Der Autor gehört laut Klappentexter zu den Vordenkern in der Entwicklung zukunftsfähiger Servicekonzepte im Marketing-, Kommunikations- und Vertriebsbereich. Das Literaturverzeichnis verleitet zur Annahme, dass der Autor diesem Bild ebenfalls zu huldigen scheint. Denn auf andere Denker macht er nur sehr spärlich aufmerksam, was bei mir automatisch die Skepsis weckt, ob der Inhalt den Ankündigungen gerecht wird. Es wird es meiner Ansicht nach nicht. Oder nur zu einem geringen Teil.
Wer sich noch nie mit dem Thema Kundenservice beschäftigte, wird von Dirk Zimmermann die Grundlagen erfahren. Und zwar in einer Form, die an klassische Marketinglehrbücher erinnert. Mich faszinieren so pädagogisch aufbereitete Theorien allerdings nicht mehr. Ich brauche keine Grafik mit kleinen und grossen Kreisen, die mich davon überzeugen soll, dass ein Kunde zufrieden und begeistert sein muss, um schliesslich loyales Verhalten an den Tag zu legen. Ich brauche weder Längsschnitte durch Kundenleben und Wertschöpfungsketten, noch Kreise und Koordinaten für die Einordnung von Vertrieb, Preis, Kommunikation und Produkt. Vielleicht liegt der für meine Begriffe allzu pädagogische Ansatz daran, dass Dirk Zimmermann zuerst Diplom-Pädagoge war, bevor er die Marketingwelt eroberte. Geschmacksache, ich weiss. Aber Besprechungen haben nun mal eine persönliche Note.
Gestandene Praktiker werden in diesem Buch nicht sehr viel Neues entdecken, das ihnen in angewandter Form einen Wettbewerbsvorteil bringen wird. Dirk Zimmermann fasst die Basics zusammen, bringt einige Beispiele und wagt noch einen Blick in die Zukunft. Am meisten profitiert, wer bislang bei der Präsentation seines Servicekonzepts nur eine mittelmässige Performance erreichte. Viele Kunden lieben Power-Point-Shows nach wie vor. Ich nicht.
Mein Fazit: Wer seinen Lesern hilfreiche Lektüren der Konkurrenz vorenthält, verschenkt Sympathiepunkte. Dirk Zimmermanns Servicefibel ist für alle ein Gewinn, die sich einen Überblick verschaffen wollen und im Unterricht gerne auf Grafiken, Zahlen und Kästchen an der Wandtafel schauen. Fortgeschrittene Dienstleistungs- und Servicemarketer blättern lieber in Fachzeitschriften, vergleichen Thesen verschiedenen Vor- und Nachdenker, diskutieren über fehlgeschlagene Konzepte und das irrationale Verhalten des Menschen. Denn in der Praxis werden schöne Pläne schnell zu Makulatur.