Auf Anhieb fallen mir nicht viele Bands ein, die auf einer Platte so viele Stile abdecken wie Of Montreal. Im Grunde müsste man für die Amerikaner, die aus dem Kollektiv "Elephant 6" hervorgingen (wie auch Neutral Milk Hotel), ein völlig neues Genre definieren. Das wäre dann in etwa Electro-Indie-Pop-Rock-Avantgarde-Mathcore. Oder so ähnlich.
Tatsache ist, dass "False Priest" nicht unbedingt dazu beitragen wird, Of Montreal irgendwo unterzuordnen. Schon beim Anblick des Covers fragt man sich freilich, auf WAS man da eigentlich starrt. Mit der Musik verhält es sich nicht anders. Frei von jeglichen Genre-Konventionen stürzen wir uns also in diese frische Platte.
"I Feel Ya Strutter" ist ein feucht-fröhlicher Einstieg, der mit einer eingängigen Melodie aufwartet. Kevin Barnes Stimme erklingt irgendwo zwischen Trunkenheit und Freude und manchmal frag man sich, ob er beim Aufnehmen durchgekitzelt wurde. Der Opener schlägt dem Hörer mit geballter Indiepop-Power entgegen. "Our Riotous Defects" lässt dann eine schöne Sounddecke abfeiern, über der Barnes euphorisch quasselt. Gutgelaunt wird der falsche Priester dann etwas Rockiger, wenn mit "Coquet Coquette" das erste Highlight aufwartet. Während die ersten beiden Songs gut und eingängig sind, verschleiern sie doch mit ihrer Überladenheit das Wesentliche. Hier jedoch fahren Of Montreal ihre Getriebe etwas runter. Nach dem Song weiß man, dass das Album gut aufgebaut ist.
So wird im weiteren Verlauf die Platte abgefeiert. Vom sphärisch-schwebenden "Enemy Gene" zur tollen Popnummer "Sex Karma", von dem dichten Rocker "Famine Affair" zum epischen Finale "You Do Mutilate?" - Diese Platte macht einfach Spaß.
Dabei wird der Anschein erweckt, Of Montreal hätten keinen Anspruch. Pustekuchen - für ungeduldige Hörer kann "False Priest" schnell nervig werden. Wer sich jedoch auf die bunte Parade einlässt, mitzieht und nicht mürrsich daneben steht, dem eröffnet sich kompromisslose, astrein produzierte und mitunter sogar anspruchsvolle Musik.
Of Montreal könnte man vorwerfen, ziemlich vorhersehbar zu sein. Für einige bedeutet das Stillstand, für andere bewährte Qualität. Aber Langeweile? nein, nein, nein. Im Wörterbuch von den Jungs aus Montreal ist unter "Langeweile" kein Eintrag zu finden.
9/10