King's X... eine Band, die polarisiert. Für die einen liefert das texanische Trio genialen Funk- und Prog- Metal mit super Grooves sowie brillianten Beatles- lastigen Melodien und Harmonien, für die anderen langweilige Musik ohne Höhepunkte und Eingängigkeit. Unvergessen und unverzeihlich bleibt, wie die Band als AC/DC- Vorgruppe auf der Bühne mit Klobürsten beworfen wurde. Auf jeden Fall ist es unverwechselbar. Leadsänger / Basser Doug Pinnick, Gitarrist Ty Tabor und Drummer Jerry Gaskill haben seit bislang 25 Jahren, 15 Studioalben und etlichen Soloprojekten ein weltweites Gefolge unerschütterlicher Fans, sind aber nach wie vor dem Mainstream weitgehend unbekannt.
"Faith Hope Love" ist das dritte Album und damit der Nachfolger des genialen "Gretchen goes to Nebraska". Musikalisch gehört es zur frühen, progressiveren Phase, während der Sam Taylor als Produzent fungierte - tatsächlich ist es das vielseitigste, komplexeste und verspielteste Album der Bandgeschichte. Die Band verarbeitet Einflüsse von Grand Funk Railroad, Jimi Hendrix und den Beatles... nun, das ist ja bekannt. Der Opener rockt großartig ab, und mit dem gelungenen "Six broken Soldiers" hat auch Jerry mal was eigenes beigetragen. Dennoch gefällt mir "Gretchen" besser, insbesondere wegen dem homogeneren Gesamteindruck und dem durchgängig hochklassigen Songwriting. Meine persönlichen Hauptkritikpunkte an FHL sind das ultrahektische "Moanjam" und der überlange Titelsong, in dem mir einfach zu wenig passiert. Ich persönlich finde an den späteren, simpler gestrickten, groovigeren CDs "Dogman" und "Tape Head" größeren Gefallen. Textlich stammt die CD noch aus der Zeit, in der die Band sich Inspiration bei christlichem Gedankengut holte - dabei ging es aber nie um aggressive Bekehrungsaufrufe, sondern um die Sehnsucht nach mehr Menschlichkeit im Zusammenleben.
Fazit: Fans von "Gretchen" sollten keinen 100% ebenbürtigen Knaller erwarten. Aber mehr als die Hälfte der CD ist schon erstklassig, und die Band ist in ihrem Style sowieso konkurrenzlos... bis auf die "Outlander"- Brüder vielleicht.