Fall 39 ist eine der - leider - viel zu seltenen Perlen im weiten Ozean des Horrorfilms. Bei weitem ist nicht alles neuartig, aber die Umsetzung ist hervorragend und es mangelt nicht an toll fotografierten Szenen, die haften bleiben. Überhaupt ist es der größte Pluspunkt, wie die vergleichsweise simple Geschichte durch gute Regie, Kameraarbeit, Effekte, Schnitt und teils famose DarstellerInnen filmisch umgesetzt wird. Dabei fällt in einem durchweg hervorragenden Ensemble ausgerechnet Renee Zellweger als Emily etwas ab, die z.B. von Jodelle Ferland als 11-jähriger Lillith glatt an die Wand gespielt wird. Zellweger ist in ihrer Rolle Zellweger in der Maske von Zellweger, aber Ferland gestaltet ihren Part erschreckend glaubwürdig als durchtriebener Dämon in der perfekten Maske kindlicher Unschuld. Und das Teuflische diesen Dämons sorgt für viele wirklich sehr sehr böse, an die Nieren gehende Szenen in Fall39. Sieht man sich die Extras zum Film an, stellt man fest, dass es für den "Parkhaus-Tod" und für das Finale eine jeweils noch bessere Alternative gegeben hat, die es aber nicht in den fertigen Film geschafft hat.
Trotzdem sind Momente genug vertreten, die ein schauriges Gruseln auslösen oder einfach nur von guter Regie zeugen. Mein persönliches Highlight ist die Videovernehmung der vermeintlich bösen Mutter, die einem Interviewer das wahre Wesen ihres Schützlings enthüllt. Ihre Aussage endet in der Feststellung, dass der parasitäre Dämon in Kindform (jetzt, nachdem er die Familie zugrunde gerichtet hat) weiterzieht zum nächsten ahnungslosen Beschützer/Wirt - und die ausgezehrt wirkende Mutter dabei weg vom Interviewer direkt in die Kamera starrt mit einem wortlosen und dennoch genau hörbaren "ja genau, Du bist gemeint!", gerichtet an die entsetzt vor dem Bildschirm sitzende Emily. Eine Szene ohne Tote, ohne Blut, ohne Geschrei - aber wirkt wie Hammer!
Kleine Minuspunkte (und deshalb auch einen Stern weniger) verteile ich dafür, dass eben manches Element der groben Rahmenhandlung schon mal da war, dadurch etwas vorhersehbar ist. Aber dieser Rahmen ist gefüllt mit soviel klasse filmischer Substanz, dass das nicht ins Gewicht fällt. Leider ist das gezeigte Final - nachdem ich das alternative Ende gesehen habe - für mich nur zweite Wahl. Das auch wegen des Logik-Unsinns, dass es der übermenschlich starke Dämon nicht schafft, sich aus einem Auto zu befreien. Und nach all dem spannenden Aufbau hätte ich den Dämon in seiner dämonischen Gestalt, doch gern am Ende etwas deutlicher und länger gesehen! Man will doch schließlich neugierig wissen, was sich denn eigentlich wirklich in der netten Kleinen Lillith versteckte! Aber genug gemeckert; auch so reicht es locker für vier Sterne und einen ganz klaren Tipp fürs Ansehen und auch Kaufen. Bild- und Ton der BluRay sind einwandfrei und sehr gut, die Extras lohnen das Anschauen.