Gerade habe ich "Falscher Hase" von Ruth Reichel zu Ende gelsen (ISBN 3442371325, Originaltitel: "Garlic and Sapphires: The Secret Life of a Critic in Disguise"). Als sie am Ende beim Metzger ihrer Kindheit eine Lammkeule für die Familie kauft, musste ich weinen.
Ich gehöre nicht zur "Zielgruppe der Spitzengastronomie"*, begehe daher auch nicht den Fehler, dieses biografische Buch, das den Zeitraum zwischen 1993 und 1998 abdeckt als aktuellen Restaurantführer NYC zu lesen.
Ruth's Bild hängt in New York in jeder Küche als Sie die Stelle als Restaurantkritikerin der New York Times antritt. Daher schlüpft sie in unterschiedliche Verkleidungen, um neben der Qualität des Essens auch die Einstellung des Servicepersonals zu testen. Das ist größtenteils sehr amüsant, äußerst fesselnd geschrieben und von Theda Krohm-Linke sehr gut übersetzt.
Falls man es mit dem Restaurantessen nicht so hat, gibt die gelernte Köchin einem Rezepte zum Selberkochen mit auf den Weg, die sie als typisch für New York erachtet, damit werde ich mich beschäftigen.
Großartiges Buch, wenn einem mal gerade nicht nach schwerer Kost ist.
Frank
*Definition: Wer viel beruflich unterwegs ist, ist darauf angewiesen sich seelisch und körperlich von anderen verwöhnen zu lassen. Das Essen in gewöhnlichen Restaurants ist so mies, dass man davon auf Dauer krank wird. Daher wendet man sich Menschen und ihren Unternehmungen zu, die beste Zutaten einkaufen, kompetent zubereiten und einen als Gast verwöhnen und auf Händen tragen. Als Familienmensch, der am Liebsten mit seinen Freunden selber kocht und als Lebensmittelfotograf, der wie ein Koch beruflich auf den Einkauf bester Zutaten angewiesen ist, brauche und will ich das nicht. Kinder in der Spitzengastronomie funktioniert in den seltensten Fällen. Ein Essen mit 6 oder 9 Kindern im Schlepptau veranstaltet man lieber zu Hause und 6 bis 9 Kinder kommen bei zwei bis drei Ehepaaren schnell zusammen.