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Normalerweise ist er der trommelnde Part neben Sänger Thom Yorke und Gitarrist Jonny Greenwood, aber Philip Selway, Drummer von Radiohead, hat sich auf die eigenen musikalischen Beine gestellt und überzeugt mit einem großartigen Singer-Songwriter Debüt. Die Anfänge der Soloarbeiten von Philip Selway gehen bereits ins Jahr 2001 zurück als er unter der Regie von Neil Finn zusammen mit Kollegen und Freunden, wie Johnny Marr, Eddie Vedder, Lisa Germano, Sebastian Steinberg und Radiohead Bandmitglied Ed O'Brien das Charity-Album "7 Worlds Collide" aufnahm.
Sieben Jahre später kam das Ensemble dann erneut zusammen und erweiterte sich um Mitglieder wie Jeff Tweedy von Wilco, um schließlich die Aufnahmen zum zweiten Album "The Sun Came Out" zu beginnen. Hierfür steuerte Philip Selway den Song "The Ties That Bind Us" bei, in welchem er zum ersten Mal die Lead Vocals übernahm. Ein Track, der übrigens auch auf Selway’s Debütalbum wieder zu finden ist. Kurze Zeit später begab sich Philip Selway ins Studio, um mit den Arbeiten an seinem Erstling zu beginnen. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Werk namens „Familial“, das durch gefühlvolle Balladen und einfühlsame Texte besticht.
Leidenschaftlicher Akustikpop bestimmt Philip Selways erstes Soloalbum "Familial". Damit setzt sich der Radiohead-Drummer von den Experimentalausflügen seiner Kollegen ab. "The Eraser" nannte sich Thom Yorkes erstes Artist-Album und war am Ende nicht mehr als das, was seine Band Radiohead sonst fabrizierte: Mit elektronischen Sperenzchen aller Art, hätten einige Songs problemlos im Kollektiv funktioniert und die vielen Soundtrack-Arbeiten von Kollege Jonny Greenwood klangen zwar kurios, aber ebenso vorhersehbar. Im Gegensatz dazu überrascht Philip Selway mit seinem Debüt "Familial" und den darauf enthaltenen Kleinoden aus sachtem Folk- und Singer/Songwritermomenten.
Fast komplett unverstärkt spielt sich der Radiohead-Drummer durch die Songs und erzählt von Familienstrukturen, die nicht allein seine Rolle als Vater thematisieren, sondern obendrein zeigen, wie wichtig ihm Freunde und Bekannte sind - sowohl musikalisch als auch privat. Dazu singt er auf erstaunlich hohem Niveau und am liebsten würde man Thom Yorke eine Petition zukommen lassen, mit der Bitte, Selway demnächst öfter ans Mikro zu holen. Freilich auch deswegen, weil meist der Fehler begangen wird, den Drummer einer Band als vermeintlich schwächstes musikalisch Glied auszumachen - der einzig seinen Job erledigt, die Sticks schwingt und froh ist, wenn andere das Songwriting übernehmen.
Philip Selway straft dieses Vorurteil Lügen und wem "Familial" nicht beweist, dass er zu Höherem berufen ist, dem ist leider auch nicht mehr zu helfen. Allein das gehauchte Eröffnungsstück "Beyond Reason" wirkt derart karg und aufrichtig, dass es beim ersten Hören wehtut - so unerschrocken verarbeitet Selway hier die gesamte Gefühlspalette von lustig bis traurig in nur einem Text. Generell hält er sich in den Texten nie zurück, berichtet von Orten und Plätzen an denen er sich besonders wohl fühlt, Missverständnissen, Irrungen und den manchmal so einfachen Lösungen dafür. "Familial" ist ein hervorragendes Songwriter-Album, dass dank der Mithilfe von Gästen wie Lisa Germano, Ian Davenport und Wilco-Drummer Glenn Kotche durchweg überrascht. Positiv wohlgemerkt, denn Philip Selways Soloausflug ist der bislang gelungenste aller Radiohead-Mitglieder