Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Es endet, wie es begann, 24. März 2009
Ich war immer der Ansicht, dass Charles Bukowski in erster Linie Kurzgeschichtenschreiber war, und erst dann Romancier. Kaum ein anderer amerikanischer Schriftsteller hat die Gattung der Kurzprosa zu ähnlicher Perfektion gebracht, wie er: Auf minimalem Raum, maximalen Effekt zu erzielen, Figuren auf nur zwei Seiten vorzustellen und ihnen doch eine Feinzeichnung zuzugestehen - das hat kaum wieder jemand mit ähnlicher Meisterlichkeit geschafft. Genau aus diesem Grund konnten mich die längeren Arbeiten Bukowskis nie in gleichem Maße begeistern (von seinen wunderbaren Jugenderinnerungen "Das Schlimmste kommt noch" abgesehen). Die Motive und Themen waren dieselben - Frauen, miese Jobs, Alkohol - aber hier wurden sie auf unnötige Breite ausgewalzt, obwohl dies gar nicht zwingend notwendig war.
Und in diesem Zusammenhang zählt Bukowskis Frühwerk "Faktotum" für mich zu seinen schwächsten Arbeiten. Worum geht es? Um einen Mann, der Schriftsteller werden will, viel trinkt, eine Vielzahl von selbstzerstörerischen Liebesbeziehungen hat und ständig gefeuert wird. Nur wird von diesem Mann eben nicht drei Seiten lang erzählt, sondern über 200.
Im Mittelpunkt des Buches (Ein Faktotum ist ein Mensch, der alle Aufgaben übernimmt) steht die endlose Folge von unbefriedigenden Sisyphus-Jobs, die Henry Chinaski übernehmen muss, um sich seinen schriftstellerischen Lebensunterhalt zu finanzieren. Nach einer durchaus gelungenen Eröffnung des Romans von ca. 30 Seiten, gleitet der Roman zu einer reinen Diashow verschiedener Tätigkeiten und Nebenjobs ab; oft lesen wir nicht einmal, dass der Erzähler gefeuert wurde, das Kapitel ist zu Ende, und bei Beginn des nächsten steht Chinaski wieder hinter an einem anderen Fließband. Kurzweilig ist diese Technik (wenn es denn wirklich eine Technik ist, und nicht nur das Produkt einer unbearbeiteten Aneinanderreihung von Notizen - ich bin mir da nicht ganz sicher) durchaus amüsant, und verstärkt noch den surrealen Zug der Situation, an Berufe gekettet zu sein, die einen weder interessieren, noch fordern, noch erfüllen, denen man aber trotzdem ausgeliefert ist; da diese Sequenz aber fast den gesamten Mittelteil des Romans ausmacht, lassen sich gewisse Ermüdungserscheinungen nicht verschweigen. Zumal auch Bukowski leider nicht die Chance nutzt, näher auf diese einzelnen Tätigkeiten einzugehen, dem Leser den Unterbauch verschiedener Betriebe in all ihrer Unerträglichkeit näherzubringen, wie er es in "Der Mann mit der Ledertasche" über seine Zeit im Postamt geschafft hat.
Es geschieht noch einiges mehr, in dem Roman, aber es lohnt sich kaum, näher darauf einzugehen: Auch die verschiedenen Frauengeschichten, die dem Autor widerfahren, wirken lieblos und austauschbar; der Autor nimmt sich hier noch ein wenig zu ernst, der für Bukowski typische Humor fehlt vollkommen, und am Ende hat sich der Erzähler scheinbar keinen Schritt von der Situation wegbewegt, von der er ausging.
Neben den wirklich großartigen Romanen von Bukowski ("Das Schlimmste kommt noch", "Das Liebesleben der Hyäne" und mit einigen Abstrichen, "Der Mann mit der Ledertasche") ist "Faktotum" wirklich keine beeindruckende Leistung; hier hat sich der Autor voller Energie, Elan und Humor auf seine Themen gestürzt - und hat großartige Erzählwerke geschaffen. All dies sind Qualitäten, die "Faktotum" leider fehlen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fesselnd, 17. August 2001
Von Ein Kunde
Fesselnd!Düster und hoffnungslos, Suff, Sex, immer das Gleiche? Falsch, nur für den oberflächlichen Leser, der sich nicht auf den Prolet Bukowski einlassen will. Es gibt schon gewisse Unterschiede in Grundstimmung und Humor zu seinen anderen Werken, kennst du einen kennst du alle trifft hier beileibe nicht zu. Faktotum war der zweite Roman Bukowskis und ist eigentlich eine Forsetzung seines später geschriebenen Jugendromans "Fast eine Jugend". Sein Motto war, "Warum über das eigene Leben hinausschauen?" Wieder einmal kongenial übersetzt von Carl Weissner.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Guter Einstieg, 1. August 2007
Die Handlung des Romanes ist rasch erzählt: Der nicht immer unsympathische Taugenichts Hank Chinaski, Bukowsis mehr oder weniger autobiographisches Synonym, versucht sich mit wechselndem Erfolg eine Existenz als Schriftsteller aufzubauen, säuft permanent, arbeitet meist in irgendwelchen Gelegenheitsjobs und wird dabei immer wieder aufgrund von Faul-, Trunkenheit und/oder seines miserablen Benehmens gefeuert. Weitere Handlungsbeigaben sind , typisch für Bukoswki, Chinaskis Frauengeschichten sowie seine ausgeprägte Vorliebe für Sinfonien und Pferederennen. Mehr passiert hier nicht.
Spötter werden sagen, diese meist autobiographischen Motive sind der Rahmen für den Großteil des Bukowskischen Werkes - kennt man eine der Stories, kennt man fast alles, wie einer der Rezensenten trefflich sagte. Wer hingegen Bukowski schätzt wird wahrscheinlich erwidern, dass er genau deshalb seine Erzählungen so schätzt.
Was die Sprache bzw. die Übersetzung anbelangt sie liest sich sehr flüssig, glaubhaft und passt sich an Bukowskis Ansichten und Denkweisen an. Diese sind bei weitem nicht so pornographisch und vulgär wie ihr Ruf. Sensiblere Leser könnten sich höchstens an Hank Chinaski's derber Wortwahl stören, und manchmal sicher auch an seinem Zynismus. Hin und wieder gelangt er aber manchmal zu Analysen und gelungener Satire auf das Leben in der "Neon-Wildnis".
Bukowski hat stellenweise extrem Krankes und zum Teil auch eher Langweiliges geschrieben, dieses Werk gehört zu keiner der beiden Gruppen. Seine Werke und Ansichten polarisieren und können nicht jedem gefallen. Aber: Wer schon immer mal Bukoskwi lesen wollte, kann hier oder alternativ beim "Mann mit der Ledertasche" bedenkenlos zuschlagen. Leser, die schon andere Werke angewidert weglegten, dürften hier auch nicht glücklich werden. Fans von Buk kennen das kurzweilige Buch ja i.d.R. schon.
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