4.0 von 5 Sternen
Im Spannungsfeld der Freiheit, 24. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Faith and Freedom: An Interfaith Perspective (Challenges in Contemporary Theology) (Taschenbuch)
Das vorliegende Werk ist eine Auswahl von Aufsätzen, die Verf. - einer der bedeu-tendsten katholischen Philosophen der englischsprachigen Welt (University of Notre Dame) - während der letzten 20 Jahre publiziert hat, die sich in drei Teile gliedert. Dabei steht die Verbindung philosophischer Gedanken aus der Tradition von Juden-tum, Christentum und Islam im Zentrum seines Denkens.
Der erste Teil umfaßt Beiträge zur Relation von Schöpfer und Schöpfung (1-126). Der zweite Teil des Bandes, der Einzelproblemen von göttlicher und menschlicher Freiheit gewidmet ist (127-189) beginnt mit einer Einführung, die mittelalterliche Theorien über die Relation der beiden Freiheitssphären analysiert (129-142). Einen exzellenten Überblick über das Freiheitsproblem in den abrahamitischen Traditionen liefert der nächste Beitrag (143-155), auf den ein Beitrag über Al-Ghazalis Verständnis kreatürlicher Freiheit folgt (156-175). Der wichtige Artikel über Schöpfung, Wille und Wissen bei Thomas und Scotus (177-189) ist eine luzide Zusammenfassung der Hauptpositionen der beiden Denker. Verf.'s Talent, thomanische und skotistische Theorien gegeneinander „duellieren" zu lassen, ist auch hier hervorzuheben.
Der dritte Teil umfaßt Beiträge zum interreligiösen Gespräch (193-257). Besonders hervorzuheben ist dabei die Arbeit zu Inkarnation und Schöpfung als verborgene Schlüsselkategorien thomanischen Denkens. Verf. macht etwa deutlich, daß die chalcedonensische Zweinaturenlehre erst bei Thomas ihre vollendete Darstellung findet, indem „inconfuse" jeden Pantheismus und "indistincte" die Möglichkeit kreatürlich-autonomen Handelns abseits von Gott (238) zurückweist. Die Kritik an Moltmann, Bultmann und Jüngel aufgrund ihrer Schöpfungsvergessenheit macht hellhörig: Ihr Gott sei von der Welt völlig abgeschnitten - außer im Tode Jesu (242). Die kritisiert Verf. heftig, da er damit auch we-sentliche Einsichten der Trinitätslehre in Gefahr sieht. Aufgabe der Theologie sei es vielmehr, Chri-stusdrama und Weltgeschehen miteinander zu verknüpfen (243).
Die vorliegende Sammlung beleuchtet auf unterschiedlichen Ebenen eindrucksvoll die Thematik von Freiheit und Schöpfung, vornehmlich inspiriert durch das Denken des hl. Thomas sowie Bernhard Lonergans. Wer außerdem eine analytisch klare Ge-genüberstellung von Thomas und Scotus - wenn auch nicht ganz frei von Polemik - sucht, ist ebenfalls mit Burrells Buch gut bedient. Nicht verschwiegen werden dürfen aber die ständigen Wiederholungen, die aufgrund der Konzeption als Aufsatzsamm-lung unausweichlich waren, aber das Buch nicht immer zu einer spannenden Lektüre machen.
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