Das Buch liest sich sehr schnell. Bradbury fesselt den Leser vom ersten Wort an. In der ersten Überschrift erklärt er die Bedeutung von Fahrenheit 451, und damit entfacht er ein Feuer in der Fantasie des Lesers, der sich naturgegeben sehr für Bücher interessiert. Man malt sich aus, wohin ein Roman über die Brandtemperatur von Bücherpapier führen kann - und ist gefangen in Bradbury's Erzählung.
Bradbury entwirft eine merkwürdige Zukunft, die einem Leser höllisch vorkommen muss: Bücher sind verpönt, sogar verboten! Es gibt sie fast nicht mehr! Und um dieses Thema herum entwickelt er eine Gesellschaftsvision, die sich leicht aus unserer heutigen Gesellschaft extrapolieren lässt. Selbst heute, über fünfzig Jahre nach dem ersten Erscheinen des Buches, hat es nicht an Aktualität verloren, eher das Gegenteil. Unsere Gesellschaft wird immer schneller, abgehetzter, unruhiger. Wann findet man noch die Zeit für einige Gedanken in Muße (dieses Wort ist verstaubt und fast vergessen), eine Unterhaltung über wichtige Themen?
Wann findet man noch die Zeit zu lesen? Müsste man nicht eigentlich arbeiten, vorankommen, sich auf den nächsten Tag vorbereiten, Hausarbeit erledigen, zu einem Termin fahren oder Hausaufgaben für die Schule machen?
Unsere Gesellschaft findet sich schnell in Bradbury's Roman wieder. Die Verdummung durch Casting-Shows, Talkshows und dünnen Filmen, sinnlos, Hauptsache laut, ist bei uns ein ständig schneller werdender Zustand, rasend wachsend.
Welches Kind heutzutage setzt sich hin und liest ein Buch, wenn doch im Fernsehen Arabella oder Oliver Geissen läuft? Was ist mit GZSZ und DSDS? Würde man für ein Buch den Fernseher ausmachen? Wenige können das heute noch. Und das hat Bradbury weiter getrieben, in seiner Zeit, als der Fernseher auf den Markt kam. Nur mit kurzen Schlaglichtern aus der Sicht Guy Montags, nicht ausführlich, aber schnell und eindringlich, wie das ganze Buch ist. Tatsächlich läuft einem ein Schauder den Rücken hinab, wenn man feststellt, wie NAH unsere Gesellschaft seiner Horrorvision ist.