Es gibt Filme, die einen vor allem dann berühren, wenn man mit heranwachsen beschäftigt ist, egal wie kitschig oder dünn sie auch sein mögen. Heute habe ich "Dirty Dancing", "Breakfast Club" und "Ferris macht blau" hinter mir gelassen, "Fame" aber bleibt.
Filme über das Singen und Tanzen sind dünnes Eis und schon ebenso häufig mißlungen wie Musical-Verfilmungen. Aber "Fame" ist mehr. Es ist ein Film, der auf mehreren Ebenen funktioniert.
Er zeichnet ein lebendiges Bild von einem New York der frühen Achtziger, als Rap geboren wurde und Trends entstanden. Der Film fängt diese atemlose Spannung ein, dieses Gefühl am Mittelpunkt der Welt zu sein. Der nächstkleinere Kosmos ist die Schule, durch deren harte Ausbildung man die Akteure begleitet.
Am Ende sind es aber die Menschen, Schüler und Lehrer, die hier präzise und klar charakterisiert werden. Man kann dem Film sicher vorwerfen, dass er zu schablonenhafte Charaktere zeichnet: der benachteiligte Schwarze, der verklemmte Schwule, das verwöhnte Mädchen aus reichem Hause, die unnachgiebige Ballett-Lehrerin, der unagepaßte Kreative, das Mauerblümchen.
Tatsächlich ist es die große Leistung von Alan Parker, die Risiken dieser Klischees zu umschiffen. Er tut das, indem er die Charaktere bricht und hinterfragt, und sie sich alle während des Films wandeln. Dazu findet er in seiner rasanten Erzählweise mit wilden Schnitten und Szenenfragmenten charakteristische Momente, die seine Figuren mit Leben füllen und ihnen glaubhafte Emotionen verleiht. Statt langer Dialoge und ausufernder Szenen findet Parker die Prägnanz in kurzen Einstellungen und kleinen Gesten. Glänzend umgesetzt wird das von einem jungen spielfreudigen Ensemble von eher unbekannten Schauspielern (die man heute in eher drittklassigen Serien bemerken kann)
Überraschend gut integrieren sich die Songs. Bruchlos in den Fluss des Films integriert kommen diese nicht als Unterbrechung, sondern als Bereicherung der Handlung daher. Dank gutem Songwriting und starken Stimmen entstand sogar ein ergiebiger Soundtrack, der auch ohne Film Spaß macht.
Sicher ist dieser Film nicht frei von Plattitüden und seine Botschaft "Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst" ist eher schlicht, aber die mitreißende Inszenierung und die schiere Kraft des Films tanzt und singt über die Schwächen hinweg.
Das macht diesen Film allemal sehenswerter als z.B den zuckrigen "Flashdance" oder den gestelzten "Chorus Line".