Charles Bukowski ist bekannt als Untergrundautor vieler Kurzgeschichten, deren Protagonisten ausnahmslos Loser, Großmäuler und Alkoholiker sind. Alle spielen im Milieu der US-amerikanischen weißen Unterschicht, des "white trash". Vieles ist als autobiografisch zu werten, die Menschen sind meist als haltlos und ohne Zukunftsperspektiven dargestellt. Die Texte sind durchweg unprätentiös gehalten, schlichte unverschachtelte Sätze und Dialoge intensivieren die angestrebte Darstellung der sozialen Realität dieser Gesellschaftsschicht.
"factotum" ist eine kongeniale Umsetzung dieses Schreibstiles: Im ganzen Film gibt es keine einzige Kamerafahrt, der Film ist nicht hektischen Schnitten unterworfen, die Dialoge sind lakonisch und doch völlig ausreichend, um die Bukowski-typische Loserstimmung aufkommen zu lassen.
Matt Dillon spielt hervorragend den kaputten Alki, der kaum einen Job mehr als einen Tag lang durchhält und sich abends entweder an seinen ohne größere Ambitionen entworfenen Kurzgesichten abarbeitet oder aber mit seiner Freundin in miesen Motelapartments herumvögelt, -säuft bzw. sich mit ihr überwirft. Die Freundin ist ebenso kaputt und doch auch mit einer Rest-Würde ausgestattet und wunderbar dargestellt von Lily Taylor.
Der Film ist häufig in grünlichen (=Barlicht) bzw. in pastellnen (=Neonreklame der Offlicenceshops) Tönen gehalten; spielt eine Szene im klaren Tageslicht (=Mittelklasse-Vorortsiedlung), so geht es meist nicht gut für den 'Helden' aus, wohl fühlt er sich nur im Schummerlicht.
Fazit: für jeden Bukowski-Fan ein sehr zu empfehlender Streifen, für Liebhaber von Heile-Welt-Hollywood sicherlich nichts.