"Facing Mount Kenya" ist eine ethnologische Arbeit über das Volk der Kikuyu, der größten Bevölkerungsgruppe Kenias. Was dieses Buch so ungewöhnlich macht, ist sein Autor: Jomo Kenyatta. Als das Buch 1938 erschien, war Kenyatta noch relativ unbekannt, was sich in der Folgezeit rapide änderte. Er wurde zum Vorkämpfer der Unabhängigkeit, saß wegen unbewiesener Kontakte zum Mau-Mau-Aufstand in Haft, wurde 1963 Premierminister und 1964 schließlich erster Präsident des unabhängigen Kenia.
In "Facing Mount Kenya" erzählt Kenyatta, selbst Kikuyu und Enkel eines Medizinmannes, die Geschichte und Ursprungslegende seines Volkes. Dabei unterlaufen ihm einige beschönigende Fehler: Er beschreibt seinen Stamm als harmonische Einheit, mit nur einer Sprache, einer Religion, einer Ursprungslegende und denselben Bräuchen. Dass solche Dinge ständiger Veränderung unterworfen sind und die Kikuyu keineswegs so homogen sind und waren, wie Kenyatta schreibt, muss dem modernen Leser klar sein. Wer sich jedoch einfach mal in eine fremde Kultur hineinlesen will, für den ist das Buch noch immer eine spannende Erfahrung. Für den, der am Mount Kenya in einer Lodge sitzt ist es gleich doppelt spannend, ist der Mount Kenya doch für die Kikuyu Sitz ihres Gottes Ngai.
Jomo Kenyatta verfasste noch weitere Bücher: "My People of Kikuyu and the Life of Chief Wang'ombe" (1944), "Suffering Without Bitterness" (1968), "Kenya: The Land of Conflict" (1971) und "The Challenge of Uhuru" (1968).