Wenn die schwarz uniformierte Feuerwehr an die Tür klopft, um sämtliche Bücher aufzustöbern und zu verbrennen, dann kommen in einigen von uns wohl Bilder von braununiformierten Schlägertrupps und schwarzgekleideten Gestapo- und SS-Leuten hoch!
Tatsächlich ist es wohl das, woran uns dieser Film erinnern möchte. Aber erinnern allein genügt nicht. Auch Vorbeugen will Truffaut mit "Fahrenheit 451" (451 F. ist jene Temperatur, bei der Papier zu brennen beginnt - zumindest laut Film (und Buch, das ich übrigens nicht gelesen habe!))
Er möchte uns zeigen, dass die Menschheit nicht gefeit davor ist, wieder in eine Diktatur zu schlittern, besonders dann, wenn wir uns dazu verleiten lassen, geistige Größen wie Sokrates, Wittgenstein etc. aus unserer Gesellschaft zu verbannen, indem wir das, was sie versucht haben uns in Papierform näher zu bringen, rückstichtslos vernichten oder vergessen machen wollen.
"Fahrenheit 451" zeigt eine beunruhigende, schauerliche Zukunftsvision einer Welt aus Symbolen und Zahlen. Alles "tiefergehende" Denken scheint von der Erdoberfläche verbannt zu sein.
Truffaut nennt keinen bestimmten Ort (abgesehen von unserer Erde), keine bestimmte Jahreszahl - vielleicht stimmt dieser Film gerade deshalb so nachdenklich.
Oskar Werner, der auf die für ihn typische und unnachahmliche Art (er hat seine deutsche Stimme mit Sicherheit selbst synchronisiert - ein Genuss!), den Feuerwehrmann Montag spielt, macht im Laufe des Streifens Bekanntschaft mit einer revolutionären Lehrerin, die sich das Lesen nicht verbieten lässt. So nimmt Montag ein hohes Risoko auf sich, als er sich hier und da - im Rahmen einiger Einsätze - Bücher unter den Nagel reißt, um sie abends zu Hause zu studieren.
Schließlich wird er von seiner Frau, die das Ganze schon längere Zeit missbilligend beobachtet, verraten und er muss vor der Staatsgewalt (also der Feuerwehr) flüchten.
Am Ende befindet er sich in einer sonderbaren Waldprovinz, wo zu Büchern gewordene Menschen auswendig ihre Lieblingsschmöker rezitieren.
Es ist schon ein beklemmendes aber gleichermaßen hoffnungsvoll stimmendes Stück Filmgeschichte, das sich da seinen Zusehern präsentiert, aber es IST FILMGESCHICHTE und hat sich seinen Platz unter den "100 besten Filmen aller Zeiten" auch wirklich verdient! (Was aber keineswegs auf alle cinematek-Streifen zutrifft!)
Ein guter, gelungener Versuch mit Nachhaltigkeitsgarantie - 5 Sterne!!