Eigentlich stehe ich ja nicht auf „Am-liebsten-wäre-ich-tot-Musik" oder auf Gothic mit allen seinen Spielarten, aber keine Regel ohne Ausnahme. Und diese Scheibe ist eine. Und was für eine... Von der ersten bis zur letzten Minute überzeugen mich die teilweise traumhaft schönen Melodien, der kompakte und extrem druckvolle Sound sowie die Stimmung, die vermittelt wird: irgendwo zwischen Sehnsucht und Optimismus.
Wie bekommt man einen guten Eindruck von der Scheibe? In „My wound is deeper than yours", "Queen misery" und "Bed of dead leaves" finden sich die drei wichtigsten Stilelemente der CD, die immer wieder neu und überraschend kombiniert werden. Die dabei entstehende Vielseitigkeit, die die Band in (eher seltenen) Speed-, (druckvollen) Mid- und (traurig-schönen) Slowtemponummern schließlich zeigt, ist überraschend. Glücklicherweise wollen die Instrumentalisten dem Hörer nicht zeigen, was sie alles technisch können (das artet nicht selten in dummes Gedudel aus), sondern verzichten auf solistische Glanzeinlagen. Eine solche Harmonie herzustellen, die auch noch eine eigene Handschrift trägt, ist viel schwieriger, denn obwohl „For my pain" aus verschiedenen Bands zusammengewürfelt ist, wirkt sie wie eine schon seit Jahren aufeinander eingespielte Formation. Das ist ihre Stärke: tolles Songwriting, perfektes Zusammenspiel mit einem kompakten Arrangement (z.B. „Dear Carniwhore"). Die leider seltene Frauenstimme von Miriam Renvag (u.a. „Dancer in the dark") ist schließlich das Sahnehäubchen.
Nach dem ich die CD nun seit Monaten immer wieder höre und noch kein bisschen Langweile empfunden habe, kann ich sie wirklich allen empfehlen. Eine echte Bereicherung für jede CD-Sammlung.