Das Buch "Jeder stirbt für sich allein" kenne ich bereits seit vielen Jahren. Umso überraschter war ich nun, von den Gestapoakten, den Hampels und ihrem Leidensweg sowie von wichtigen Etappen der Entstehungsgeschichte des Fallada-Romans zu erfahren. Manfred Kuhnkes Buch über das letzte Werk des deutschen Erzählers ist für mich nicht nur eine spannende Lektion in Kultur- und Politikgeschichte, begonnen im Dritten Reich bis in die Nachkriegszeit in der Sowjetischen Besatzungszone, es ist zugleich die Abrechnung mit einem der barbarischsten Systeme der Menschheit. Immer wieder habe ich mir das Hochzeitsfoto von Otto und Elise Hampel ansehen müssen, die Gestapfotos von den Eheleuten, ihre wirkungslosen Gnadengesuche, den Brief des Reichsjustizministers an den Oberreichsanwalt zur beschleunigten Hinrichtung, die Fotos der Hinrichtungsstätte in Berlin-Plötzensee, auch Todesschuppen genannt. Immer wieder habe ich einzelne Passagen gelesen, darunter das Gnadengesuch der Eltern von Elise Hampel, Auszüge aus den Ermittlungsakten der Gestapo, das Hinrichtungsprocedere. Und immer wieder habe ich mir sagen müssen: Das ist keine Fiktion! Das Buch "Falladas letzter Roman - Die wahre Geschichte" ist ein Muss, auch wenn ich mir in Sachen Aufbau etwas mehr Struktur gewünscht hätte. Der Inhalt hingegen macht dieses Manko allemal wett.