Das FAITHS AND PANTHEONS ist d a s Nachschlagewerk schlechthin für Spielleiter und Spieler von Abenteuern auf Toril, die sich über die dürftige und unvollständige Auswahl der Götter im 3rd Edition Forgotten Realms Campaign Guide verwundert die Augen gerieben haben. Auf 224 Seiten holen die Autoren zu einem gewaltigen Rundum-Schlag aus und bescheren dem aufmerksamen Leser eine enorme Vielzahl an Details über die mannigfaltigen Gottheiten Faeruns.
Nach 10 Seiten der Einführung, in denen man einige lesenswerte Informationen über den Aufbau des Buchs und die Geschichte einiger toter Götter erfährt, werden die "Major Deities", also die wichtigsten Götter der Realms auf knapp 80 Seiten abgehandelt. Dies sind dieselben, die auch schon ihren Weg in den Campaign Guide gefunden haben. Aufbautechnisch wird zuerst die behandelte Gottheit kurz in Stichpunkten, die eine Kurzübersicht über Portfolio, Gesinnung, Domäne u.a. geben, aufgeführt um anschließend genauer auf sie einzugehen. Mit minimal 3 Seiten pro Gottheit erlangt man einen sehr guten Überblick über die entsprechende Kirche, (un-)heilige Rituale und alles, was rollenspielerisch von Relevanz ist. Besonders gut sind die am Ende unter der Rubrik "Dogma" zusammengefassten Leitgrundsätze einer entsprechenden Glaubensgemeinschaft, die nicht nur dem Neuling sondern auch dem alten Hasen mit kurzen Worten den Unterschied zwischen Göttern wie Malar und Mielikki aufzeigen, die zwar ähnliche Portfolios "verwalten" (beides Götter der Wälder und der Wildnis) aber gänzlich unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Illustriert wird das Buch durch vielfarbige Bilder der heiligen Symbole eines jeden Gottes als auch durch ganz überwiegend hervorragende und gelungene Gemälde der Gottheit selbst.
Rollenspielerisch ziemlich unnütz finde ich hingegen, dass fast der Hälfe des für den jeweiligen Gott vorgesehenen Umfangs mit der detaillierten Aufführung seiner Kampfwerte, Stufen, Waffen und besonderen Fertigkeiten des Gottes "vergeudet" wurde. Schön, man weiß jetzt, dass z.B. Tempus ein Fighter 20 / Cleric 10 / Barbarian 10 ist und kennt sämtliche seiner Fertigkeiten und Kampf Modifikationen. Aber wann braucht man spieltechnisch wirklich all diese Informationen? In meinen Augen sind Rollenspielgötter für Charaktere ohnehin nicht besiegbar und für Kämpfe untereinander sind die Informationen allein aufgrund ihrer Vielzahl und des Umfangs nicht geeignet - niemand, der nicht solch ein Wesen "hochgespielt" hat, wird in der Lage sein, die vielen Fertigkeiten adäquat und effektiv einzusetzen. Hier hätte es ein wesentlich einfacheres System auch getan und der dadurch ersparte Platzgewinn hätte für weiteres Hintergrundwissen genutzt werden können.
Weiterhin interessant ist, dass bei den auf dieses Kapitel folgenden und 60 Seiten umfassenden "Other Deities", also den nicht im Campaign Guide aufgeführten anderen Gottheiten, auf eben diese Auflistung der Kampfwerte verzichtet wurde. Der Grund dafür mag darin liegen, dass es den Rahmen dieses Buches gesprengt hätte, alle 115 Gottheiten in diesem Stil auszuarbeiten. Andererseits ist es dennoch inkonsequent, denn die Wahrscheinlichkeit, einmal auf einen Halbgott oder niederen Gott zu treffen, ist mit Sicherheit nicht kleiner als bei den "Hauptgottheiten". Wie auch immer, da ich die Kampfwerte ohnehin für obsolet halte, möchte ich dies hier nur erwähnen ohne dass es sich negativ auf meine Bewertung auswirkt.
Ansonsten gilt das oben gesagte auch für dieses Kapitel. Hervorragende Bilder, umfangreiche wenn auch teilweise leicht lückenhafte Informationen.
Das dritte Kapitel beinhaltet auf etwa 30 Seiten Karten und strukturelle Informationen zu einzelnen Kirchen. Was hier auf den ersten Blick als Lückenfüller aufgefasst werden kann entpuppt sich bei genauerem Durchlesen als hochinteressant und man wünscht sich, dass noch mehr Karten von Kirchen anderer Götter ihren Weg in dieses Buch gefunden hätten.
Das vierte und vorletzte Kapitel beinhaltet auf nochmals etwa 30 Seiten Informationen über 20 "Prestige Classes" für Priestercharaktere der entsprechenden Gottheiten. Hier hat mich das ansonsten hervorragende Buch leider enttäuscht. Sicherlich ist es verständlich wenn auch schade, dass nicht für jeden Priester einer Gottheit eine Prestige Class geschaffen werden konnte, denn auch dies hätte den Rahmen des Buchs gesprengt. Jedoch ist die Auswahl der Götter, denen ein solcher Luxus zuteil wurde, in meinen Augen gründlich misslungen. Die Autoren haben ihr Hauptaugenmerk nämlich auf Priester böser Gottheiten und auf im Rollenspiel eher unbedeutende Gottheiten gelegt. So dürfen sich z.B. Priester von Lolth, Bane, Shar, Talos, Umberlee, Cyric, ja sogar des toten Gottes Myrkul dieses Privilegs erfreuen, während ich vergeblich nach einer Prestige Class für Lathander, Torm oder Ilmater gesucht habe. Schade. Sicherlich ist es schön, dass hier auch einmal Randgruppen in Erwägung gezogen worden sind, da aber in der "normalen" Kampagne die Spieler zum Großteil guter Gesinnung sind, ist unter Berücksichtigung dieser Tatsache die Auswahl mehr als ungelungen. Zwar ist jede der aufgeführten Klassen gut durchdacht, aber die Lückenhaftigkeit hinterlässt einen schalen Beigeschmack.
Im letzten Kapitel sind noch einige neue Feats aufgeführt, die teils recht belang- und lieblos ausgearbeitet wurden, teils aber auch durchaus interessant sind. Jedoch sind nicht alle Feats wirklich neu, so findet sich "Divine Might" z.B. auch im zeitlich vor diesem Werk erschienenen "Defenders Of The Faith" Zusatzbuch.
Resümee: Das FAITHS AND PANTHEONS ist in meinen Augen trotz meiner zugegeben subjektiven Kritikpunkte sein Geld auf jeden Fall wert. Ich habe beim Durchlesen so viele neue Abenteuerideen bekommen, dass ich wohl nie die Zeit haben werde, sie alle umzusetzen. Die Gestaltung ist, wie bei den Zusatzbüchern für die Forgotten Realms gewohnt, überdurchschnittlich. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen!