Nachdem die Fans in Staffel 5 mit dem Weggang Alice Hoffmanns und dem Erscheinen Sabine Urigs als neue Hilde Becker konfrontiert wurden, wurde in Staffel 6 mit Andreas Gergen als Stefan Becker ein weiteres neues Gesicht eingeführt. Gergen trat das schwere Erbe Gregor Webers an, der als Stefan von der ersten Folge an einen unverwechselbaren Widerpart für Vater Heinz und seine schrägen Weisheiten darstellte. In seiner Aufsässigkeit war der Weber-Stefan seinen Eltern unähnlich, während Andreas Gergen den Stefan viel gelassener, manchmal auch gleichgültiger anlegt. Manchen mag das nicht gefallen, ich persönlich finde das neue Phlegma sowohl des Darstellers, als auch der auf ihn etwas zugeschnittenen Rolle eher angenehm, die ab und an überbetonte politische Korrektheit des Weber-Stefans kam mir schon immer etwas zu dick aufgetragen vor. Dies ändert natürlich nichts an meiner Wertschätzung Gregor Webers als Schauspieler, so war eben die damalige Stefan-Rolle von Gerd Dudenhöffer angelegt.
Die Episoden der sechsten Staffel:
31 - Spurlos verschwunden
32 - Zimmer 112a
33 - Wein oder Bier?
34 - Krach
35 - Hallo!
36 - Was is'n passiert?
Insgesamt markiert die sechste Staffel der Fernsehserie einen erneuten Wendepunkt in der saarländischen Becker-Saga. Heinz' oft erwähnter Kumpel Kurt Maier ("der Maier-Kurt", dargestellt von Henning Hoffsten) tritt nun nebst Frau Roswitha (Sigi Siegert) und Tochter Jessica (Anja Clementi) in Fleisch und Blut auf den Plan und ist fürderhin in fast jeder Folge mit dabei.
In "Spurlos verschwunden" dilletieren die selbsternannten Handwerker Heinz und Kurt im Keller des Maierschen Hauses vor sich hin, während um sie herum der normale Bexbacher Irrwitz abläuft. Am Anfang steht die Ziegelmauer, am Ende ein Polizei-Großeinsatz - Die Geschichte ist etwas überdreht, jedoch witzig dargeboten.
"Zimmer 112a" thematisiert den altbekannten Kampf des kleinen Mannes gegen Bürokratie und Ämter. Heinz benötigt eine Baugenehmigung und geistert durchs Ordnungsamt auf der Suche nach dem zuständigen Herrn Ludelkern, legt sich mit dem Pförtner an und besucht zwischendrin das Eckstübchen zum Auftanken, während zu Hause ein mittleres Spannbettuchdrama abläuft - Handwerklich solide gemacht, das Hauptthema ist allerdings etwas abgedroschen und gibt daher nicht viel her.
In "Wein oder Bier?" sind Heinz und Hilde zum Abendessen bei den Maiers eingeladen. Heinz spricht den von Roswitha bereiteten Speisen, viel mehr jedoch den von Kurt besorgten alkoholischen Getränken, wacker zu, dazwischen wird reichlich gedanklicher Flachsinn ausgetauscht und am Ende der gut abgefüllte Heinz nach Hause bugsiert, jedoch mit einigen Tücken... - Schön inszenierte Folge, Dudenhöffer hat den besoffenen Heinz wirklich gut drauf, was auch in einem seiner Liveprogramme höchst unterhaltsam zu sehen ist.
Weniger temporeich, dafür aber mit viel szenischem Witz, präsentiert sich die Folge "Krach", in der sich Hilde und Heinz wegen Unstimmigkeiten rund um den Rollbraten so heftig in die Haare kriegen, daß sie kein Wort mehr miteinander sprechen. Die im Vergleich zur vorherigen Folge "Wein oder Bier?" eher leisen Töne, gepaart mit der Inszenierung einer Annäherung von Stefan Becker an die hübsche Nachbarstochter Jessica Maier, läßt ab und an gewisse Längen auftauchen, wenngleich mir das Wechselspiel der sich stoisch anschweigenden Beckers gut gefällt.
"Hallo!" knüpft direkt an die Folge "Krach" an, an deren Ende Heinz und Hilde im Auto auf dem Weg zum Supermarkt zu sehen sind. Dort bleiben sie nach dem Einkaufen unvermittelt im Aufzug stecken und sehen sich mit technischen Problemen und einiger Wartezeit konfrontiert. Die anfängliche leichte Panik Hildes wegen des Aufzug-Einschlusses verblasst jedoch gegenüber dem welterschütternden Problem des fehlenden Puddingpulvers... - Die Aufzug-Story ist nicht neu, auf die Beckers angewendet entfaltet sie jedoch einige Wirkung. Hier zeigt sich meiner Meinung nach die Leistungsfähigkeit Sabine Urigs als Hilde Becker, die von ihr glaubhaft, dabei aber auch ergötzlich panik-ergriffen und nervenflatternd dargestellt wird.
"Was is'n passiert?" beschließt die sechste Staffel mit einer Geschichtsmelange aus einem Autounfall nebst Heinz' mehr oder weniger fachmännischer Intervention in die polizeilichen Ermittlungen und Kurtis Taperzierkünsten. Das Highlight der Episode ist die Diskussion Heinz Beckers mit den Polizeibeamten, die den Unfall schriftlich und bildlich ("ich han frieher ja aach viel fotografiert") aufnehmen.
Alles in Allem reicht die sechste Staffel in den Bereichen Tempo und Wortwitz nach meinem Gefühl nicht ganz an die Vorgänger heran, bietet aber dennoch viele gute Einfälle, gepaart mit reichlich vernüglichem Heinz Becker O-Ton, so daß es Fans der Serie definitiv nicht langweilig wird.