Viele mögen TOTO für eine Radio-orientierte Balladen-Band halten. Das ist aber viel mehr die Schuld der Radio-Sender, die von TOTO eben immer nur die ruhigen Songs in ihr Programm hieven. Um diese Band von Ausnahmemusikern richtig zu verstehen, muss man sie in Aktion erleben - live on Stage sind TOTO auch nach 30 Jahren im Musikbusiness immer noch unschlagbar. Dies unterstreicht auch das neue Doppelalbum FALLING IN BETWEEN LIVE einmal mehr.
Aufgenommen am 26. März 2007 im Pariser Le Zenith zeigen diese beiden CDs die Band von ihrer lebendigsten Seite, voller Spielfreude, Virtuosität und Energie. Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass TOTO mit LELAND SKLAR einen (der vielleicht weltweit besten) Ersatz-Bassisten für den verletzten MIKE PORCARO dabei haben. Ich hatte das Vergnügen TOTO häufiger mit Gast-Musikern zu erleben und viele dieser Konzerte hinterließen bei mir den Eindruck, dass TOTO dann erst wirklich zu Höchstform auflaufen, sich neu inspirieren lassen und vielleicht sogar (wenn das denn überhaupt möglich ist) noch ein bisschen mehr Spaß auf der Bühne haben. Das soll jetzt nicht so klingen, als ob TOTO jedes Mal einen Gastmusiker bräuchten, um sich zu motivieren, aber ab und an scheint ihnen dieses frische Blut gut zu tun.
Die Songauswahl ist hervorragend, wenn auch sicherlich der ein oder andere Fan seinen Lieblingssong vermissen wird. Aber nach 30 Jahren sind es einfach zu viele großartige Stücke. Natürlich sind die neuen Songs das Rückgrat des Sets. Dabei merkt man auch im Vergleich zu Klassikern wie PAMELA, ROSANNA oder HOLD THE LINE keinen Unterschied. Im Vergleich zum Vorgänger LIVE IN AMSTERDAM sind auch auf diesem Album die Solo-Spots von Gitarrist STEVE LUKATHER, Keyboarder GREG PHILLINGANES und Drummer SIMON PHILLIPS komplett enthalten. Dabei zeigen die Drei einmal mehr, was sie für Könner an ihren Instrumenten sind. Besonders PHILLINGANES zeigt ein wunderbar jazziges Piano-Solo, das an manchen Stellen an Herbie Hancock oder Keith Jarrett erinnert.
Aber generell zeigen sich alle Musiker - auch der in letzter Zeit oft gescholtene Sänger BOBBY KIMBALL - an diesem Abend in absoluter Top-Form. Dabei macht sich gerade bei den Background-Vocals einmal mehr die Anwesenheit von TONY SPINNER mehr als bezahlt. SPINNER ist nicht nur ein sehr guter Gitarrist, auch als Sänger gehört er in die Top-Liga. Nun mag es hier Rezensenten geben, die TOTO gerade beim Gesang technische Spielereien vorwerfen, dafür finden sich aber auf diesem Album keine Belege. Gerade bei mehrmaligem genauem Hinhören unter dem Kopfhörer kann man hier nichts von einem Vocoder oder ähnlichen Sachen hören. Von daher zumal es sich hier ja nun nicht um eine Schüler-Band handelt, sondern um Vollblut-Musiker, die ihre Sache seit mehreren Jahrzehnten sehr erfolgreich gegen alle Widerstände durchziehen und solche Tricks nicht nötig haben. Zumal ich davon überzeugt bin, dass eine Live-Aufnahme die Jungs noch einmal zusätzlich motivieren dürfte, an ihre Limits (auch gesanglich) zu gehen.
Ein besonderes Highlight ist wieder Mal das Akustik-Medley von STOP LOVING YOU (bei dem Background-Gitarrist TONY SPINNER in absolut überzeugender Art und Weise die Lead-Vocals übernimmt), I'LL BE OVER YOU und CRUEL. Auch interessant ist das abgewandelte Intro zu ROSANNA, bei dem TOTO einmal mehr zeigen, dass sie eben auch anders können. Okay, so ganz anders dann auch nicht, denn nach kurzer Zeit verfallen sie natürlich in die ursprüngliche Version des Stücks, das für viele noch vor AFRICA und HOLD THE LINE eben DAS TOTO-Stück schlechthin ist.
Auch der Sound ist - wie nicht anders zu erwarten - brillant. Jeder Musiker ist zu jeder Zeit deutlich wahrnehmbar. Nichts wird übertüncht und dadurch kommen manche Feinheiten in den Stücken hier erst richtig zur Geltung. Leider treten dabei die Fans ein wenig in den Hintergrund. Wenn überhaupt sind sie nur zwischen den Songs zu hören. Das kann daran liegen, dass die meisten bei dieser packenden Show nur mit ungläubig offen stehendem Mund dastanden und sich von der Musik verzaubern ließen. Aber ein wenig mehr hör- und spürbare Begeisterung hätte diesem Tondokument einer hervorragenden Tour schon gut getan.
Alles in allem aber eines der besten Live-Dokumente der jüngsten Vergangenheit mit einer Band der Spitzenklasse in absoluter Top-Form und daher kann es nur die Höchstnote geben.