...zitiert hier den Musikkritiker einer HIFI-Zeitschrift, der bereits im Jahr 1989 das Album "Modern Times" der Band "Latin Quater" mit diesen Worten beschrieb. Doch dazu später mehr...
Zunächst! Man muss schon ziemlich mutig sein um ein Album von Toto zu bewerten. Selten gehen die Meinungen und Empfindungen der Art heftig auseinander. Und bei den Kommentaren zu den Rezensionen geht es dann richtig zur Sache. Dort wird "endlich klargestellt", was der oder die Andere scheinbar nicht versteht. Mal schauen was hier so kommt...
Um möglichst vergleichbare und neutrale Bewertung verfassen zu können, habe ich für mich zu Musik und Filmen das nachstehende "subjektive" Bewertungssystem festgelegt:
5 Sterne = genial; fesselnd; als Zugabe für die "einsame Insel" oder schlicht "fürs Himmelreich"
4 Sterne = sehr gut; höre bzw. schaue ich mir immer wieder gerne an
3 Sterne = ordentliche Unterhaltung mit tolerierbaren Schwächen
2 Sterne = nice to have; ein- bis zweimal hören bzw. sehen und dann (besser) vergessen
1 Stern = Totalausfall; Zeitverschwendung
"Sachliche Betrachtung"
Man merkt diesem Album die Zeit seiner Entstehung überdeutlich an. Die 80er Jahre brüllen hier aus jeder einzelnen Note förmlich heraus. Dabei ist "Fahrenheit" nicht so tiefgründig wie das eingangs beschriebene Album von "Latin Quater", dafür aber sehr angenehm und eingängig ohne billig zu wirken.
Über all dem schwebt, diesmal äußerst dezent, die Rockattitüde von Toto; im Wesentlichen begründet durch die gelegentlichen und recht zurückhaltend gebotenen Solis vom Meister Steve Lukather. Wer genau diese Gitarrenarbeit und insgesamt deftigere Töne bevorzugt, kann mit diesem Album schnell enttäuscht werden und ist sicherlich mit den Aufnahmen zu "Kingdom of Desire" wesentlich besser beraten.
Getragen werden alle Aufnahmen wieder von der handwerklichen Perfektion der Musiker und wieder Joseph Williams als nunmehr dritter Sänger (von den Einlagen der anderen Musiker abgesehen). Bei seinem nunmehr zweiten Album mit Toto stellt sich Joseph Williams als einen mehr als würdigen Ersatz für Bobby Kimball dar. Inzwischen wird dieser Ersatz wiederholt bei den aktuellen Liveauftritten von Toto vollzogen.
Progressive Einflüsse lassen sich durch mich nur im Ansatz erkennen bzw. lassen sich im Wissen darum, dass die Musiker dies können und anderen Orts bieten, nur erahnen. Doch will dieses Album all dies gar nicht. Hier werden in der Tat die oft kritisierten massentauglichen schnellverständlichen Melodien regelrecht zelebriert. Lediglich mit dem letzten instrumentalen Stück "Don't Stop Me Now" wird eine andere, zum restlichen Album mitunter unpassende Stilrichtung und damit ein anderes anspruchsvolleres musikalisches Niveau beschrieben.
"Emotionale Betrachtung"
Bei diesem Album kann man die Gliedmaßen kaum still halten. Und dies schreibt ein Antitänzer :-) Schon der Opener "Till the end" baut eine positive Anspannung auf und veranlasst zum grooven um zum Ende schließlich stressfrei auszulaufen.
Im Kontrast hierzu gibt es die verzaubernden Songs, zum Beispiel "I'll be over you". Im Idealfall kann man bei diesen Songs einen Schwebezustand erfahren. Bei "I'll be over you" wird sogar eine ausgeprägte Romantik geboten, bei der sich der Schleim gerade noch in Grenzen hält jedoch auch mich als Kerl anspricht.
Darüber hinaus gibt es Funk und Dancefloor Momente. Dies ist bei dem Titelsong "Fahrenheit" am stärksten ausgeprägt. Mit dem abschließenden Instrumentalstück "Don't Stop Me Now" wird mit dem Jazzeinfluss eine ganz besondere und für dieses Album ungewöhnliche bis befremdliche Atmosphäre geboten. Man sieht sich in der Ecke einer dunklen aber niveauvollen Bar sitzend, einen alten Whisky trinkend, eine Zigarre rauchend und dabei die elegante Dame am Tresen beobachtend...
"Schlussbetrachtung"
Dieses Album erhält von mir vier Sterne. Es handelt sich hier zwar NUR um ein Pop-Rock-Album, bei dem so mancher (pseudo)intellektuelle Gourmet die Nase rümpfen wird, doch ist es dies in Perfektion; handwerklich und emotional auf sehr hohem Niveau. Hier wird Musik geboten, die diesmal nicht Kopf, Herz und Seele malträtiert, sondern einfach nur unterhält ohne in Oberflächlichkeit zu verfallen. Dies bestätigt sich zumindest für mich in der Tatsache, dass ich dieses Album immer wieder gerne höre ohne das es mir lästig wird, mich langweilt oder gar negativ stresst. Es macht einfach Spaß und hinterlässt gute Gefühle. Ich möchte "Fahrenheit" jedem ans Herz legen, der einfach mal den Kopf bzw. dessen Inhalt ruhen und sich von Musik positiv tragen lassen möchte.
Toto sind mit ihren Alben recht wandelbar. Sie verharren nicht in dem ewig Gleichen. Bei diesem Album werden sanfte und, JA, die vermutlich kommerzionellsten Töne aller Toto Alben geboten. Dennoch sollte man auch als Nicht-Toto-Insider und / oder Musik Fanantiker die Klasse des Gebotenen spüren oder besser feststellen. Für mich persönlich hat sich "Fahrenheit" als eines ihrer eindringlichsten Alben entwickelt.
Wer es mal leicht aber nicht seicht mag, kann sich hier auf hohen Niveau verwöhnen lassen. Wer Toto gerne Deftiges abverlangt, kann hier sein Geld sparen. Wer Toto auf Grund der unterstellten bzw. empfundenen Massenkompatibilität eh nicht traut, wird in diesem Album den Tiefpunkt deren Schaffens und die Begründung all seiner Bedenken finden.