Eigentlich könnte es zwischen Anna und Charles gut laufen - tut es aber nicht. Charles quält sich mit Schuldgefühlen herum, nachdem das Coming-Out der Wölfe eine strengere Politik des Marrok und mehr Vollstreckungen mit sich gebracht haben, die Charles' Gewissen belasten. Er wird von Geistern heimgesucht, die sich von seinen Schuldgefühlen nähren. Um Anna zu schützen, blockiert er ihre gemeinsame Verbindung, was Anna nicht nur als Omega mit tiefer Sorge betrachtet. Der Marrok will Annas Bedenken zunächst nicht ernst nehmen, willigt aber schließlich ein, die beiden nach Boston zu schicken, wo sie das FBI auf der Jagd nach einem Serienmörder unterstützen sollen, der es auch auf die Übernatürlichen abgesehen hat...
Nach einer Auftaktszene, in der eine wesentliche Episode in der Vergangenheit einer neuen Hauptfigur vorgestellt wird (und der Leser darauf vorbereitet wird, daß offensichtlich bei der Handlung die Fae eine wichtige Rolle spielen werden), knüpft der Plot direkt an die Handlung der vorausgehenden Folge an und zeigt Anna und Charles in Aspen Creek, Montana. Die Story nimmt den Leser ab der ersten Seite gefangen und läßt einen nicht mehr los. Anna glänzt darin, sich nicht einmal vom Marrok höchstpersönlich einschüchtern zu lassen; und wenn es auf direktem Weg nicht geht, weiß sie andere Mittel und Wege, sich Gehör zu verschaffen, wenn sie sich ihrer Sache sicher ist und es um ihren Gefährten geht. Dies schafft sie nicht nur als Omega bei ihrem eigenen neuen Rudel, sondern auch auf unvertrautem Terrain in Boston inmitten von lauter hartgesottenen Agenten von FBI, Homeland Security und Cantrip, einer neuen Organisation, die alle so sehr mit ihren Macht- und Ränkespielchen beschäftigt sind, daß sie gar nicht mitbekommen, wie Anna sie auf ihre ganz eigene Art um den Finger wickelt.
Die Story glänzt nicht nur mit Annas Entwicklung zu einer eigenbestimmten Persönlichkeit, sondern zeigt auch bewegende, liebenswert-humorvolle (und heiße) Szenen zwischen Charles und Anna, wobei Anna immer mehr aus der Opferrolle heraustritt und auch in gefährlichen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt. Der spannende Plot, in dem ein paranormaler Kriminalfall um eine mysteriöse Mordserie zu lösen ist, ist überragend erzählt. Eine Vielzahl unterschiedlicher Wesen - Fae, Mischlinge, Werwölfe, Hexen - trifft bei den Ermittlungen in realistischer Weise mit unterschiedlichen Fraktionen von menschlichen Ermittlern zusammen, wobei Unterströmungen von Fanatismus, Betriebsblindheit und Vorurteilen aufeinanderprallen und die Ermittlungen erschweren. Dies ist so glaubhaft in Szene gesetzt, daß man sich geradezu vorstellen kann, wie so etwas wirklich passieren könnte, und zeigt Urban Fantasy von ihrer besten Seite. Die verschiedenen Unterströmungen an politischen Differenzen der einzelnen Alphas verschiedener Rudel sowie ein kurzer Auftritt von Adam Hauptmann und eine Anspielung an die Ereignisse in RIVER MARKED runden die rundum empfehlenswerte Geschichte ab.