Mit acht Songs viel zu kurz, ist Face The Music einer der ungezählten Meilensteine auf dem Weg Jeff Lynnes zum ungekrönten König der britischen Popsongwriter. Das unerschöpfliche Talent des introvertierten Engländers verhilft bereits den ersten vier Songs zu einer überragenden Qualität in Kompositon und Produktion - das spannende Instrumental 'Fire On High' (mit Rückwärtsbotschaften), 'Waterfalls' mit Bach'schen Harmonien, der discopoppige Welthit 'Evil Woman' sowie das packende 'Nightrider'. Danach hat Lynne mit dem hektischen 'Poker', dem richtungslosen, ELO-untypischen 'Strange Magic' und dem nervig-folkigen 'Down Home Town' drei Durchhänger, bevor er sich mit 'One Summer Dream' einen absolut grandiosen Geniestreich leistet: Treibendes, crashiges Schlagzeug mit süffigen Toms, fette, schmeichelnde Celloakkorde und verfremdete Akustikgitarren, darin eingebettet die Stimme des Meisters, der aus einem Nichts an Melodie und zwei Orchesterakkorden ein Werk für die Ewigkeit kreiert - der geniale Soundtrack zu den Bildern, die unweigerlich vor dem geistigen Auge des Zuhörers entstehen. 'One Summer Dream' ist der überragende Schlußpunkt einer handwerklich perfekten und dabei unendlich gefühlvollen Platte, es zeigt einen begnadeten Musiker auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Trotz der brillanten Produktion und des hohen technischen Könnens aller Beteiligten ist Face The Music kein seelenloses Machwerk, man spürt die Spielfreude der Band, die den Ergüssen von Jeff Lynnes überbordernder Kreativität Leben und Geist einhaucht und aus seinen Melodien hartnäckige Ohrwürmer macht. Auch nach 25 Jahren klingen diese Aufnahmen frisch und zeitlos, und gemessen an dem, was Jeff Lynne damals an Songschreiber- und Produzentenkönnen in eine Platte steckte, kann ihm von der heutigen Musikergeneration kaum einer auch nur entfernt das Wasser reichen. Dennoch, ein Manko bleibt: Die Platte ist viel zu kurz!