Ein spießiges kleines Nest an der mexikanischen Grenze wird vom "Spezialisten" (Originaltitel) heimgesucht, der, wie man vermutet, seinen gelynchten Bruder rächen will. Es geht um das Geld der ehrbaren Bürger, dessen Verbleib und auch um eine mexikanische Bande, deren einarmiger Chef verbittert ist von den Folgen der amerikanischen Annexion. Einst lud Mexiko Amerikaner ein, in ihrem Grenzgebieten zu siedeln, und die Folge war ein Landverlust von 1,36 Millionen Quadratkilometern. Nachdem die Amerikaner Kalifornien nicht käuflich erwerben konnten und sich Texas als unabhängig erklärte, was die mexikanische Regierung nicht hinnehmen wollte, überzogen amerikanische Truppen Mexiko 1846 bis 1848 mit einem verheerenden Krieg. Dies ist der Hintergrund für die Geschichte des mexikanischen Banditengenerals, der einst als Kind mit dem Spezialisten in Blackstone spielte, als die Stadt noch einen anderen Namen trug.
In diesen korrekten Kontext versetzt Corbucci seine Figuren, um ein Drama aus Habsucht, Gier und Mißgunst zu entfesseln, das sich nach und nach enthüllt. Zu dem Ensemble zählen auch vier entwurzelte Jugendliche, Verlierer des amerikanischen Traums, Ausgestoßene der harten Realitäten. (In amerikanischen Großstädten gab es unglaubliche Elendsviertel, nachzulesen etwa in dem Buch "Die Gangs von New York", das weit komplexer als der gleichnamige Film ist), und die Vier wurden von ebenda angezogen vom Lockruf des Goldes.
All dies hat natürlich bei Corbucci nicht nur einen korrekt historischen, sondern auch zeitaktuellen Hintergrund. Terrorismus, politischer Radikalismus und das Ender der Peace and Love-Ära - in Haight-Ashbury war der letzte Hippie bereits vor einiger Zeit symbolisch zu Grabe getragen worden - prägten das Jahr 1969 ebenso wie die Manson-Morde. Neben der Parallelwelt des kommerzialisierten Pop und der noch nicht ganz domestizierten Underground-Rock-Szene gab es die Parallelwelt eskalierender Gewalt ebenso wie die Welt des althergebrachten. Jedes Zeitalter hat seine eigene Schizophrenie, und genau das hat Corbucci unterschwellig eingefangen. Dixon, der Spezialist im Töten ist letztendlich eine offenbar zum Aussterben verurteilte Persönlichkeit: Vermutet man erst neben dem Rachemotiv die eigene Gier, verbrennt er doch am Ende das wieder aufgefundene Geld vor den Augen der Bürger. Die Mexikaner haben der entscheidenden Person in diesem Rätsel vorher Gewalt angetan, was die Bürger hinter verschlossenen Türen beobachteten; nachdem Dixon die Bande erledigt hat werden sie selbst Opfer der vier Jugendlichen, die ihren ganzen Frust und Haß auf das Establishment in einer beinah apokalyptischen Aktion herauslassen, bei der die braven Bürger von Blackstone die Hauptrolle spielen.
Dieser interessante Film ähnelt im manchem dem zu Unrecht berüchtigten "Töte, Django" (restauriert als "Django, leck Staub von meinem Colt" zu haben), ist aber - abgesehen von der Endsequenz, weniger radikal umgesetzt. Der Sheriff im Film ist ein leider nicht ganz gelungenes Eigenzitat Corbuccis (siehe "Leichen pflastern seinen Weg"), bleibt aber die einzige wirkliche Schwachstelle. Johnny Hallyday schlägt sich erstaunlich gut, und es ist ein Glück, daß Kinowelt diesen Western endlich ungekürzt herausgab.