...mit besonderem Erkenntnisgewinn: Es wäre doch zu leicht, Thommie Bayers neuen Roman auf diese einfache Formel zu bringen.
Erneut ist ihm ein ungeheuer berührender Roman gelungen, in dem die Protagonisten so lebendig werden, das man am Ende der Geschichte, bei dem sämtliche Mosaiksteinchen an den richtigen Platz fallen, gerne noch etwas mehr Zeit mit ihnen verbracht hätte.
Der Antiquar Alexander Storz führt in der Kölner Südstadt einen kleinen Buchladen. Er fühlt sich nicht unglücklich, verharrt aber ein wenig in der Lebenswarteschleife, als er ein ungewöhnliches Angebot bekommt.
Ein ihm bislang unbekannter Kunde betritt sein Geschäft und bietet ihm eine ganze Bibliothek zum Kauf an. Diese Bibliothek ist so wert- und eindrucksvoll, das Alexander zunächst sprachlos ist. Als ihm Faller dann das Angebot macht, mit ihm eine Reise mit unbekanntem Ziel zu unternehmen, sagt er spontan zu, weil er neugierig auf diesen Menschen geworden ist.
Die beiden Männer sind sich nicht nur sympathisch: Sie reden und schweigen miteinander auf eine Art und Weise, wie man es nur mit sehr vertrauten oder eben ganz fremden Menschen kann. Dazwischen halten sie sich in Städten wie beispielsweise Göttingen, Münster und Heidelberg auf. Dort ist Alexander öfters sich selbst überlassen, durchstreift die Stadt und denkt viel über die Liebe und das Leben, aber auch über seinen Reisebegleiter nach. Dabei wird ihm allmählich klar, das er nicht zufällig Fallers Gefährte auf Zeit ist und diese Reise auch für ihn vieles verändern wird...
Thommie Bayers Geschichte nimmt nicht nur von den ersten Sätzen gefangen, er stellt durch viele zeitgeistige Bezüge zur Kunst, Literatur und Musik auch von Anfang ein eine innere Beziehung zum Leser her. Liebevoll entwirft er nicht nur einen souveränen Handlungsbogen, in dem Storz eine viel wichtigere Rolle zukommen wird, als er anfangs vermutet; gerade die kleinen Details sind es, die die Lektüre des Buches zu einer besonders intensiven machen.
Das Einzigartige an Thommie Bayers Büchern ist die ganz besondere Stimmung, die man immer wieder finden kann, mit denen er das Lebensgefühl seiner Helden einfängt und die sie immer wieder aufs Neue entdeckenswert macht. Eine Mischung aus Nachdenklichkeit und sehr geradem Blick auf die Welt und ihre Schönheit; Eine Abgeklärtheit, die sich mischt mit der Bereitschaft, sich überraschen zu lassen; Heitere Melancholie und Tiefgang.
"Fallers große Liebe" ist ein Roadmovie mit Erkenntnisgewinn, auch für den Leser!
(Diese Rezension wurde von mir im Frühjahr 2010 für die HC-Ausgabe verfasst)