Auch wenn mit dem Beginn der Achtziger der Sound von Barclay James Harvest zeitgemäß popiger wurde, verließen sie niemals den Weg eines hohen rockigen Anspruchs aus den Augen. Nach den beiden persönlichen Liebeserklärungen, dem in der tat etwas stark popangehauchten - Prisoner of Love - von Les Holroyd und dem bombastischen - He said love - kommt mit - Alone in the Night - der erste richtig interessante und große Kracher, der auch live unglaubliche Spannung entfacht. Danach folgen erneut zwei liebesangehauchte Titel, was dann für viele älteren Fans doch ein bisschen zu viel des Guten war. Die einerseits gut gemeinte textliche Botschaft der Band, dass wir alle viel mehr Liebe anstatt Krieg, Mord und Totschlag benötigen, kam zumindest im ersten Teil nicht so ganz rüber, wie es sich die Band vielleicht vorgestellt hat.
Im zweiten Teil werden BJH dann wieder politischer. Neben der traurigen Hymne über Kiev, die Hauptstadt der Ukraine, die seinerzeit nach dem entsetzlichen Reaktorunfall von Tschernobyl ein wenig längerfristig im Mittelpunkt der Medieninteressen stand, erheben BJH ihre Stimme auch gegenüber der Apartheid, und greifen die verantwortlichen Politiker und die menschenverachtenden Regime direkt mit diesem aggressiven Lied ganz heftig an.
Gerade der zweite Teil dieses Album ist ein ganz großes atmosphärisches Theater, denn bei - All my life - gibt es erstmals ein ganz tolles, ja fast schon hypnotisches Saxophonsolo zu hören, bevor nach einem kurzen, aber durchaus genialen panischen Intermezzo mit - Guitar Blues und On The Wings of Love - die musikalische Reise sehr würdevoll zu Ende geht.
Die remasterte Version enthält noch drei Single-Versionen, darunter auch die absolut abgefahrenen 12-inch Single von Panic. Die Remasterung ist bärenstark gelungen. Man darf nur hoffen, dass auch noch die noch fehlenden Alben aus den Achtzigern ' Turn of the Tide, Ring of Changes, Victims of Circumstances und Glasnost - irgendwann einmal in dieser tollen Soundqualität aufgelegt werden. Verdient hätten sie es.