Das dritte R.E.M. Album "Fables of the reconstruction" aus dem Jahre 1985 dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die stetige Fortentwicklung dieser Indie-Rock-Truppe zu einer Band, die handgemachte Gitarrenmusik und eine Verbindung von Rock und Folk-Elementen in den Mainstream der Rock/Pop-Branche einführte.
Diese hier angebotene CD enthält neben den 11 Album-Tracks drei weitere, unbekannte Stücke und 2 live-Versionen von "Maps and legends" und "Driver 8"; ich möchte mich bei meiner Rezension jedoch auf das Original-Format des Albums beschränken, welches gemeinhim als das düsterste und pessimistischste seiner Art gilt.
Unter dieser extrem gewählten Beschreibung stelle ich mir musikalisch etwas anderes vor. Zwar ist die Melancholie die vorherrschende Stimmung auf dieser Platte, aber die meisten Songs klingen doch recht schwungvoll, gerade dank Peter Buck's unglaublich prägnanten Melodielinien auf der E-Gitarre und dem forschen Schlagzeugspiel von Bill Berry, der alles aus seiner Hi-Hat rausholt, was möglich ist (vor allem auf "Can't get there from here"). Dieser letztgenannte, etwas unheimlich, aber trotzdem tanzbar wirkende Song stellt zusammen mit den melancholischen Stücken "Driver8" und "Green grow the rushes"(vielleicht der beste R.E.M.-Song überhaupt) ein Triple dar, das es zurecht auf die Best-of-CD schaffte und die anderen Tracks des Albums deutlich überragt. Die ganz große Konstanz, was das Songschreiben betrifft, fehlte den R.E.M.-Leuten damals also noch, deshalb würde ich "Fables of the reconstruction" beispielsweise den großen Werken der 90er Jahre unterordnen.
Nun zu den übrigen Album-Tracks:
Der Auftaktsong "Feeling gravity's pull" mit seinem verstörend-schrägen Riff als Basis der Strophen, über den Michael Stipe jedoch eine in diesem Zusammenhang überraschend sauberen Gesangspart zu legen weiß, bietet einen interessanten Einstieg, auf das folkigere, aber auch sehr melancholische "Maps and legends" folgt. Ein sehr abgedrehter Gesangs-Part kennzeichnet das zur Abwechslung recht fetzige "Life and how to live it".
Danach schlängelt sich das lässige "Old man Kensey" mit einem typischen Moll-Gitarren-Riff als Leitmotiv in das Ohr des Hörers.
Einen weiteren Höhepunkt neben den drei am Anfang genannten Song-Titanen stellt für mich "Kohoutek" dar, bei dem sich der klagende Gesang Stipes ganz dezent hinter einer Wand voluminöser Gitarren versteckt; ein Rezept, das für die Jungs aus Athens, Georgia schon oft zu gelungenen Arrangements geführt hat.
Als weniger gefällig empfinde ich jedoch das meiner Ansicht nach hektische "Auctioneer", vor allem den bewusst schief-gesungenen Refrain. Einen versönlichen Abschluss bieten jedoch das ruhige "Good advices" und das Lagerfeuer-Feeling-Lied "Wendell Gee". "Fables of the Reconstruction": düster? - schon, aber depressiv: nein - jederzeit nett anzuhören!