Pressestimmen
'Die Motive sind vertraut: Sex, Gier, Hunger, Karriere oder auch nur schiere Mordlust - die oftmals bizarren Methoden weniger. Das macht das Buch zu einem spannenden Krimi der besonderen Art, zumal der Verfasser - ein Journalist - sich Tätern und Opfer
Kurzbeschreibung
Wenn der Buntbarsch zweimal klingelt Tiere töten auf so faszinierende, intelligente und raffinierte Weise, dass man nur staunen kann. Kenntnisreich und spannend erzählt Markus Bennemann, wie Eisbär, Fingertier, Buckelwal, Schimpanse, Buntbarsch oder Chamäleon ihrem Opfer den Garaus machen. Die Natur ist nicht nur einfallsreich, wenn es um schöne Dinge wie Pfauenkleider oder Vogelgesänge geht. Auch beim Töten hat sie im Laufe der Evolution eine erstaunliche Fantasie entwickelt. Etwa beim Schützenfisch, der die Mangrovengrille auf seinem Speiseteller liebt, sie aber mit einem gezielten Wasserstrahl erst von den Bäumen holen muss. Oder bei der Bolaspinne, die nicht nur den Geruch weiblicher Nachtfalter exakt nachbildet, um Nachtfaltermännchen in ihre Nähe zu locken, sondern diese auch noch mit einem selbst gewebten Lasso einfängt wie Cowboys ihre Kühe. Ob Tarantelwespe und Vogelspinne, Hammerhai und Stachelrochen, Tigernatter und Erdkröte oder Eisbär und Ringelrobbe: Anhand von zahlreichen Morden erfahren wir nicht nur alles über die bizarrsten Täter-Opfer-Konstellationen der Evolution, sondern auch alles Wissenswerte über Ernährung, Fortpflanzung, Paarung und Lebensraum der Protagonisten. Und warum das Opfer keine Chance hat - egal, ob das Verbrechen am Nordpol, in Südostasien, Afrika oder Europa geschieht.
Über den Autor
Markus Bennemann, geboren 1971, hat Anglistik, Geschichte und Biologie studiert und arbeitet als freier Autor und Übersetzer in Wiesbaden. Er hat mehrere Drehbücher fürs Fernsehen geschrieben. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Taucher und Naturfotograf. Im Eichborn Verlag bereits erschienen: "Im Fadenkreuz des Schützenfischs. Die raffiniertesten Morde im Tierreich" (2008) und "Die Evolution im Liebesrausch. Das bizarre Paarungsverhalten der Tiere" (2010)
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
VorwortDie Natur bringt die erstaunlichsten Dinge hervor. Allein dasmenschliche Auge oder das menschliche Ohr, deren Aufbau wir allein der Schule gelernt haben, sind solche Meisterwerke natürlicherErfindungskunst, dass man kaum aus dem ehrfürchtigen Grübelnherauskommt, wenn man etwas länger darüber nachdenkt. Und wieviele andere wunderbare Werke der Natur wir mit diesen nützlichenOrganen wahrnehmen können, besonders in der Tierwelt: die buntenFarben eines Korallenfischs oder das prächtige Kleid eines Pfaus, denschönen Gesang einer Nachtigall oder die auf seltsame Weise berückenden,sphärischen Laute, die bestimmte Wale von sich geben.Ganz verständlich eigentlich, dass manche Menschen da an demGlauben festhalten, es könne nicht die Evolution gewesen sein mitihrer einzigen strengen, kalten Regel "Überlebe!", die so viel Wunderbareszustande gebracht hat. Sondern dass es einen göttlichen Schöpfergeben muss, der sich all diese erstaunlichen und wunderbarenDinge ausgedacht hat.Doch wenn es diesen Schöpfer tatsächlich gäbe, wäre er auchmit einer gehörigen Portion krimineller Energie ausgestattet. Undhätte seine schöpferische Fantasie nicht nur spielen lassen, wenn esum Nützliches und Schönes geht, sondern auch in Sachen Mord.Selbst ein schlichtes Spinnennetz, das jeder von uns schon einmalachtlos aus einer verstaubten Zimmerecke gewischt hat, ist im Grundeein so clever ausgetüfteltes Mordwerkzeug, eine so hinterlistige tödlicheFalle, dass einem ganz mulmig werden kann, wenn man sich zulange damit beschäftigt. Gegen diejenigen Mordmethoden allerdings,mit denen Mutter Natur einige exotische Verwandte unserer heimischenHausspinne auf die Jagd schickt, ist dieses Netz kaum mehr alsein plumper Trick - ein fast schon lächerlich einfacher Mordplan.Um solche ungewöhnlichen tierischen Mordmethoden - und diesie ausführenden Mörder - geht es in diesem Buch. Um die südamerikanische Bolaspinne, die ihre Opfer mit dem Parfum fremder Frauenanlockt und sie dann mit einem Lasso fängt. Um den südostasiatischenSchützenfisch, der seine Beute mit seiner eigenen Spritzpistolevon Uferpflanzen schießt. Um den griechischen Steinadler, der sichseine ganz eigene Strategie ausgedacht hat, um der unbezwingbarengriechischen Landschildkröte den Garaus zu machen. Um den Todesstichder Tarantelwespe, den Killerknall des Pistolenkrebses, den tödlichenStromstoß des Zitteraals. Um tierische Mörderbanden, Serienmörderund Psychokiller, um heimliche und sogar um missverstandeneMörder.Dabei ist "Mord" natürlich streng genommen das falsche Wort.Zum echten Mord sind nur wir Menschen fähig, denn nur wir habendie Wahl zwischen Gut und Böse. Zwar stellen neueste Untersuchungender Hirnforschung infrage, ob wir wirklich einen freien Willen besitzen.Aber bei den Tieren zumindest ist die Fachwelt sich noch einigermaßeneinig, dass sie rein instinktgeleitet handeln und deshalb fürihre eigenen Taten nicht verantwortlich sind. Auch geht es bei ihnen,anders als bei uns Menschen, immer ums Ganze, wenn sie töten. Vonwenigen Ausnahmen abgesehen tun sie das nur, um Beute zu machenund so zu verhindern, dass sie selbst sterben, oder um sich im Kampfum Paarungspartner gegen ihre Rivalen durchzusetzen. Sie töten ausHunger oder aus Leidenschaft. Und kein Richter der Welt würde siedes kaltblütigen, vorsätzlichen Akts bezichtigen, der im Gerichtssaalunter dem Wort "Mord" verstanden wird.Trotzdem: Die in diesem Buch geschilderten "Tötungen" geschehenso planvoll und mit Bedacht, mit solch offenkundigem, kühlkalkulierendem Vorsatz, dass sich das Wort "Mord" geradezu aufdrängt.Und wenn man - wie ich es hier tue - etwas fahrlässig damitumgeht, ergeben sich die erstaunlichsten Parallelen zur Welt der Kriminalverbrechen.