"Kauf mich nicht, ich wurde unter menschenverachtenden und umweltzerstörerischen Bedingungen hergestellt." - So ein "zweites Preisschild" gibt es noch nicht. Doch es gibt jede Menge Siegel, Labels und Gütezeichen, mit denen Anbieter ihre Produkte und Dienstleistungen kennzeichnen. Dieser nützliche Ratgeber der Autoren Martina Hahn und Frank Herrmann zeigt einen Weg auf durch den Produktdschungel, der den Verbraucher zunehmend verunsichert. Er ist sehr klar gegliedert in die Kapitel "Fairer Handel" - eine Art Übersicht, "Fair gehandeltes von A-Z" - Produktinfos von Ball bis Wein, "Fair gehandelte Kleidung - Mode mit Tiefgang" - Berichte u.a. über menschenverachtende Arbeitsbedingungen in der Textilherstellung, "Globaler Tourismus - viel Schatten, wenig Licht" und schließt mit dem Kapitel "Faire Geldanlagen". Auf den letzten 12 Seiten findet man im "Infoteil" eine Liste von Internetseiten, Adressen und weitere Literatur zum Thema.
Mit unserem Konsumverhalten beeinflussen wir die weltweiten Arbeits- und Lebensbedingungen, ob wir es wollen oder nicht. Zunächst bot der freie Welthandel Konsumenten viele Vorteile: billigere Produkte, mehr Auswahl, sinkende Energiepreise. Doch inzwischen hat sich Ernüchterung breit gemacht und es ist abzusehen, dass der geschaffene Wohlstand so ungerecht verteilt ist wie selten zuvor. Wo Bestellungen zurückgehen, werden z.B. in China Fabriken geschlossen. Im Frühsommer 2009 waren dort über 20 Millionen Menschen arbeitslos. Lohndumping und gefährliche Arbeitsbedingungen haben erbarmungslose Konkurrenz unter den Arbeitern zur Folge. Auf der anderen Seite erkennen immer mehr Menschen die Verantwortung, die aus ihrem Konsumverhalten entsteht: der Faire Handel hat in Deutschland im Jahr rund 266 Mio Euro umgesetzt. Das Autorenteam macht zwar klar, dass der Faire Handel kein Allheilmittel für jahrzehntelange, international ungerechte Handelsstrukturen ist, dass er aber als Signal zu verstehen ist für eine andere, gerechtere Form des Warentauschs.
Das Buch veranschaulicht an Hand von etlichen Tabellen und Schaubildern, welche Zusammenhänge zwischen Herstellung und Verkauf im Einzelhandel bestehen, z.B. wer wieviel an einer Rose aus Kenia verdient. Zudem werden die Arbeitsbedingungen und der Löhne dargestellt. Interessant ist dabei, wieviele Produkte inzwischen fair zu erwerben sind: Bananen, Kaffee, Kosmetik, Olivenöl, Orangensaft, Reis, Spielzeug, Süßes, Tee - um nur einige zu nennen. FAIR korrespondiert dabei nicht immer, aber immer öfter mit BIO. Es werden Einzelhändler und weblinks angegeben, wo man bestimmt Produkte beziehen kann und im Falle von Fisch z.B., welchen Fisch man besser nicht kaufen sollte, weil er zu viel "Beifang" enthält, also zu viel andere Meerestiere, die einfach als sterbender Müll zurück ins Meer geschmissen werden.
Es ist ein weites Feld. Der Tod einer Näherin aus Bangladesch am 13. Mai 2009 sorgte weltweit für Schlagzeilen: trotz Krankheit wurde sie gezwungen weiterzuarbeiten. Aus Kostengründen lässt der Handel Masse im Ausland produzieren: doch obwohl in Fernost oder Zentralamerika produziert wird, fließt der Großteil der Erlöse an die Auftraggeber mit Sitz in Europa oder den USA.
Wer sich für das Thema interessiert, erhält in "Fair einkaufen" viele Tipps und Hinweise, mit seinem Konsum- und Reiseverhalten bewusster umzugehen. Es ist nur ein kleiner, aber wichtiger Beitrag, den man leisten kann.