Hinter dem Akronym Y & T stehen einerseits der an den BEATLES-Song angelehnte und unpraktische Bandname YESTERDAY & TODAY und zum anderen eine der dienstältesten, verdientesten aber leider auch unterbewertetsten Hard-Rock-Bands aus den USA der letzen vier Dekaden. Bereits Anfang der 70er Jahre fanden sich Dave Meniketti (voc,g), Joey Alves (g), Leonhard Haze (dr) und Phil Kennemore (b) zusammen, um sich kräftigem, melodischem Hard Rock mit dem einen oder anderen Blues- und Boogie-Einfluß zu widmen. Erst 1976 erschien das eponyme Debüt, das bereit die Trademarks der Truppe - die rasant bluesigen Leads des Frontmanns Meniketti gepaart mit seinem einem Sammy Hagar zur Ehre gereichenden Organs - erkennen ließ. Das Opus der dann folgenden 35 Jahre läßt sich dann in im wesentlichen drei Phasen unterteilen:
Die Frühphase umfaßt vor allem die Klassikeralben 'Earthshaker', 'Black Tiger' und 'Mean Streak' - von letzterem platzierte sich der Titelsong immerhin in die TOP 50 der Billboard Hot Hundred. Die Band erspielte sich in der Bay Area um San Francisco rasch einen Namen als erstklassiger Live-Act, tourte als Support für OZZY OSBOURNE, AC/DC und AEROSMITH und leistete sich selbst jüngere Bands wie RATT und MÖTLEY CRÜE als Vorgruppe. Kennzeichnend für diese Alben ist, daß Y & T sich in dieser Zeit allen Spielarten und Techniken des melodiösen Hard Rocks - Uptempo-Kopschüttlern, Mid-tempo-Rockern, stadiontauglichen Hymnen sowie chartgeeigneten Balladen - ohne jedes Kalkül und der damit verbundenen Authentizität widmeten. Kommerziell lief alles ganz ordentlich an, allein der ganz große Durchbruch mochte nicht gelingen, wenn gleich man sich 1984 immerhin auf dem Billing des legendären Monsters Of Rock in Castle Donington im Kreise solch arrivierter Acts wie AC/DC, VAN HALEN, OZZY OSBOURNE, ACCEPT, GARY MOORE und MÖTLEY CRÜE wiederfand.
Da die früheren Vorgruppen der Band ab Mitte der 80er Jahre dann auf dem Kulminationspunkt des Glam-, Sleaze- und Hair Metal-Tsunamis allesamt mit Platinauszeichnungen für ihre Millionenverkäufe honoriert wurden, deutete auch der Vierer die Zeichen der Zeit, schmiß die Lederklamotten über und ließ die Tolle toupieren. Der Gitarrenvirtuose Stef Burns (THE VU, ALICE COOPER (Hey Stoopid), HUEY LEWIS) ersetzte Alves und später stieß auch noch der Ausnahme-Fellgerber Jimmy De Grasso (ALICE COOPER, WHITE LION, SUICIDAL TENDENCIES, MEGADETH) für Haze zur Band. In dieser zweiten Schaffensphase blieb man dem melodischen Hard Rock zwar treu, versuchte aber doch ganz offensichtlich - vermutlich auch auf Druck des Labels Geffen, dem damaligen Branchenprimus - die eine oder Radionummer zu produzieren. Alben wie 'In Rock We Trust", 'Down For The Count' und 'Contagious' wiesen dann dementsprechend teilweise etwas schablonenhaften us-amerikanischen 80er-Hard Rock auf. Gleichwohl bieten auch diese Alben echte Highlights und produzierten immerhin Hits wie 'Summertime Girls' - das trashige Video hat Kultstatus - und 'Don't Stop Runnin'. Highlight dieser Schaffensphase ist die Veröffentlichung 'Ten' von 1990, die harten Melodic Rock in Perfektion anbietet und mit 'Don't Be Afraid Of The Dark' noch einmal die Charts knackte, aber auch mit Klassikern wie 'Hard Times'und 'Come In From The Rain' zu überzeugen vermochte. Nachdem aber auch dieses Album floppte, entschied man sich noch für eine Abschieds-Tournee auf der man das grandiose 'YESTERDAY & TODAY LIVE' mitschnitt.
Die Band löste sich auf, Meniketti verschrieb sich dem harten Blues und es sollte bis in die zweite Hälfte der 90er dauern bis man mit 'Musically Incorrect' und 'Endangered Species' wieder unter der Marke Y & T zwei doch eher sperrige Alben veröffentlichte. Wiederum schien das Kapitel Y & T geschrieben zu sein, bis dann im neuen Jahrtausend zwei Zusammenstellungen von unveröffentlichten Songs und Demos erschienen. Richtig Fahrt nahmen die Jungs aber erst wieder vor einigen Jahren mit verstärkten Live-Aktivitäten und der herausragenden DVD 'One Hot Night' auf. Den großen Anklang, den vor allem die Konzerte der Band finden, haben die Meniketti und Kennemore nach vier Millionen verkauften Alben, fünf Top-Hundert-Platzierungen und nunmehr 13 Jahren Pause verstärkt durch John Nymann (g; ERIC MARTIN BAND, GREG KIHN BAND) und Mike Vanderhule (dr; SOULMOTOR) zum Anlaß genommen, mit 'Facemelter' das erste komplett neue Studioalbum seit 13 Jahren aufzunehmen.
Der Titel ist eine Anspielung auf das Band-Credo, 'face melting music' zu produzieren. Das Cover ist eine Reminiszenz an viele Genre-Cover der 80er- und 90er Jahre und erinnert stilistisch ein wenig an die Grafiken der ,Bat Out Of Hell'-Epen von MEAT LOAF.
Y & T brechen mit diesem Album keineswegs zu neuen Ufern auf, sondern wildern kräftig im eigenen Backkatalog. Das machen sie aber ganz vorzüglich. Da wird schnell - ganz im Stile von ,Meanstreak' - marschiert bei Songs wie ,On With The Show', dem Japan Bonus ,Deadly Deceiver', ,Blind Patriot' und der ersten Single ,I'm Coming Home', die durch ihre zackige Rhythmusarbeit, aber auch gewohnt melodischen Refrains unter Mehrstimmeneinsatz bestechen.
Stampfend im Mid-Tempo angesiedelt kommen ,Shine On', ,Gonna Go Blind' und ,How Long' daher, das einen typischen, hymnenartigen ,Y & T'-Chorus aufweist.
Balladesk bzw. etwas getragener wird es eigentlich nur bei der gelungenen Nummer 'If You Want Me', bei der Meniketti auch mal etwas andere Facetten seines Ausnahmekönnens an den sechs Saiten präsentiert.
Alles in allem ist das Album also sicher keine Überraschung, sondern eine Rückbesinnung auf die Stärken früherer Alben und liegt im Vergleich zu den letzten beiden Studio-Outputs wieder klar im Aufwärtstrend.
Freuen darf man sich auf die Show im Kölner Underground am 15.06.2010.