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Falschgeld: Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit
 
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Falschgeld: Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit [Taschenbuch]

Samirah Kenawi
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 312 Seiten
  • Verlag: EWK Verlag; Auflage: 1., Auflage (Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3938175494
  • ISBN-13: 978-3938175491
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 14 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 622.187 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Phil
... mit einem Schönheitsfehler: Die Vorteile eines Grundeinkommens für eine neue Wirtschaftordnung werden nicht erkannt. Das Modell von Götz Werner IST philanthropisch gemeint und NICHT kapitalistisch. Es wird leider zu kurz und auch nicht richtig wiedergegeben und dann aus den falschen Gründen abgewiesen. Das ist schade! Man möchte sich wünschen, dass die durchaus brilliante Autorin sich mal mit G. Werner trifft, um über das Modell zu debattieren. Das könnte ein sehr interessantes Thema für eine neue Veröffentlichung sein!
Das Buch bleibt aber weiterhin absolut lesenswert!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Edessa
Frau Kenawi hat ein sehr gutes Buch über die Geschichte des Geldes geschrieben.
Jedoch gibt es Auslassungen und Ungenauigkeiten zur Schwundgeld-Thematik.
Tatsächlich gab es die Brakteaten nur im heiligen römischen Reich Deutscher Nation. SCHWUNDGELDER jedoch in ganz Europa und auch in Norditalien.
In der Zeit von 1150 bis 1450 gab es in Mitteleuropa eine krisenfreie Zeit, welche durch eine geniale zinsfreie Währung erreicht wurde: Um 1150 begann Erzbischof Wichmann (1110-1192) aus Magdeburg damit, Münzen herauszugeben, welche zweimal im Jahr zum Umtausch aufgerufen wurden. Ziel war es, die Steuern einfach und regelmäßig einzutreiben. Dabei wurden 12 alte Pfennige gegen 9 neue ausgetauscht, die Differenz war Steuer. Anders als heute, mußte damals gerade das Kapital Abgaben entrichten, während die Arbeit davon befreit war. Um die Münzen schnell und ohne viel Aufwand wieder einschmelzen und umprägen zu können, waren sie nur einseitig geprägt und aus dünnem Blech, daher ihr Name " Brakteaten" (bractes = dünnes Blech). Bald schon breitete sich diese Methode über das ganze Land aus. Das führte dazu, daß sich Geldhortung nicht mehr lohnte. Um dem nächsten Umtausch zu entgehen, wurde Geld zinslos weiterverliehen, da nur der Besitzer der Münzen die Umtauschgebühr zahlen mußte. Damit war Geld wieder reines Tauschmittel, nicht mehr Wertaufbewahrungsmittel, das nur durch Zinsangebote wieder in den Wirtschaftskreislauf gelockt werden konnte. Das Ergebnis war die größte Entwicklungsperiode der deutschen Geschichte. Damals waren die sozialen Unterschiede so ausgeglichen wie nachher nie mehr im historischen Verlauf. Wer viel hatte, erwarb den Wohlstand durch Arbeit, nicht durch leistungslose Zinsen. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro Jahr lag bei 90, oftmals über 150. Sehr bald wurde auch der arbeitsfreie Montag eingeführt. Damit mussten die Handwerker nur vier Tage in der Woche arbeiten. Noch am Ausgang dieses Zeitalters, um 1450, konnte Erzbischof Antonin von Florenz es als selbstverständlich bezeichnen, dass für die Gewinnung des notwendigen Lebensunterhaltes eine kurze Arbeitszeit genüge und dass nur derjenige lange und viel arbeiten müsse, der nach Reichtum und Überfluss strebe. Die tägliche Arbeitszeit war z.B. bei Bergwerksknappen in Freiburg auf sechs Stunden begrenzt. Auch auf dem Land wurde die Ausbeutung zurückgedrängt, weil der geknechtete Bauer die Möglichkeit hatte, in den schnell wachsenden Städten einem Handwerk nachzugehen. Das Einkommen war so hoch, daß sich etwa in Augsburg ein Tagelöhner mit seinem täglichen Verdienst fünf bis sechs Pfund des teuersten Fleisches leisten konnte. In Meißen mussten jedem Maurergesellen wöchentlich fünf Groschen Badegeld gegeben werden, in einer Zeit, in der ein einziger Scheffel Korn sechs Groschen und fünf Pfennige kostete. Der sächsische Scheffel faßte 103,8l. Wie gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung gewesen sein muss, zeigt die Entwicklung der Städte in Deutschland.
Städteneugründungen in der Geschichte:
Um 1300 wurde ein Höhepunkt der Städteneugründungen als Maß für die wirtschaftliche Entwicklung erreicht, welcher in der ganzen Geschichte vor und nach dieser Zeit nie mehr geschah. In der Zeit von 1150-1450 wurden die großen Dome und Kathedralen in Europa gebaut - Finanziert durch freiwillige Spenden der Bürger. Allein schon hieraus wird deutlich, wie zuversichtlich die Menschen damals gewesen sein müssen. Wer spendet schon für ein Jahrhundertprojekt, wenn er nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch leben wird?
Die Situation änderte sich, als auf Druck von machtsüchtigen Kaufleuten hin, schrittweise Geld eingeführt wurde, welches nicht mehr verrufen wurde. Das Augsburg der Fugger gehörte mit zu den ersten Plätzen, an denen die Münzverrufung um vier Jahre hinausgeschoben wurde. Nach vollständiger Einführung des Dickpfennigs (beidseitig geprägtes schweres Geld) konnten die Fugger sich zwischen 1480 und 1560 zu einer der mächtigsten Familien der damaligen Welt aufschwingen. Geld wurde dann nur noch hochverzinst verliehen. Beispielsweise brachte eine Anlage von 900 Gulden nach sechs Jahren 30.000 Gulden Zinsertrag. Bei den dem Bauern auferlegten Geldabgaben musste er im Falle von Säumigkeit Zinsen zahlen, und zwar nach dem sogenannten " Rutscherzins" für jeden Tag des Verzuges den verdoppelten Zinssatz. Mit der schrittweisen Einführung des " Ewigen Pfennigs" verschob sich damit die Vermögensverteilung innerhalb weniger Jahrzehnte so drastisch, dass die gotischen Bauten aus Geldmangel in ganz Mitteleuropa nicht mehr fertiggestellt werden konnten. Überall in Europa wurden die Dome mehr als 300 Jahre lang nicht weitergebaut und erst im letzten Jahrhundert vollendet. Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung verschlechterte sich so stark, dass es Anfang des 16. Jahrhunderts zu blutigen Bauernkriegen kam. Die Zünfte waren nicht mehr für jeden frei, den meisten war der Weg in die Selbständigkeit versperrt, es entstand eine neue Schicht der abhängigen Lohnarbeiter. Gleichzeitig wurden neue Entdeckungen und Erfindungen unterdrückt. So verbot die Zunft beispielsweise den Vorläufer des mechanischen Webstuhls im Jahr 1586 und ermordete deren Erfinder. Da sich die Menschen die schnelle wirtschaftliche Verschlechterung nicht erklären konnten, kam es zu Hexenverbrennungen, die ab 1484 zunehmend veranstaltet wurden. Das finstere Mittelalter zog herauf und hält im Prinzip bis heute an.
Schlußbetrachtung
Die Werte von Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Sozialpartnerschaft werden, wenn die derzeitigen Entwicklungen anhalten, langfristig völlig verschwinden und nur noch in den Erinnerungen der Menschen vorhanden sein. Ursache dafür ist ein wegen des Zinseszinsmechanismus auf ständige Expansion angewiesenes System, in welchem sich die Rendite langfristig nur dann aufrechterhalten lässt, wenn scheinbar überholte Werte verschwinden. Diese Entwicklung führt sowohl zu einer ungerechten, weil nicht mehr an die Leistung gebundenen, Vermögensumverteilung von unten nach oben, wie auch zur Globalisierung, in welcher der Druck auf die Erdenbewohner unvorstellbare Ausmaße annehmen wird. Am Ende wird sogar dieser steigende Arbeitszwang - bei sinkenden Löhnen - nicht mehr ausreichen, um die explodierenden Schulden zu bedienen. Wie schon immer in der Geschichte, zerfällt dann das System durch Kapitalmangel in einer deflationären Abwärtsspirale. Parallelen beispielsweise zum Untergang des antiken Roms lassen sich heute schon finden: Grenzenloser Reichtum weniger bei zunehmender Armut vieler wie auch Brot und Spiele, um Unruhen durch die Ungerechtigkeiten im System zu unterbinden. Es gibt heute keinen Grund, anzunehmen, dass unsere Gesellschaft ein anderes Schicksal zu erwarten hätte, wenn die momentanen explodierenden Entwicklungen im Kapitalsystem andauern. Im Gegenteil: Die entstandenen technischen Möglichkeiten erhöhen sogar das Risiko von Verzweiflungstaten, welche schnell in einer Katastrophe enden könnten. Dass es nicht immer so war, zeigte die kulturelle Blütezeit im Hochmittelalter, in der 300 Jahre lang ein zinsfreies Geld umlief, welches sowohl die Armut beseitigte als auch zu einer Gesellschaft führte, in der Chancengleichheit und Gerechtigkeit nicht bloße Worte, sondern lebendige Tatsache waren. Unsere Verpflichtung ist es, aus der Geschichte zu lernen und eine Ordnung, wenn auch in moderner Form, zu schaffen, welche jedem die freie Entfaltung der Persönlichkeit ohne Druck und Zwang von außen ermöglicht, wie dies auch die Begründer des deutschen Grundgesetzes im Auge hatten.
Das Mittelalter war die Zeit der Gründungen der Hanse und der Städte, der Häfen und grossen Berkwerke und frühen Infrastruktur und der Kathedralen.

In seinem "System der nationalen Ökonomie" entlarvt Friedrich List den händlerischen Ungeist der liberalkapitalistischen Wirtschaftstheorien von Adam Smith und David Ricardo. Nach deren Meinung (bereits vorgeprägt durch David Hume 1691) wird der Wert der Güter nicht durch ihren Gebrauchs -, sondern durch ihren Tauschwert bestimmt. Mithin ist also nicht die werteschaffende Arbeit, sondern der wertevermittelnde Handel das Wesentliche. Entscheidend ist auch nicht, ob Güter sittlich oder unsittlich, nützlich oder schädlich, gesund oder ungesund sind, sondern daß es für sie einen Marktbedarf gibt. Die Übersteigerung des händlerischen Denkens gipfelt in der Forderung nach arbeitsteiligem Umbau aller Volkswirtschaften der Erde zu Absatzplantagen der Weltwirtschaft und Zinskolonien der Hochfinanz. Dieser Umbau soll sie zur nationalen Selbstversorgung unfähig und vom internationalen Zwischenhandel abhängig machen. Alle Wirtschaftsstrukturen sind so umzugestalten, daß sie immer neuen Handel erzwingen. Die Wege zwischen Rohstoffen, Fertigprodukten und ihrem Absatz müssen so verlängert werden, daß sie dem Zwischenhandel riesige Profite verschaffen.

Schwundgelder existierten historisch als Kornwährungen auch im ptolemäischen Ägypten und im alten Babylon.
Ebenso als im feuchten Mittelmeerklima rostende Metall- bzw. Eisenmünzen im alten Griechenland.
Ferner gab es im 18. und 19. Lesen Sie weiter... ›
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise fragt Kenawi nach den Ursachen. Eine sieht sie in unsinniger Geldhortung. Diese Diagnose wird brandaktuell, sobald man sie bezieht auf die immensen Spekulationsgelder, die zwischen den globalen Finanzmärkten herumjagen, immer gefährlichere Blasen bilden und längst jeder vertäglichen Größenrelation zur Realwirtschaft spotten (daher "Falschgeld"). Wie aber entstehen diese aberwitzigen Summen? Kenawi erkennt die Ursache in verfehlten Regeln der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken.

Der Fehler liegt für sie u.a. darin, dass die Banken Investitionskredite zu wesentlich günstigerem Zinssatz ausreichen als Kontokorrentkredite, obwohl gerade die letzteren dazu geeignet sind, das für die Zirkulation nötige Gleichgewicht zwischen umlaufender Geldmenge und vorhandenem Warenbestand zu sichern. Der Zwang zu immer neuen Investitionskrediten dagegen (damit trotz des ständigen Mittelabflusses in die Spekulation doch noch halbwegs genügend Geld wieder in den realwirtschaftlichen Umlauf gelangt) lässt immer mehr unsinnige und ökologisch schädliche Projekte entstehen, während die sich gigantisch verschuldenden Staaten ihre Kernaufgaben nicht mehr bewältigen, und die soziale Spaltung innerhalb und zwischen den Gesellschaften immer brisanter wird. Ein totaler Zusammenbruch des gegenwärtigen Systems ist für Kenawi nur noch eine Frage einer (kurzen) Zeitspanne.

In ihrem eigenen visionären Entwurf gibt es keine Aktien und Finanzmärkte mehr. Geldschöpfung erfolgt ausschließlich bei Erzeugung und Zirkulation der Waren über revolvierende Kontokorrentkredite, jedoch weiterhin durch die Geschäftsbanken. Um dauerhafte wirtschaftliche Dynamik bei Geldwertstabilität zu gewährleisten, muss der Chancenvorsprung von Unternehmen mit Eigenkapitalpolster gegenüber kreditfinanzierten Newcomern beendet werden, weshalb Kapitalrendite ebenso wie Bodenrendite fortan entfallen: Schluss also mit der "wundersamen Selbstvermehrung" des Geldes! Stattdessen pendeln künftig Kreditzinsen wie Sparzinsen um Null und können, je nach Geldumlauf, sogar zeitweilig negativ werden. Der Staat wird entschuldet durch "Bilanzverkürzung" zu Lasten unseriöser und unsinniger Geldvermögen, der Umfang von Sichtguthaben wie auch von Sparguthaben wird mit Hilfe eines variablen Systems begrenzt, indem oberhalb dieser Grenze bei Sparguthaben eine progressive Geldhaltegebühr zugreift. Damit sowie durch Überführung des bisherigen Privateigentums an Grund und Boden in nur mehr Nutzungsbesitz kommt eine Gesellschaft in den Blick, in der die Ideale der Französischen Revolution erstmals praktikabel werden. Ideen für die notwendigen Steuerungsinstanzen liefert die Autorin mit.

Das Ganze erscheint in sich schlüssig, freilich weit von der heutigen Praxis und Mentalität entfernt. Dennoch: Bei anschwellender globaler Krise könnte Kenawis Therapievorschlag nicht nur den Kapitalismus zu überwinden helfen, sondern durch die Reform des Geldes zum verlässlichen globalen Tauschmittel zugleich zu friedlicheren Beziehungen der Menschen zur Natur und unter einander führen.
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