Viele behaupten, "Schnee, der auf Zedern fällt", sei Howards bislang beste Arbeit. Bis dato mag das zutreffen. Aber er ist zum Glück auch einer der wenigen, die sich mit jeder neuen Aufgabe mächtig weiterentwickeln. Kaum einer beherrscht eine so große Bandbreite in der Komposition wie Howard. Hört man sich zum Beispiel seinen Score zu "Hidalgo" an, würde man darin kaum seine Handschrift erkennen, wenn man nicht wüsste, dass die Musik von ihm stammt. Zwischen "The Prince Of Tides" (1990) und seinen neuesten Werken liegen Welten. Mittlerweile hat sich Howard zu einem Meister eingängiger Klavierpartituren und sanften Streicherarrangements entwickelt, die bisweilen verstörend-hypnotischen Charakter besitzen (siehe "The Village"). Er ist immer dann am besten, wenn er überraschen darf. So ist auch "Schnee, der auf Zedern fällt" ein Ausnahmewerk. Angenehm unaufgeregt, aber leider auch wenig spektakulär. Und hier sei Kritik erlaubt: Man wird das Gefühl nicht los, dass ohne die bewegten Filmbilder ein wichtiger Betandteil fehlt.
Zudem haben von den 27 Titeln 17 eine Spiellänge von unter zwei Minuten. Das reicht nicht, um sich tiefer in die Musik einzufühlen. Schade eigentlich, denn der Score hat viel mehr Potenzial, als nur Klangcollagen zu liefern.
Sehr aufdringlich setzt Howard die Shakuhachi ein, eine japanische Bambusflöte, wie sie auch James Horner in seinen Filmmusiken über Gebühr gerne verwendet, z. B. in "Missing". In Verbindung mit dem hintermalenden Synthesizer-Gebrummel werden abrupte Lautstärke-Peaks erreicht, die einen dann unsanft aus dem Sessel heben, wenn es die Musik gerade geschafft hat, einen so schön einzulullen. Das nervt!
Trotzdem eine Empfehlung, auch wenn Howard heute besser ist als damals.