzpraxis. Abzüglich solcher Problempunkte ist aber auch die siebte und letzte Staffel der Serie eine sehenswerte, teils witzige, teils liebenswürdige Sammlung an Beckeriaden, die von so manchem Fan der ersten Stunde vielleicht etwas mehr Flexibilität erfordert, als er aufzubringen bereit ist. Für sich genommen wissen die sechs Folgen jedoch durch kurzweilige Einfälle und den einen oder anderen klassischen Heinz-Knaller zu überzeugen.