Lang erwartet, heiß ersehnt, das neue Album der wohl mittlerweile bekanntesten Electroband des Jahrzehnts, oft kopiert, nur selten erreicht: VNV Nation...
Selbst wenn mir nicht jeder Titel gefällt und das Album nicht, wie z.B. bei 'Future perfect' oder 'PTF', konzeptionell und stilistisch aus einem Guss sein mag, es ist ein Album von Ronan Harris und Mark Jackson: opulent und bombastisch.
Manchmal etwas zu sehr am eigenen Vorbild orientiert (The Great Divide), dann wieder in den 80ern gestöbert mit fast naivem Apoptygma-Charme (Tomorrow never comes) bis hin zur Reverenz an Rotersand (wenn der Titel 'Art of conflict' nicht aus Krischans Soundlager stammt, dann ist er zumindest eine Widmung an die roten Sandmänner...).
So gibt es fesselnde Momente, große Emotionen und klangvolle Strukturen, ein bisschen Electro der 90er, eine Prise Ironie und beängstigende Zukunftsvisionen. Klar, nichts unbedingt Neues! Kann sein, aber wenn Felix Marc vom Tanz der Revolution singt muss ich lachen (so derartig platt ist seine Attitüde und so unglaublich ausdruckslos ist sein Gesang...) und wenn Ronan Zeilen wie
"I can't accept and won't concede
In aftermath we find redemption
The causes that are seized
And disguised as revolution"
in Sentinal (steht so auf dem Cover, müsste aber 'Sentinel' heißen...) singt, dann gefriert mein Blut und ich wage kaum zu atmen, so emotional ist sein Vortrag.
VNV Nation werden immer wieder an sich selbst gemessen, haben ein Genre gebildet und weiter entwickelt, sind Vorbilder und Idole, und wer, wie ich, das große Vergnügen hatte sie am 20.06. beim Blackfield Festival in Gelsenkirchen zu erleben, der weiß was ich meine...
'Of faith, power and glory' ist sicherlich nicht mein Lieblingsalbum, aber es lohnt sich es zu entdecken, ich habe ein paar Anläufe gebraucht mich zu öffnen, und ich habe ab Titel 8 angefangen zu zittern weil ich nach dem ersten Hören bei allen weiteren Durchgängen wusste was mich erwartet, Titel Nummer 9: From my hands...
Ein Freund hat die Tage dazu gesagt, im Zusammenhang mit dem gesamten Album 'Da sind ein paar ganz gute Popsongs drauf aber dann kommt diese geniale 'The winner takes it all'-Nummer und reißt echt alles raus...'
Das kann man doch so stehen lassen, finde ich... :-)
Da die Lyrics leider nicht enthalten sind (zumindest in meiner Ausgabe nicht) hier mal der Text (Tipp: Taschentücher sollten griffbereit sein...):
From My Hands
So much I thought I'd have to say
Though I try to speak, my meaning strays
We can't avoid the facts that brought us here
I've come to say goodbye
The lies I try to tell with my own eyes
An act of pride, a willful compromise
Please understand how torn I am
When I walk away from here
I'll lament the moments we won't share
If I am far too sentimental, I apologize
Please understand this is who I am
And who I'll still be when I've walked away from here
You know I'm not unkind
When I say in the future, the past is just the past
No going back, no change of heart
But this is now, time will not defer
My thoughts betray, so easily confess
How long I'll wait here after you have gone
Nothing ends, but I don't believe that now
Please don't walk away from here
And when alone, when I remember days
Nothing will change a single fact of
Who you were to me
Oh come what may, forever to the end
I find it so hard to let you go
And hush now, let it go now
There's no need for sad goodbyes
Hush now, let it go now
I know it's time to go
Time to let this fall
From my hands.
Danke an den Dichter, der es schafft mit seinem Wort derart zu berühren und mit seinem Vortrag die Seele in Ordnung zu bringen, und das nicht nur bei runtergekurbeltem Fenster und Ellenbogen raus...