Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungene Bukowski-Umsetzung, 4. Oktober 2006
Charles Bukowski ist bekannt als Untergrundautor vieler Kurzgeschichten, deren Protagonisten ausnahmslos Loser, Großmäuler und Alkoholiker sind. Alle spielen im Milieu der US-amerikanischen weißen Unterschicht, des "white trash". Vieles ist als autobiografisch zu werten, die Menschen sind meist als haltlos und ohne Zukunftsperspektiven dargestellt. Die Texte sind durchweg unprätentiös gehalten, schlichte unverschachtelte Sätze und Dialoge intensivieren die angestrebte Darstellung der sozialen Realität dieser Gesellschaftsschicht.
"factotum" ist eine kongeniale Umsetzung dieses Schreibstiles: Im ganzen Film gibt es keine einzige Kamerafahrt, der Film ist nicht hektischen Schnitten unterworfen, die Dialoge sind lakonisch und doch völlig ausreichend, um die Bukowski-typische Loserstimmung aufkommen zu lassen.
Matt Dillon spielt hervorragend den kaputten Alki, der kaum einen Job mehr als einen Tag lang durchhält und sich abends entweder an seinen ohne größere Ambitionen entworfenen Kurzgesichten abarbeitet oder aber mit seiner Freundin in miesen Motelapartments herumvögelt, -säuft bzw. sich mit ihr überwirft. Die Freundin ist ebenso kaputt und doch auch mit einer Rest-Würde ausgestattet und wunderbar dargestellt von Lily Taylor.
Der Film ist häufig in grünlichen (=Barlicht) bzw. in pastellnen (=Neonreklame der Offlicenceshops) Tönen gehalten; spielt eine Szene im klaren Tageslicht (=Mittelklasse-Vorortsiedlung), so geht es meist nicht gut für den 'Helden' aus, wohl fühlt er sich nur im Schummerlicht.
Fazit: für jeden Bukowski-Fan ein sehr zu empfehlender Streifen, für Liebhaber von Heile-Welt-Hollywood sicherlich nichts.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wirklich ein Film mit Atmosphäre ..., 23. Januar 2007
... den Bent Hamer aus diesem Stoff gezaubert hat. Um die positiven Stimmen vor mir zu ergänzen, sei nur angemerkt, dass die Atmosphäre dieses Films erheblich von der wunderbaren Musik der in Deutschland leider unbekannten norwegischen Jazzband DADAFON mitgetragen wird. Für mich übertrifft "Factotum" als Umsetzung eines Bukowski-Stoffs "Barfly" bei weitem, da Bent Hamer/Matt Dillon sich nicht an einem für die breitere Öffentlichkeit wohl interessanteren Rülps-Sauf-Dreck-Image Bukowskis orientieren, sondern in als Mensch und Schriftsteller ernst nehmen. Meines Wissens hat Matt Dillon zur Vorbereitung des Films lange Gespräche mit Bukowskis Witwe geführt. In "Schreie vom Balkon" (Briefe von Charles Bukowski - Gingko Press) beschwert sich Bukowski in einem Brief an seinen deutschen Übersetzer Carl Weissner darüber, wie dreckig er von Mickey Rourke in "Barfly" dargestellt wurde. Es muss also nicht "von der Leinwand stinken", wenn man einen authentischen Bukowski-Film sehen will.
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27 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Bukowski- nach kosmetischer Bearbeitung durch Hollywood, 13. September 2006
Bukowskis Bücher sind wahrscheinlich die am einfachsten zu verfilmenden überhaupt. Seine ständig wiederkehrenden Themen Alkohol, Frauen, Jobs und Frauen, Schreiben und Frauen bieten sich in loser Mischung für das Kino geradezu an. Genau das hat diese Verfilmung auch gemacht. Aber Bukowski hat eben doch über mehr geschrieben, und das macht eine originalgetreue Umsetzung doch schwieriger, als mancher Regisseur meint. Denn auch Faktotum wirkt auf eigenartige Weise steif und farblos.
Das beginnt schon beim Hauptdarsteller: Matt Dillon als Henry Chinaski ist eine glatte Fehlbesetzung. Wer einen Film über Bukowski machen will, muss sich zuerst klar werden, wer Bukowski war: Nämlich ein heruntergekommener, kettenrauchender und (meistens- vermute ich) ungewaschener Alkoholiker. Matt Dillon wirkt den ganzen Film hindurch, wie frisch gebadet und seine bemüht verrauchte Stimme, mit der er männliche und doch grüblerische One-liner von sich gibt, machen alles nur noch schlimmer.
Dazu kommt eine zusammenhanglose, episodenhafte Erzählweise. Das Drehbuch präsentiert einfach eine 90-minütige Aneinanderreihung von Szenen, in denen es entweder um Alkohol, Jobs oder (Überraschung) Frauen geht, und die jeweils von Auszügen aus dem Roman eingeleitet werden. Von einer tatsächlichen Charakterstudie über Bukowski ist der Film weit entfernt.
Ein paar interessante Kamerabilder und sehr schöne Musik retten den Film vor der schlechtesten Bewertung. Der Film schafft es einfach nicht Bukowskis Art und vor allem seinen schwarzen Humor wiedergeben. Faktotum ist ein Film über einen Mann, der Schriftsteller werden will, viel trinkt, Ärger mit Frauen hat und ständig gefeuert wird- nur ist dieser Mann eben zufällig Charles Bukowski.
Für eine bessere Darstellung von Bukowski empfehle ich weiterhin Barfly, der zwar auch nicht perfekt ist, aber mit Sicherheit tiefer im Dreck gewühlt hat, als Faktotum.
Oder man greift am besten gleich zu einer der Dokumentationen, die über Bukowski gedreht wurden. Dort kann man ihn in Natura sehen: Versoffen, kettenrauchend, abgerissen und in den miesesten Vierteln von Los Angeles. Bukowski wie er war- ohne Hollywood-Lackierung.
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