So schnell kann das gehen! Mit ihrem dritten Studioalbum "Fake History" sorgten die fünf Amis 2010 für ordentlich Furore, so sehr, dass sich Epitaph die Band unter den Nagel riss und bereits ein Jahr später ein Re-Release ihres Albums veröffentlichte, dass in der (hier) europäischen Version mit drei Bonustracks daher kommt (zwei B-Sides, ein neu produzierter Song). Aber glücklicher hätte sich dieser Übergriff wahrscheinlich auch nicht gestalten können, denn was vorab roh, rauh, eckig und kantig war, darf dies auch weiterhin bleiben.
Als erfrischender Mix aus Post-Hard- und Metalcore wurde die Band in den Himmel gelobt, dabei liegt die Faszination, meines Erachtens, eher im Gegenteil - weg von sämtlichen postmodernen Subgenres. Die Pistole nicht auf die Brust gesetzt, sondern auf die Stirn, um jenen Tumor zu entfernen, der vergessen ließ, dass Hardcore mal ein richtig dreckiges Geschäft war. Glassjaw und At the Drive-in dürfen ohne schlechtes Gewissen wieder ins Gedächtnis gelockt werden. Die cleanen Gesangparts drücken das Ganze dann zwar doch irgendwie in die Schubladen des Post-Hardcores bzw. Emo, werden diese aber nicht mit Klischees gefüttert, sondern vielmehr mit dem nötigen Maß an Selbstironie verschaukelt, was sich spätestens dann offenbart, wenn Sänger Jason Butler den geouteten Boygroupler mimt oder im, vom Klavier begleiteten "Muther", einen auf Micheal Jackson macht. Ja, für Hochglanzfrisuren und Lidschatten wird hier kein Platz eingeräumt. Wenn dann aber erstmal geschrieen und gebrüllt wird, dann kennt ihre zornige Faust eh bloß eine Richtung. "Casino Columbus" steigert sich manisch zum heroischen Refrain vor, schwenkt den Blick wehmütig Richtung einstiger Helden, denen man vor zehn Jahren ihre Geisteskrankheit noch abkaufte.
Und wenn inmitten des ganzen Instrumentengeschredders und Gebrülls, urplötzlich und dessen unbeeindruckt eine liebliche Frauenstimme einen Popsong vorträgt, kann man sich nicht nur sicher sein, dass man sich hier ein äußerst abwechslungsreiches und unberechenbares Album, sondern eine der besten Hardcoreplatten des letzten Jahrzehntes gekauft zu haben, dass jeden Cent und fünf Sterne wert ist.
9/10