Es ist richtig, dieser Film ist eine ausgesprochen werkgetreue Umsetzung des Kästner-Buches. Im Unterschied zu manch einem Vorrezensenten vermag ich ihn gerade deshalb nicht zu loben. Es ist nicht nur zur Gänze unnötig, den Film anzusehen, wenn man die Buchvorlage kennt, da er über die Buchvorlage hinaus keine eigenen Akzente setzt (außer das bißchen Hintergrundmusik), während ihm gleichzeitig etwas vom Esprit und der beißenden Schärfe der Vorlage fehlt. Damit ist, wie ich fürchte "uninspiriert" das richtige Attribut.
Der Film ist jetzt über dreißig Jahre alt, vielleicht entspricht er dem Stil der Endsiebziger, aber das reicht mir trotzdem nicht aus. Betrachtet man nämlich die Radikalität der Buchvorlage und das gesellschaftliche Klima zum Zeitpunkt, als das Buch erschien, stoßen die wunderbar 1:1 umgesetzten 20er Jahre Szenen sauer auf. Diese Geschichte könnte, so wie sie ist, mit einer einzigen kleinen Nuance (die Existenz der Zimmerwirtin nämlich, da die Gattung ausgestorben ist), auch im Jahre 2010 spielen: zwischen auslaufenden Zeitverträgen in den PR-Abteilungen, Hartz IV und der Instabilität in den persönlichen Beziehungen und einer Elterngeneration, die beim besten Willen nicht verstehen kann, daß die Welt nicht mehr ist, wie sie vor dreißig Jahren war. Vor diesem Hintergrund (der 1979 zwar nicht so extrem deutlich war, wenn auch damals schon Arbeitslosenzahlen in die Höhe schossen und Studenten nach dem Abschluß auf der Straße standen) ist es eine Verharmlosung des Buches, die Geschichte in die Kostüme der Vergangenheit zu kleiden, als ob uns das, was der Autor zu sagen, hat, rein gar nichts mehr anginge.