Auch in der 5. Staffel der erfolgreichen Fernsehserie walzt Heinz Becker nebst Familie mit der Feinfühligkeit eines Betonbohrers wieder über Alles und Jeden hinweg und bringt diesmal nicht nur das verträumte Bexbach, sondern auch Teile Berlins zur Verzweiflung. Zum ersten Mal dabei ist Sabine Urig als Hilde Becker, die Alice Hoffmann ablöste. Im Einzelnen sind folgende Episoden zu sehen:
25 - Die Berlin-Reise - Teil I
26 - Die Berlin-Reise - Teil II
27 - In der Telefonzelle
28 - Ein neues Auto?
29 - Der Hausball
30 - Der Kurschatten
Der Weggang Alice Hoffmanns und der erste Auftritt von Sabine Urig als Hilde Becker löste indes bei nicht wenigen Fans Unmut aus. Hoffmann sei als Hilde unersetzbar, Sabine Urig würde die Hilde nicht mehr treffend genug verkörpern, etc. pp. Diesen Ansichten kann ich mich jedoch nicht anschließen. Urig gibt die Hilde sehr liebenswürdig, herrlich dümmlich und insgesamt äußerst typgerecht. Die neue Hilde ist in der Grundstruktur etwas weniger grenzwertig paranoid, dafür nochmal ein Stück einfältiger, sie wirkt "ländlicher" und der Persiflage einer saarländisch-deutschen Hausfrau ähnlicher als Alice Hoffmann, die die Rolle - gewollt oder ungewollt - manchmal etwas comedy-artig überzeichnete. Tonfall und Phrasierung des Textes (besonders bezüglich des Dialekts) saßen bei Hoffmann etwas besser. Ungeachtet dieser und ähnlicher Erbsenzählerei liefert Urig dennoch eine glaubwürdige, solide und liebenswerte Hilde ab, die sich im weiteren Verlauf der Serie immer besser entwickelt und darstellt.
Die sechs Episoden dieser Staffel sind trotz (oder gerade wegen?) Sabine Urig echte Knüller, die immer mal wieder in meinem DVD-Player liegen. Die Staffel beginnt mit einer Doppelfolge mit dem Grundthema "Heinz in Berlin", in der Hilde und Heinz ihren verlorenen Sohn Stefan in Berlin besuchen. Gedreht an Originalschauplätzen, hieven diese ersten beiden Folgen die Serie auf ein neues Niveau, was Drehorte und durchgängige Stories betrifft. Hatten die frühen Folgen eher den Charakter einer Sitcom, wurde nun der Fokus deutlich erweitert und nicht mehr nur mit Studioaufnahmen gearbeitet. Besondere Highlights sind die Zugreise von Vater und Mutter Becker nach Berlin und der anschließende Rückflug der gesamten Familie ins Saarland, hier breitet sich das gesamte schaurig-schön-verkehrte Familienidyll der Beckers vor dem Zuschauer aus, der besonders angesichts der wundervoll sinnlosen Butter-Diskussion gar nicht mehr anders kann, als lauthals zu lachen.
In "In der Telefonzelle" artet Heinz' Plan, einen alten Freund anzurufen (von dem er logischerweise weder Namen, noch Telefonnummer weiß) in einen kuriosen Akt aus, die gesamte Familie quetscht sich in diversen Telefonzellen herum, diskutiert über Grammatik, die Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Telefonierens mit defekten Fernsprechern und kämpft mit der Dame von der Auskunft, irritierten Passanten und natürlich der eigenen Unfähigkeit. Am Ende ist man dann fast so schlau wie vorher...
In der Folge "Ein neues Auto?" läßt eine hohe Reparaturrechnung für Heinz' altes Auto das Familienoberhaupt mit der Anschaffung eines neuen Wagens liebäugeln. Einem beckertypisch chaotischem Besuch der ganzen Familie in einem Autohaus, bei dem sich Vatern nach allen Regeln der Kunst danebenbenimmt, folgt eine Probefahrt im "neuen 359 XL", die sich zu einer ungewollten Landpartie auswächst und fast mit einer Verhaftung endet - absolut sehenswert und schön inszeniert.
Party und Hauwech sind angesagt in "Der Hausball", wo Hilde und Heinz zum Karneval bei kalt-warmem Buffet, Schinkenröllchen und Bier einladen. Nach verschiedenen Schwierigkeiten bei der Dekoration des Hauses und der Flucht Stefans vom zu erwartenden Gelage bei lauter Umftata-Musik füllt sich die Hütte mit den altbekannten Kumpels und Freunden der Familie. Angeregt durch reichlich Bier und Hochprozentiges eskaliert die anfangs betuliche Fete in ein (be)rauschendes Fest, komplett mit Polonaise durchs nächtliche Bexbach und dem nachbarlichen Überraschungsgast Richard Spengler, der in seiner unnachahmlich-dämlichen Art der Party die Krone aufsetzt. Die Folge ist einfach nur zum Brüllen lustig und kurzweilig, einzig der Gastauftritt von Lotti Krekel (Hilde verkleidet sich als Lotti Krekel, die dann tatstächlich leibhaftig auftaucht) wirkt etwas aufgesetzt.
Den Abschluß der Staffel bildet die legendäre Folge "Der Kurschatten", die zu meinen persönlichen Heinz Becker-Favoriten zählt. Heinz wird auf Kur nach Bad Bottach geschickt und trifft glücklicherweise auf den Saarländer Herbert als Zimmergenossen, unglücklicherweise aber auch auf die liebestolle Inge, die den beiden Herren während ihres Kuraufenhalts stets auf den Fersen bleibt und sich schließlich an den darob höchst verwirrten Heinz ranschmeißt. Vom "Schadde' überschadded", erlebt Heinz mit Kumpel Herbert eine nicht wirklich erhohlsame Kur, was umso spaßiger anzusehen ist. Diese Episode sollte in keiner Mediensammlung echter Becker-Fans fehlen!
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diese 5. Staffel dem Becker-Prinzip nicht nur treu bleibt, sondern es noch ein ganzes Stück weiter ausbaut, was der Sache gut bekommt. Alte Fans der Staffeln 2 bis 4 mögen anfangs aus verschiedenen Gründen vielleicht etwas "fremdeln", aber dazu besteht kein Grund, die Episoden sind durchweg witzig, ohne Längen arrangiert, sprühen von Situationskomik und Wortwitz und bieten auch viel Abwechslung in Punkto Stories und Szenen. Alles in allem absolut empfehlenswert, nicht nur für eingefleischte Fans!