Rezension zum Roman: "Fabrik der Offiziere" ( D 1960 )
Zum Inhalt:
Sommer 1944 an einer deutschen Heeres-Offiziers-Schule:
Während einer Pionierübung kommt ein junger Ausbildungs-Offizier -Leutnant Barkow- ums Leben. Der Schul-Kommandeur
-Generalmajor Modersohn- beauftragt Barkows Nachfolger -Oberleutnant Krafft- mit der Untersuchung dieses mysteriösen
Unglückfalls. Dieser, ohnehin kein glühender Anhänger des NS-Regimes, deckt nach und nach auf, dass der "Unfall" ein
eiskalt geplanter Mord dreier fanatischer Fähnriche war, denen Barkow zu "liberal" und "wehrkraftzersetzend" war.
Krafft, der die volle Unterstützung des Generals hat, kann schließlich die drei Täter überführen. Zeitgleich schaltet
sich aber auch ein undurchsichtiger Oberfeldrichter in die Ermittlungen ein und stellt sich hinter die Täter....
Zur Bewertung:
"Fabrik der Offiziere" ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Hans Helmut Kirst (1914-1989) und wurde im Jahre
1960 veröffentlicht.
Kirst war bis 1945 Berufsoffizier und unterrichte während des Zweiten Weltkrieges als Lehroffizier an verschiedenen
deutschen Militärschulen.
Der Roman wurde im Jahr seines Erscheinens -1960- verfilmt. Eine Neuverfilmung erschien im Jahre 1989.
Der Roman spiegelt in dem bunt zusammengewürfelte Korps der Ausbildungsoffiziere die unterschiedlichsten Charaktere
des untergehenden Dritten Reiches wider: den aalglatten Opportunisten Major Frey, den brutalen Hauptmann Katers, den
intellektuellen Hauptmann Feder, den dekadenten Schwächling Hauptmann Ratshelm, den idealistischen und wahrheitslieben-
den Oberleutnant Krafft, der dadurch immer wieder leicht bei seinen Vorgesetzten aneckt und der wortkarge und undurch-
sichtige Kommandeur der Schule, Generalmajor Modersohn.
Interessant ist auch der Charakter des linientreuen Oberfeldrichters Wirrmann, der die vom Nationalsozialismus abhängi-
ge Justiz verkörpert.
Ein spannender und interessanter "Antikriegs-Roman", der absolut lesens- und empfehlenswert ist.
Dieser Roman beschreibt -unter anderem- die Abhängigkeit der deutschen Justiz vom Nationalsozialismus. Als bekannt
wird, dass die Mörder linientreu sind und der ermordete Offizier Regime-kritisch war, komen die Täter "fast" unge-
schoren davon.
Das zeigt sich auch am Ende des Romans, denn: Die Regime-Kritiker wurden -noch während des Krieges-, da der Roman
kurz vor dem Attentat auf Hitler angesiedelt ist, verhaftet und hingerichtet. Die "Linientreuen" überlebten den
Krieg und machten rasch und ohne Unterbrechung Karriere in der jungen Bundesrepublik Deutschland.