Tempes 14. Fall fängt wirklich vielversprechend an. Gespannt verfolgte ich das Auffinden des Fasses samt Leiche und die Atmosphäre am Motor Speedway sorgte für eine ganz besondere Stimmung, der ich mich auch als Laie nicht entziehen konnte. Zudem ist die forensische Untersuchung des Toten sehr interessant und gewährt wieder einmal einen informativen Einblick in die Arbeit der Anthropologin.
Mit der Zeit verliert sich Kathy Reichs aber im Gewirr ihrer eigenen Story. Zu viele Personen, zu viele Möglichkeiten und zu wenig Markantes in der Handlung sowie die Charaktere betreffend verhindern eine gute Übersicht und einen angenehmen Lesefluss. Alltägliches wird zu oft in Worte gefasst, unwichtige Dinge hervor gehoben. Das animierte mich dazu, immer wieder einige Seiten nur zu überfliegen, anstatt wirklich gefesselt zu sein, wie ich es eigentlich erwartet hätte. Auch die Einbindung des Rennsports wird sicher nicht jeden Leser interessieren, zumal manche Fakten einfach relativ uninteressant für den vorliegenden Fall sind. Die Auflösung des Ganzen schließlich wirkt recht kontruiert, die Beweggründe des Täters sind zwar anhand der Erklärungen nachvollziehbar, wirken aber eher unrealistisch.
Eine Entwicklung der Charaktere scheint es mittlerweile auch nicht mehr zu geben. Tempe weiß noch immer nicht so recht, wie es für sie privat weitergehen soll. Andrew Ryan ist anscheinend wirklich kein Thema mehr. Einerseits schade, da das Geplänkel zwischen ihm und Temperance lange für unterhaltsame Dialoge sorgte, andererseits soll es vielleicht einfach nicht sein, dass die beiden glücklich miteinander werden. Leider gibt es niemanden, der die Lücke füllen kann, wobei das nicht unbedingt auf persönlicher Ebene sein müsste. Erskine "Skinny" Slidell ist zwar ein durchaus amüsanter Part an Tempes Seite, kann sich aber nicht wirklich entfalten, bekommt zu wenig Raum. Und auch Cotton Galimore bleibt zu blass, um wirklich zu begeistern. Die Einbindung Petes und seiner Verlobten Summer wirkt unnötig, einzig am Ende des Buches macht es aufgrund einer Kleinigkeit Sinn, die aber auch anders gelöst hätte werden können.
Insgesamt haut einen dieses Buch nicht vom Hocker, die Hoffnungen, dass Kathy Reichs wieder zu alter Stärke zurück findet, werden ein weiteres Mal enttäuscht. Vielleicht ist die Geschichte von Temperance Brennan nun auch einfach erzählt. Mit einem finalen 15. Band könnte Reichs die Reihe abschließen, ihre liebgewonnene Hauptfigur ein letztes Mal ermitteln lassen, offene Fragen beantworten, verworrene Beziehungsgeflechte entwirren und sich dann neuen Projekten zuwenden, wie sie es mit der Jugendbuchreihe "VIRALS", die durch die temperamentvolle Hauptfigur Tory Brennan ja immerhin eine Verbindung zu Tempe bewahrt, bereits getan hat. Dort wirkt ihr Schreibstil deutlich frischer und man merkt ihr den Spaß beim Schreiben an, was in "Fahr zur Hölle" und in den letzten Vorgängern leider nicht der Fall ist. Manchmal muss man einfach Abschied nehmen. Möglicherweise ist es nun langsam an der Zeit, Dr. Temperance Brennan Lebewohl zu sagen...