Ich bin Mitteleuropäer, Deutsche, um genau zu sein, kann aber genug englisch, dass ich mir bei einer DVD den Film grundsatzlich lieber in der Originalfassung anschaue.
Ja, der Mittelpunkt des Filmes ist nicht unbedingt Football, sondern der Unterschied in der Lebensphilosophie: ist Erfolg für mich das höchste Ziel? Wenn ja, was tue ich dann, wenn dieser Erfolg ausbleibt - was im Leben von Coach Taylor der Fall ist. Dabei geht es nicht nur um das Team, auch privat geht einiges schief. Z.B. möchte seine Frau gerne ein Kind, schafft es aber nicht schwanger zu werden.
Wenn der durchschnittliche Mitteleuropäer nicht mehr an ein aktives Eingreifen Gottes in das Leben der Menschen glaubt, kann der Film hier aufhören. Der Coach ist ein Loser, seine Frau unfruchtbar, naja, kann man nichts machen.
Was bleiben dem 'Mitteleuropäer' für Möglichkeiten?
1.) Weiterhin verzweifelt alleine abrackern, über andere meckern, zum Schluss vielleicht zynisch werden und resignieren, oder
2.) Im Kino ein paar Helden anschauen, sich mit denen identifizieren und den eigenen Problemen ganz entfliehen.
Amerikaner (und wie gesagt, wohl noch ein paar letzte Mitteleuropäer) sehen das anders. Es gibt noch eine Möglichkeit, die hier im Film weiter verfolgt wird. Der Held (oder sollen wir sagen: der Versager) wendet sich im Gebet zu Gott.
Was danach kommt, könnte für den Mitteleuropäer eine interessante Lektion sein über den Unterschied eines Lebens mit oder ohne Gott. Da kommen keine Wunderblitze vom Himmel, keine Wunderheiler stellen eine gekünstelte Show auf, um sich einen Namen zu machen.
Nein, alles passiert ziemlich langsam, und eigentlich sehr wohl glaubwürdig. Da revanchiert sich ein Vater, dessen Familie der Coach geholfen hat. Da beschummelt das gegnerische Team und Gott bringt als Antwort auf Gebet den Betrug an den Tag, anstatt ihn durchgehen zu lassen.
Die Geduld des Coach wird zwar noch auf eine Probe gestellt, aber er lebt so lange ruhiger und auf lange Sicht lohnen sich Ehrlichkeit und Gottvertrauen.
Ich habe den Film nicht wegen des Footballinhalts angeschaut, sondern wegen des Eingreifen Gottes. Und ich kann mir den Eindruck nicht verwehren, dass bei der Reaktion auf den Film nicht Amerikaner und Mitteleuropäer sich scheiden werden, sondern solche, die an einen lebendigen Gott glauben und solche, die sich von den toten mitteleuropäischen Kirchen den Glauben haben nehmen lassen.
Vielleicht sollten sich mehr Deutsche den Film anschauen, um festzustellen, zu welcher Kategorie sie gehören...